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Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou

September 19, 2018

Als erstes nahm ich die Coiffeur-Schilder wahr, dann die Wandmalereien eines ökologischen Projekts, die Schilder eines Fischverkäufers und Wandgemälde eines Motorrad- und schließlich eines Fahrradhändlers: Rührend naive, handgemalte Werbung in einem der zehn ärmsten Länder der Welt, in dem es fast keine Plastik-Ladenschilder, geschweige denn Leuchtreklame gibt.

Ich habe das in stark nostalgischen Gefühlen in Erinnerung an die handgemalten  Kinoplakate im Syrien und Ägypten der späten 1980er-Jahre wahrgenommen, aber auch an Ladenschilder in Äthiopien 2011, weshalb der Impuls unwiderstehlich war, meine Funde vom August in Burkina Faso hier – in Erinnerung vor allem an meine ägyptischen Versäumnisse – jetzt mal gründlicher zu dokumentieren.

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Auf dem Gelände des Parks rund um die Caféteria Fil d’or im Vorort Tampoui der Hauptstadt fiel mir ein Gebäude mit einer städtischen Werbung für Umweltschutz ins Auge. Den Stil habe ich später downtown wieder gefunden. Er knüpft offenbar an eine sehr alte Tradition der „art mural“ an, die vor allem in den Regionen Kasséna und Lobi praktiziert wird. Diese Tradition hat offenbar moderne Maler inspiriert, Wandgemälde in verschiedenen Stilen umzusetzen (naiv, figurativ und abstrakt).

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Hier gab es ein schönes Detail einer verblichenen Werbung für einen Copyshop:

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

In der Innenstadt entdeckte ich einen Fahrradladen und ein Geschäft für Motorräder, deren Außenwände in dem gleichen rührend naiven Stil bemalt waren. Letzteres wahrscheinlich vom selben Maler wie im Park.

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Der Moto-Laden befindet sich in einer der wichtigsten Hauptstraßen der Innenstadt, in der Umgebung von Botschaften, Hotels und Nachtclubs: Der Avenue Kwame Nkrumah. Schwierig zu schätzen, aus welcher Dekade das wohl stammt: 1980er-Jahre? Rührend nicht nur der Malstil und der Gesichtspunkt Mann-Frau-Verhältnis, sondern auch die Sprüche.

Mein Gatte ist fähig (das Motorrad als Statussymbol):

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

„Meiin Großvater begleitet uns zur Schule“, „Ich bringe meinen Kleinen zur Schule“ (er/ ich agiere verantwortungsvoll):

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Natürlich auch etwas für die Zielgruppe junger Männer, die sich draufgängerisch-mutig bewähren wollen:

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Und eine Szene, mit der die Reparaturmöglichkeiten, inklusive Reifenwerbung,  beworben werden:

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Zuletzt (ich ging von links nach rechts) eine Szene, in der die Freiheit betont wird, die Frauen durch den Kauf eines Motorrads erlangen, betont wird – genau das, was ich stark erlebt habe.

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidtrgleich zum eigenen Auto…

Das alles natürlich nichts im V

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Alte Wandmalereien als Spiegel der Gesellschaft, deren Aussagekraft bis heute kaum an Wirkung verloren hat. Zu den Hintergründen dieser Kunst schreibt Graham in seinem Blog über Ladenschilder in Burkina Faso, dass bis heute ein großer Teil der Bevölkerung nicht alphabetisiert ist und daher Läden in klaren, einfachen Bildern zeigen müssen, was sie anbieten.

Ein polnischer Reisender und Blogger, Roman Husarski, hat diesbezüglich 2014 in Ouaga noch ein ganz besonders schönes Exemplar einer Wandmalerei gefunden, leider ohne zu sagen, ob es sich um Werbung oder um eine Warnung der Verkehrsbehörde handelt:

burkina_faso_Roman_Husarski_3_800

Oder kann mir einer seine Bildunterschrift übersetzen? „Sztuka uliczna nie rozczaruje nawet najbardziej wymagających!“ Das wäre nett: Hat er das in der Sztuka-Straße gefunden?

Verwendete Quelle: Klotchkoff, Jean-Claude/ Devey, Muriel: La Peinture, in: Le Burkina Faso, Éditions Jaguar, Paris 2010, S. 241

Handgemalte Ladenwerbung_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

One Comment
  1. wow! beeindruckend!

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