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Class Café_Ouagadougou

September 14, 2018

Nach ein paar Tagen, die ich ausschließlich in einem Vorort verbracht hatte, wurde es Zeit, einmal „Downtown“ zu sehen. David fuhr mich am 14. August per Moto zu einer Buchhandlung, weil ich endlich einen Stadtplan haben wollte, und dann in die Avenue Kwame Nkrumah, benannt nach dem Helden der Unabhängigkeit von Ghana und hier in Burkina Faso bekannt als Hauptachse von Hotels und Nachtclubs.

Class Café_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Class Café_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

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Ich war überrascht, dass es hier keine Cafés gab, bis auf das durch einen islamistischen Anschlag berühmte „Cappucino“ – bis ich an der Einmündung der rue 5.10 die orangene Markise des „Class Café“ entdeckte und David sagte, dass das mein Ort ist, der Ort sein würde, von dem aus ich mir die Hauptstadt von Burkina Faso erschließen würde. Wir fuhren also vor und es ergab sich ein echtes Problem: David hatte von seiner Schwester die Anweisung bekommen, mich bei diesen Erkundungen ganztags zu begleiten, damit mir nichts passiert. Darauf hatte ich nun gar keine Lust (vielleicht er auch nicht). Jedenfalls musste ich längere Zeit auf den 21-jährigen einreden, ehe er sich tatsächlich davon machte – mit der Verabredung, dass er mich 18 Uhr am „Cappucino“ abholt. Das Thema kenne ich aus der arabischen Welt: Westlicher Individualismus des eigenen Erkunden-Wollens ist schwer nachvollziehbar.

Class Café_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Downtown wirkte im Kontext dieser unendlich großen Stadt mit Hunderttausend kleinen, einstöckigen Häuschen  in dörflichem Kontext, wie eine Ansammlung von Ufos aus einer anderen Welt. Aber hier, dieses Café, war der einzige Ort, an dem das andere, echte Ouaga gewissermaßen noch eine Repräsentanz hatte: eine dieser Metallboxen, die ich aus dem Vorort Tampoui so gut kenne, nur diesmal in grün – statt blau – gestrichen und mittels einer Vordachkonstruktion erweitert.

Class Café_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Class Café_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Class Café_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Class Café_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Class Café_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Class Café_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Class Café_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Erstmals sah ich hier etwas sehr typisches: Eine bereit gestellte Plastikschale mit einer Kanne oben drauf (sehr selten – wie hier – auch mit einem Stück Seife), damit sich die Kunden vor oder nach dem Essen die Hände waschen können. Über der Schale, damit das Wasser ein zweites Mal genutzt werden kann.

Class Café_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Ich bestellte, was es heute gab: Reis mit Fisch und Maniok – und genoss es, außer dass der Fisch sehr hart und schwer zu teilen war. Neben mir noch einige andere Esser. Das Lokal ist eher Mittagspausenort für Angestellte der Umgebung, denn Café – geschweige denn Ort des kommunikativen Austauschs unter Fremden.

Und hatte einen schönen Tag mit vielen Entdeckungen. Nadège war zwischendurch aber irritiert und gar voller Angst, dass ich verloren gehen könnte, zumal ich kein WLAN fand. Und machte David Vorwürfe… Ihre Ängste hatte ich unterschätzt. Ich konnte das abends aber erklären und vielleicht hat sie etwas gelernt über die Menschen aus dem Norden (gerade mal zwei weitere sah ich während dieses Tages).

Class Café_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Anfang Januar 2019 war ich noch einmal hier, erwischte allerdings eine eher mürrisch-unfreundliche Kellnerin: Ich wollte etwas essen und es hieß, es gäbe Reis mit Sosse. Dann kam sie zurück und meinte plötzlich, es sei alle – nur um kurz drauf zwei Frauen Reis zu servieren. OK, auch gut, einmal zu erleben, dass man als „Nassara“ oder „Blanc“ nicht immer bevorzugt wird.

Und es war auch deshalb ein wichtiger zweiter Besuch (es ist immer gut, zu einem Ort zurück zu kehren, weil sich dann dessen erste Wahrnehmung relativiert): Mir wurde klar, dass das hier, was mir erst so extrem einfach erschien, fast schon eine Luxusvariante der für die Vororte so typischen blauen Café-Kioske ist. Und tatsächlich das einzige Lokal im City-Geschäftsbezirk, in dem man richtig draußen, halb auf der Straße sitzt, nicht zurückgezogen hinter Mauern oder Büschen. Und ich entdeckte um’s Eck die Freiheitsstatue von Ouaga.

Class Café_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

From → Cafés, Ouagadougou

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