Zum Inhalt springen

Friseurschilder in Ouagadougou

August 30, 2018

Schon am zweiten Tag in der Hauptstadt von Burkina Faso fiel mir etwas ins Auge, durch das sich Ouagadougou für mich wirklich signifikant von anderen Städten unterscheidet (wenn ich auch erstmals in Westafrika war): Handgemalte Schilder von Friseursalons. Sehr liebenswert und also ein schönes Thema für eine Fotoserie. Nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern auch deswegen, weil ein gewisser Körperkult urafrikanisch zu sein scheint. Nur heute anders als früher.

Der erste Friseursalon, der mir gegenüber de Restaurants „Savane Plus“ ins Auge fiel, „Ouattara Coiffure“, war für männliche Kundschaft ausgerichtet. Bei meinen späteren Spaziergängen durch den Vorort Tampouy hielt sich die geschlechtsspezifische Ansprache aber die Waage. Friseure, die Männer und Frauen frisieren (coiffure mixte), sind aber eher selten. Das zeigt sich schon an den Namen, die wohl immer Bezug auf die Inhaber nehmen: Ellena Coiffure, Rosine Coiffure, Benu CoiffureMira Coiffure…, selten etwas neutrales wie Burkindi Coiffure oder Espoir Coiffure, und noch seltener Namen, die einen gewissen Stil anpreisen, wie Coiffure des Stars oder  Dallas Coiffure.

Während bis in die 1990er-Jahre kaum Männer als Friseure arbeiteten, hat sich das gewandelt. Jetzt sprießen auch von Männern betriebene Salons wie Pilze aus dem Boden. Männer scheinen auch einen besseren Ruf zu haben, gute Arbeit zu leisten, weil die meisten Frauen ohne gründliche Ausbildung arbeiten, heißt es.

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Diese zwei ersten von 19 entdeckten Salons waren – im Nachhinein gesehen – eher die Ausnahme. Die wenigsten Friseure haben einen fest etablierten Laden an einer Hauptstraße. Viele arbeiten in Nebenstraßen von Zuhause aus, in einer Bude vor dem Haus, an das sie nur einen Aufsteller platzieren. Es gibt einen relativ einheitlichen Stil. Unter anderem sind die dargestellten Menschen immer deutlich heller, als in der Realität. Und doch ist jede Werbetafel und jedes Bild anders. Ich habe nur handgemalte Schilder gesehen. Jemand sagte mir, es gäbe darauf spezialisierte Maler.

Das nächste Schild entdeckte ich am Café Pyramide, allerdings erst im Nachhinein beim Betrachten der Fotos zurück in Saarbrücken (wie immer lohnt ein Blick en détail): Ein sehr besonderes Exemplar, bei dem einem Business-Kunden offenbar alles wegrasiert worden ist…

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

A propos: Bei den Schildern für die männliche Kundschaft wird fast immer ein Elektrorasierer mit gemalt, was mir anfangs kaum auffiel. Bei denen für Frauen nie (dafür Hände und Füße um das zusätzliche Mani- und Pediküre-Angebot zu betonen, das aus den Friseursalons Beautysalons macht).

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Ausflug in die City:

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Am Aufgang zum Grand Marché lockte ein „Coiffur“ mit ähnlich coolem Bartschnitt unter einer – zu rasierenden – Glatze und nannte ein paar Preise: 200 – 500 Franc CFA, also 30 – 90 Eurocent.

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Und wieder Tampouy:

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Die Friseure für Frauen bieten auch Maniküre, Pediküre, insbesondere Finger- und Fussnagelverschönerung, Flechten und Verkauf von „méches“ (künstlichen Locken) und zuweilen auch Tatouage an. Bei den Männern kommt das Angebot kunstvoll rasierter Bärte dazu. Es dauerte eine Weile, ehe ich verstand, dass hier kaum Haare geschnitten werden und der Job des Coiffeurs ganz andere Fähigkeiten erfordert, als in Europa.

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

 

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Woher aber stammt dieser Stil, diese Tradition, solche Bilder zu malen? Offenbar wurde hier eine schon früh in den Regionen Kasséna und Lobi praktizierte Tradition von Wandgemälden heruntergebrochen auf die Ebene kleiner Schilder, um die angebotenen Schnitte potentiellen Kund*innen in naiver Weise schmackhaft zu machen.

Die Schilder wirken dennoch haarstilistisch recht veraltet. Neue Modetendenzen wie das Revival des High Top Fade werden nicht dargestellt. Jacqueline Sandwibi, eine Friseurin, deren Geschäft in einer Reportage der Neuen Züricher Zeitung beschrieben wurde, nennt auch die Coupe Teptonic: „Dabei werden die Haare zunächst gestreckt, um dann oberhalb des Ohrs etwa drei Finger breit eng an die Kopfhaut gezöpfelt zu werden. Die restlichen Haare sind mit eingeflochtenen Verlängerungen stark gekräuselt. Das dauert bis zu drei Stunden – je nachdem wie viele Extensions ins Haar eingeflochten werden. Eine Variation dieses Stils ist die Coupe Rihanna: Anstelle der gekrausten Verlängerungen sind die Haare platt und mit farbigen Mèches versehen.“

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Schließlich begegnete mir bei einem Spaziergang mit dem Bruder meiner Gastgeberin noch eine Nachbarschaftsfriseurin, die auf der Strasse einer Nachbarin oder Freundin die Haare frisierte: Kleine Zöpfchen, mit einem Band zusammen gehalten. Ich durfte – nachdem ich meiner ehrlichen Faszination Ausdruck verliehen hatte – von Nahem fotografieren.

Und lernte später, dass es noch Mitte der 1990er-Jahre im ganzen Land keine einzige Ausbildungsstätte für den Friseurberuf gab. so gut wie alle Frauen und Mädchen wussten – durch Nachahmung -, wie man schöne traditionelle Frisuren herstellte. Sie frisierten sich gegenseitig, ohne dass es dafür eine Entlohnung im direkten materiellen Sinne gab, wie Jules Kafando, ein Kenner der Ausbildungsszene 2004 in einem Interview betonte. Heute dagegen (also 2004) würden Friseur*innen „moderner Schnitte“, die im Ausland eine Ausbildung erhalten haben, Salons eröffnen, in denen junge Leute – vor allem Mädchen – auch eine Ausbildung im weitesten Sinne machen können.

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurin in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Friseurin in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

In einem der ärmsten Länder der Welt ist es offenbar nicht nur für Ledige sehr wichtig, in die Attraktivität  des eigenen Körpers zu investieren. Aber nicht wegen des Kontrasts zur materiellen Armut (im Sinne von Statussymbolen), sondern um der eigenen Schönheit, des Status und der Würde wegen – das hat eine jahrhundertealte Tradition. Viel ausgeprägter als etwa in Europa. Denn die Frisur ist nur ein Aspekt. Jener, der für mich in dieser Woche sichtbar wurde. Andere sind Kleidung, Tattoos und Schmuck.

Später entdeckte ich noch Malereien ähnlichen Stils an Ladenwänden, die ähnlich faszinierend waren.

Verwendete Quellen und mehr: Bangre, Aïssata: Salons de beauté à Ouagadougou: Ces hommes, coiffeurs de femmes in: ouaga.com, 27.12.2013; Barry, Resbron Guy: Coiffure : Le High Top Fade de retour à Ouagadougou, in: lesouverain.com, 03.06.2017; Douce, Sophie: A Ouagadougou, le crépu n’effraie plus, Le Monde, 30.07.2018; Fisher, Angela: Africa Adorned, London 1984;  Kere, Wendyida Germaine: Coiffure à Ouaga : La gente féminine de mèche avec les mèches, in: burkina24.com, 24.01.2013; Klotchkoff, Jean-Claude/ Devey, Muriel: La Peinture, in: Le Burkina Faso, Éditions Jaguar, Paris 2010, S. 241; Marinelli, Cécile: L’apprentissage d’un métier, Interview de Jules Kafando, Mars 2004, in: Les Amitiés Franco-Burkinabé (Hg.): La vie quotidienne au Burkina-Faso, L’Harmattan, Paris 2008, S. 154-157; Meyer, Frederic: «Ideen hole ich aus dem Fernsehen», NZZFolio, August 2014

Friseurschilder in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

One Comment
  1. Eine sehr schöne Sammlung an Friseurschildern. Ich kann aus der Vergangenheit bestätigen, daß man solch schöne Schilder auch in anderen Ländern dieses Kontinents bewundern kann. Viel Spaß noch in Ouga.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: