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Weihnachtskrippen in Ouagadougou

August 28, 2018

Wirklich reisen heißt mit offenen Augen unterwegs sein. Und nicht auf so genannte Sehenswürdigkeiten fixiert seine Wege gehen, sondern überall links und rechts schauen. Dann entdeckt man die wirklich interessanten Dinge. Im Vorort Tampouy der Millionenstadt Ouagadougou bin ich Mitte August vom Restaurant Savane Plus, einem Ruheort für Zwischendurch, südwärts gelaufen. Und stand am staubigen Straßenrand eines von zwei Moscheen dominierten Viertels plötzlich vor einer Konstruktion aus Backsteinen, deren Sinn sich mir überhaupt nicht erschließen wollte, obwohl an der Wand dahinter ein christlicher Weihnachts- und Neujahrswunsch stand.

Ich machte ein Foto, als gerade zwei Mädchen den Innenhof verlassen wollten. Sie sind jedoch gleich wieder zurück. Erschrocken?

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Aber sie kamen gleich wieder raus und ich fragte, um was es sich hier handelt. Ich verstand, dass es sich um eine „Crèche“ handelt und missverstand zunächst, dass das Gebäude ein Kindergarten sei. Beim zweiten dieser Gebilde, etwas weiter die rue Narcisse K. hinunter, bekam ich aber die richtige Erklärung: „Crèche“ steht für „Krippe“, aber nicht Kinderaufbewahrungsanstalt, sondern die Krippe, in der Jesus geboren wurde.

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Man würde dort zur Weihnachtszeit Figuren platzieren. Wie bei uns in Allemagne unter dem Tannenbaum, erklärte ich. Wahrscheinlich werden die Figuren dann wieder entfernt und man überlässt die Konstruktion ihrem Schicksal.

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Erst als ich sie entdeckt hatte, bekam ich ein Auge für diese Kleinbauten. Und doch habe ich nicht jeden wahrgenommen, wie ich im Nachhinein im Hintergrund eines Fotos einer Nachbarschaftsfriseurin und meines Stammcafés entdeckte:

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Letzteres ist ein Suchbild: Wo findet sich die Krippe und wo die stehen die Neujahrswünsche?

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Zurück in Deutschland fand ich zwei Internetseiten, die sich dem Thema widmen: einer offiziellen, vielleicht staatlichen Seite namens Planete Burkina und der Seite eines französischen Fotografen, der sich viel intensiver, als es mir möglich gewesen wäre, mit dem Thema beschäftigt hat: Christian Costeaux. Figuren sind dort allerdings nicht zu sehen. Nur die schönen Krippen. Sie werden jedes Jahr von Kindern und Jugendlichen konstruiert, nicht nur als Kirchen, sondern erstaunlicherweise auch in Moscheeform.

Zur Jahreswende 2018/19 war ich wieder für zwei Wochen in Burkina Faso und lernte wieder einmal, wie wichtig es ist, einen Ort zwei Mal zu besuchen: Ich entdeckte neue, frisch gebaute und bemalte Weihnachtskrippen. Es scheint einen typischen Stil zu geben, bei dem das Gebäude aus drei Teilen besteht, dessen mittlerer größer oder auch kleiner, als die äußeren, manchmal auch zurückgesetzt ist. Alle drei Partien weisen je eine Höhlung auf, die mittlere meist größer. Meist entsteht so ein treppenartiger Bau – einige haben auch tatsächlich zusätzliche Treppen an der Außenseite. Immer aber sind sie weiß angestrichen, bekommen Kreuze, Blumen oder Glocken aufgemalt und sind fast immer beschriftet.

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Es gibt aber auch Sparversionen:

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Und moderne Varianten:

Weihnachtskrippen in Ouagadougou (c) Ekkehart Schmidt

Manche Konstellationen aus Sockel, Bau und Schriftfläche an der dahinter liegenden Wand weisen als zusätzliches Element einen Handabdruck auf. Vielleicht gehört der nicht wirklich dazu, könnte aber auch ein Hinweis darauf sein, das sich Animismus und Christentum auch in der Lebenspraxis miteinander vermischen.

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Besonders deutlich wurde das im archaisch wirkenden Dorf Koumi, südlich von Bobo Dioulassou. Dort gibt es Fetischsäulen, an denen den Ahnen geopfert wird, zugleich aber auch Weihnachtskrippen:

Weihnachtskrippen in Burkina Faso ⓒ Ekkehart Schmidt

 

Weihnachtskrippen in Burkina Faso ⓒ Ekkehart Schmidt

Dieser interessante Aspekt wird in einem Blog von Graham Askey beschrieben, indem er sich der Frage widmet, inwiefern die Menschen die ihnen – mehr oder weniger – aufgezwungenen beiden Religionen in ihren Alltagsglauben integrieren. Oder, andersherum ausgedrückt, zum Beispiel diese Krippen auch benutzen, um dort Opfergaben für die Ahnen zu platzieren.

Im überwiegend muslimisch geprägten Bobo Dioulassou fand ich übrigens nur eine Krippe, allerdings eine ältere, die nicht erneuert worden war:

Weihnachtskrippen in Burkina Faso ⓒ Ekkehart Schmidt

Zurück in Ouagadougou fand ich genau das auch an meinem Stammcafé, dessen Besitzerin die ebenfalls nicht erneuerte Krippe als Ablageplatz für ihre Wassereimer nutzt, in denen sie das Geschirr wäscht:

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Das sind so die langfristigen „Tiefenbohrungen“ zu einem Thema, die ich so liebe. Was jetzt noch fehlt, ist wirklich einmal Weihnachten vor Ort zu erleben, wenn nämlich nicht nur Bronze- oder Steinfiguren diese kleinen Altäre bevölkern, sondern das Ganze auch noch mit Kerzen beleuchtet wird, wie in einem Blog von missio gezeigt.

Weihnachtskrippen in Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

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