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Chapelle des Sœurs auxiliatrices des Âmes du Purgatoire_Paris

Juni 29, 2018

Paris zeigt dem Besucher seine schönen Fassaden, aber selten die vielen Geheimnisse dahinter. So ist die Stadt voller Dachterrassen, Innenhöfe, versteckter Parks und Gärten, die zu entdecken man das Glück einer persönlichen Einladung braucht. So wie ich im Mai dankbar dafür war, aus Saarbrücken gegen 16 Uhr zur Mitgliederversammlung einer entwicklungspolitischen Organisation zu einem von mehreren christlichen Komplexen nahe des Boulevard Montparnasse (unter anderem einem Kloster), anreisen zu „müssen“. Vorher nahm ich in dieser äußeren Fassadenwelt einen Espresso in der Brasserie au chien qui fume, zwischendurch noch einen im Café Francois Coppée.

Im Inneren des Geländes der klosterähnlichen „Congrégation religieuse des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire“  entdeckte ich einen Garten rund um eine kirchenähnliche Kapelle mit einem wirklich faszinierenden Namen: Kapelle der Seelen des Fegefeuers. Genauer gesagt: Chapelle des Sœurs auxiliatrices des Âmes du Purgatoire (Kapelle der Helferinnen der Seelen im Fegefeuer). Alle Stunde bin ich aus der Veranstaltung raus in den Hof, um eine zu rauchen und dabei ein bisschen herum zu stöbern.

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Wurde die Kapelle zwischen 1873 und 1876 durch den Architekten Juste Lisch tatsächlich erbaut, um den Seelen der Sünder zu gedenken, die nach einem lasterhaften Leben (nach christlicher Vorstellung) durch das Fegefeuer in die Hölle kamen? Dann würden mich die Christen wirklich überraschen: Diejenigen zu ehren, die einen unchristlichen Weg (einen Weg des Haram würden Muslime sagen) gegangen sind! Es scheint tatsächlich eine weltweit aktive Gruppe von Nonnen zu geben, die ihr Leben dafür hingeben, den am meisten vergessenen Toten zu dienen.

Da ich ja auch ein übler Sünder bin, bewegte mich das sehr. Aber ich stehe zu den meisten und brauche eigentlich niemanden, der mir nach meinem Tod hinterher betet oder trompetet. Vielleicht brauchen das die hier aktiven Christen viel mehr für sich als für die so genannten Sünder.

Aber Purgatoire bedeutet auf Deutsch nur in der engeren Bedeutung Fegefeuer, bildlich bezeichnet der Begriff auch den Leidensweg. Also einen Weg, den viele schon vor dem Tod zu gehen haben. Für diese zu „beten“, sich also ihrer Situation bewusst zu sein und mitzuleiden, ist etwas, was ich auch von mir kenne. Zum Beispiel, wenn ich an Syrien denke.

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Leider war das Gotteshaus verschlossen. Aber mir gefiel schon das Äußere mit der in drei Zugangswege aufgeteilten Treppe zum türkisfarbenen Portal und vor allem der neo-byzantinischen Kuppel mit vier Engeln, die Trompeten blasen.

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Es gibt noch eine zweite Kapelle ähnlichen Namens in Paris: Die zwischen 1760 und 1764 im Inneren der Kirche Sainte-Marguerite in der rue Saint Bernard im 11. Arrondissement vom Architekten Victor Louis errichtete Kapelle dient tatsächlich ausdrücklich dem Zweck, für die Sünder zu beten, die in einem Ort des Leidens zu büßen haben, ehe sie dann – auch das eine Überraschung für mich – dennoch ins Paradies kamen. Hier jedenfalls. Im Inneren findet sich neben einem trompe-l’œil an der Decke unter imposanten schwarzen Gittermustern eine Szene der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies in Konsequenz der ersten Sünde.

Adresse: 14, rue Saint-Jean-Baptiste-de-La-Salle, 75006 Paris

Verwendete Quellen: Wikipedia-Artikel Chapelle des Soeurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire;

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

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