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Restaurant Menelik_Paris

Juni 3, 2018

Trotz dreier wunderbarer Äthiopien-Reisen 2011-12 ist mein Verhältnis zu Injera, diesen säuerlichen Teigfladen aus Tef, etwas getrübt. Nicht aber zu den unglaublich geschmacksintensiven Saucen, mit denen man diese Nationalspeise isst. Zuletzt hatte ich im Januar 2017 in der „Bar Mereb“ in Frankfurt/ Main das Vergnügen, wobei für mich eher die Stimmung dieses Migrantenlokals im Vordergrund des Erlebnisses stand. An diesem Abend Mitte Mai in Paris war das anders. Dort hatte ich das „Menelik“ beim Vorabcheck auf Google Earth entdeckt, als ich mich fragte, wo ich hier an der Avenue de Clichy im „Hotel de Nantes“ eigentlich übernachten würde und ob sich in der Umgebung Lokale für Besuche anbieten. Der Stil des Arrangements von Fotos und Gemälden an den Wänden, die ich auf den Fotos sah und das sofortige Aufkommen von Erinnerungen zogen mich stark an.

Gegen 20 Uhr kam ich dort an der Einmündung der rue Sauffroy erstmals vorbei, checkte ein paar Hundert Meter weiter nördlich ein und kam gegen 22 Uhr zurück.

Restaurant Menelik_Paris © Ekkehart Schmidt

Restaurant Menelik_Paris © Ekkehart Schmidt

Restaurant Menelik_Paris © Ekkehart Schmidt

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Gut, dass ich mich nicht von der etwas sehr touristisch wirkenden Leuchtreklame hab abschrecken lassen. Und auch nicht von Flugzeugen von Ethiopian Air auf dem Tresen und auch sonst manche versteckte Reisebüro-Werbung. Ok, der Inhaber muss auch gucken, wo er bleibt. Oder er dient seiner Heimat, indem er Franzosen auf die Idee bringt, Äthiopien zu bereisen. Jedenfalls war das Interieur trotz einer Überladung mit Bildern durchaus authentisch eingerichtet. Es drückt eine Sehnsucht nach vergangenen Zeiten aus, einer unschuldigen Idylle urtümlich lebender Menschen, die man allerdings auch heute noch am „Horn von Afrika“ findet.

Restaurant Menelik_Paris © Ekkehart Schmidt

Restaurant Menelik_Paris © Ekkehart Schmidt

Restaurant Menelik_Paris © Ekkehart Schmidt

Restaurant Menelik_Paris © Ekkehart Schmidt

Bei der Bestellung kamen schöne Erinnerungen hoch. Ich nahm Injera mit vegetarischen Sossen (Menu Végétarien) und wartete in froher Erwartung – die sogar noch übertroffen wurde. Die auf dem Teigfladen platzierten Sossen waren sehr aromatisch, dazu auch eingelegter Weißkohl, Rote Bete und Salat.

Restaurant Menelik_Paris © Ekkehart Schmidt

Restaurant Menelik_Paris © Ekkehart Schmidt

Restaurant Menelik_Paris © Ekkehart Schmidt

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Dem äthiopische Kaiser Menelik II (1844-1913) wird eine innere Modernisierung zugeschrieben, er war aber vor allem derjenige, der das Reich nach außen auf seine heutige Größe erweiterte und Addis Abeba zur neuen Hauptstadt erkor. Auf der Homepage des Lokals werden Meneliks Verdienste gewürdigt. Der aus Addis Abeba stammende Chef erzählte mir, dass er das Restaurant 1996 aufgebaut habe. Ich hätte ihn fragen sollen, aus welchem der drei möglichen Gründe er das Lokal so benannte. Ursprünglich war er wohl auch der alleinige Küchenchef, jetzt hat er ein Küchenteam, lässt es sich aber nicht nehmen, selber die Bestellung aufzunehmen.

Natürlich darf hier am Wochenende die Folklore nicht zu kurz kommen: Freitags und samstags Abends ab 22.45 Uhr kann man hier die berühmte äthiopische Kaffeezeremonie erleben – die erstmals zu erleben schon für sich alleine den Besuch wert ist. Wenn man um die Uhrzeit noch Kaffee verträgt. Aber die Nacht beginnt um die Uhrzeit hier im Viertel unterhalb von Montmartre ja gerade erst.

Viele Gäste bestellen ein Gruppenmenü und bedienen sich reihum von der großen Platte. Wenn hier auch öfters äthiopische Gäste zu kommen scheinen, so ist das hier doch am ehesten ein Lokal für interessierte Franzosen, jedenfalls kein Migrantenlokal. Religiöse Symbole aus dem multireligiösen und multiethnischen Land sah ich – bis auf vier Kreuz-Symbole – keine. So gibt es natürlich gleichzeitig Fleisch, das „halal“ geschlachtet wurde, wie eine größere Weinkarte und andere Alkoholika.

Restaurant Menelik_Paris © Ekkehart Schmidt

Restaurant Menelik_Paris © Ekkehart Schmidt

Restaurant Menelik_Paris © Ekkehart Schmidt

Restaurant Menelik_Paris © Ekkehart Schmidt

Wenn es – was wohl oft der Fall zu sein scheint – sehr voll wird, müssen manche Gäste in den etwas muffigen Keller neben den Toiletten ausweichen (also ins „Sousterrain“, was besser klingt). Diese leichte Museumsatmosphäre gibt dem Lokal aber seinen besonderen Charme. Es wirkt vielleicht etwas angestaubt, ist aber sehr sauber. Ich kann es – wie Hunderte andere Besucher*innen in den sozialen Netzwerken auch, nur empfehlen, zumal es nicht nur sehr gut, sondern – für Pariser Verhältnisse – auch ausgesprochen preiswert ist.

Adresse: 4, rue Sauffroy, 75017 Paris (direkt an der Metro „Brochant“), Tel.: 01 46 27 00 82, Handy : 06 15 46 34 42, menelik@wanadoo.fr, Homepage

Restaurant Menelik_Paris © Ekkehart Schmidt

One Comment
  1. andreashfotografie permalink

    Ein toller Tipp,Danke dafür.Hier in unserer Gegend wüsste ich nicht wo es ein äthiopisches Restaurant gibt und da ich häufiger nach Paris fahre wäre das mal eine Gelegenheit.Gruß Andreas

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