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Urban Gardening_Saarbrücken

Mai 29, 2018

Seit Mitte April 2018 bewirtschaftet eine Gruppe junger Leute (und dreier Älterer wie mir) mit Erlaubnis der Stadt ein Beet in der Saarbrücker Parkanlage am Staden. Das heißt: Wir haben das Beet von 3 x 8 Metern zwischen der Hecke zum Spielplatz sowie dem Getränkeausschank und den Sitzbänken des Ulanen-Pavillons gereinigt, umgegraben und dort vorgezogene Tomaten-, Gurken-, Zucchini-, Lauch- oder Kürbispflänzlein eingesetzt, mehrjährige Topinambur-Wurzeln verbuddelt und Erbsen, Möhren und Spinat aus Demeter-Saatgut gesät.

Wir treffen uns jeden Dienstag von 17 bis 19 Uhr und gärtnern in wechselnden Konstellationen: Ein halbes Dutzend Leute sind normalerweise da, selten  die gleichen, insgesamt etwa 20 Leute. Wir sind offen, jeder kann mitmachen. Es gibt immer etwas zu tun: Gießen, Un- bzw. Beikraut jäten, über das Kompostieren nachdenken, Fragen zur Pflege der Pflanzen stellen und beantworten. „Urban Gardening“ oder „Gemeinschaftsgärten“ sind die trendigen Begriffe, mit denen man den Sinn und die Funktion unseres Tuns beschreiben kann.

Urbaner Gartenbau ist die meist kleinräumige, gärtnerische Nutzung städtischer Flächen oder im direktem Umfeld von Städten. Die Rede ist nicht von Balkonen mit Kräutertöpfen (bzw. meinen Bohnen) oder citynahen Gärten und Kleingartenanlagen im Privatbesitz von Einzelpersonen, wie es sie an der Saar in Alt-Saarbrücken oder im Almet gibt. Es geht um die nachhaltige Bewirtschaftung bislang ungenutzter öffentlicher Flächen in umweltschonender Weise (keine Pestizide, kaum oder kein Dünger, Saatgut aus biologischer Produktion) durch eine Gemeinschaft von Amateuren, bei denen das gemeinsame Gärtnern im Vordergrund steht. Und um die Sensibiliserung anderer Leute. Irgendwann sollen die Erzeugnisse dann natürlich auch gemeinsam konsumiert werden.

Es hat schon einmal eine solche Gruppe gegeben, die zunächst ab 2013 im innerstädtischen Echelmeyerpark gegärtnert hat, 2017 aber zum Karcherhof ausserhalb der Stadt bei Ensheim gewechselt ist und zumindest im März 2018 noch aktiv war (kleine Doku). Mehr dazu auf ihrer Seite Die essbare Stadt. Deren Anstoß waren wohl die vielfältigen Aktivitäten unter gleichem Namen in Andernach. Zu erwähnen ist sonst noch der „Garten Eden“ an der Eli.ja-Kirche mit 50 Beeten, die man wie einen Schrebergarten bewirtschaften darf. Im Vergleich zu Dutzenden Gemeinschaftsgärten in Luxemburg (siehe eisegaart.lu) ist das nicht viel.

Heute war es bei uns so weit: Spinat als erste Ernte, während wir noch Platz für die zwei Dutzend vorgezogener Tomatenpflanzen, suchten, die uns jemand ans Beet gestellt hatte. Später brutzelte ich Zwiebeln an, dazu Champignons, kippte den Reisrest drüber, den ein WG-Mitbewohner seit drei Tagen im Kühlschrank vergessen hat, schließlich den gut gewaschenen Spinat oben drauf. Nach einer kurzen Dünstphase dann zwei zerrührte Eier und gewürfelten Fetakäse (natürlich alles in Bio-Qualität) drüber gegeben – und fertig war ein wunderbares Essen.

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Und warum das Ganze? Um der Entfremdung entgegen zu wirken, als Städter keinen Bezug zur Herstellung von Gemüse mehr zu haben. Zu lernen, wie das geht, die Rückkehr der Gärten in die Stadt umzusetzen. In durchaus demütiger Weise auch Wertschätzung für Landwirte zu entwickeln, deren Tun für die Konsument*innen meist anonym bleibt. Außerdem – als politische Aktion – durch lokale Nahrungsmittelherstellung und ortsnahen Konsum Transportwege (und somit den Ausstoß von Kohlendioxid) verringern, die kompostierbaren Abfälle durch ein lokales Zurückbringen in die natürlichen Stoffkreisläufe zu recyceln und die Biodiversität zu erhalten. Natürlich produzieren wir noch nicht viel, aber wir fühlen uns als Teil einer sozialen Bewegung, die sich um das Wissen, Aufwerten oder Erhalten lokaler Spezialitäten bemüht (wie z. B. Slow Food und die Transition-Bewegung).

Ausgehend von der Beobachtung, dass die Politik nicht entsprechend auf die Herausforderungen des Klimawandels und des bevorstehenden globalen Fördermaximums von Öl (Peak Oil) und anderen Rohstoffen reagiert und daher die Kommunen von sich aus mit ersten vorbereitenden Maßnahmen auf eine Zukunft knapper werdender Roh- und Treibstoffe reagieren müssen, initiiert die Transition Town-Bewegung Gemeinschaftsprojekte wie dieses.

Da waren 2016/17 auch in Saarbrücken Leute wie Jonas und Ashkan, die damit begannen, eine Gruppe zu bilden, die mit Foodsharing, Bücher- und Verschenkbörsen erste Projekte initiierten. Das ging wohl vom „Café Exodus“ aus, von dem auch die Initiative ausging, 2017 dieses Beet am Staden erstmals zu bewirtschaften. Dann kamen Didi, Felix, Florence, Johanna, Julie, Kevin, Leonie, Mira, Moritz, Niklas, Winfried und andere dazu und gruben das Beet im Herbst 2017 um. Angeregt durch die Transition Days in Luxemburg war auch ich ab März dazu motiviert, jede Woche Dienstag zu den Treffen zu kommen. Mit mir kamen auch Steve, Tim und jede Woche weitere dazu.

Nach ersten Planungsmeetings im Café Exodus, der Bestellung von Samen etc., ging es am 17. April auch in Bezug auf einen Gemeinschaftsgarten zur Sache: noch einmal umgraben, einen groben Bepflanzungsplan machen, Aussähen, Wege mit Stöckchen abgrenzen… Ich kam dann am 24. April dazu und sah es gleich als meine Aufgabe, etwas zu dokumentieren. Die ersten Spriesslinge waren gekommen, während der Löwenzahn schon blühte und zu Bettsäacher verarbeitet werden konnte. Das Abenteuer begann.

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Jemand hatte Zwiebeln von Narzissen gespendet, die wir außerhalb des Beetes einpflanzten. Für den nächsten Frühling. Heute ging es aber vor allem um das einpflanzen der ersten vorgezogenen Pflänzlein:

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

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Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Saarbrücken ist zwar „Hauptstadt des fairen Handels“, aber in Bezug auf dieses Thema passierte hier bislang wenig. Die Stadt hat uns immerhin nicht nur dieses Beet, sondern auch einen Raum unterhalb des Ulanen Pavillons zur Verfügung gestellt, in dem wir Wasseranschluss haben und unsere Eimer, Spaten und sonstigen Gerätschaften deponieren dürfen.

8. Mai: Heute ging es richtig zur Sache und wurde konkret – jetzt mussten Entscheidungen gefällt werden, was wohin kommt. Das war ohne Leute mit großer Gärtnerkompetenz – abgesehen von zweien – und einem partizipativen Vorgehen nicht einfach. Auch weil zu berücksichtigen war, dass manche Pflanzen sehr raumgreifend wuchern und nicht überall gute Lichtverhältnisse sind. Es war umzugraben, um die ersten vorgezogenen Tomaten und übriggebliebene Pflanzen von einer Pflanzenbörse im „welt:raum“ am Markt einpflanzen zu können. Und die Erbsen brauchten Stöcke, um hochwachsen zu können. Eine schöne Frage der Improvisation mit Weiden vom Saar-Ufer.

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

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15. Mai: Die Erbsen sind gut gewachsen, die Möhren erkennbar. Heute war großer Unkrautzupftag. „Unkraut“ sagt man ja nicht mehr, aber es war auch kein Beikraut, was da so heftig hochspross. Wir hatten unsere Pflänzlein zu schützen.

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

29. Mai: Die Wärme und der Regen haben ihre Wirkung getan. Zwei Blumen und die Erbsen blühen, Gurken, Zucchini, Kapuzinerkresse und Tomaten sind gut angegangen und der Spinat ist schon erntereif, während die Möhren noch mickern und der aus den hauchzarten Lauchpflänzlein wohl nichts mehr wird.

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

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Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Dieser Garten ist ein kleiner Anfang und es bereitet mir sehr viel Freude, daran mitzuwirken. Nicht nur wegen des leckeren Essens heute. Seine Entwicklung möchte ich mit diesem Blogtext dokumentieren. Und anschließend mein Urteil fällen. Zu der Frage, was das Ganze wirklich bringt, gab es auf SPIEGEL-Online schon einen skeptischen Artikel „Stadtluft macht Blei„, den ich mir nach der Ernte der Erbsen, Möhren, Zucchinis, Gurken… im Spätsommer durchlesen werde.

Wir sind etwa 20 Leute, im Schnitt 20-22 Jahre alt. Das ist erfrischend für mich und vielleicht kann ich auch etwas an organisatorischen Erfahrungen beitragen, aber ich finde, uns fehlen vor allem noch Kräuterhexen der Babyboomer-Generation. Also: dienstags 17-19 Uhr.

5. Juni: Heute war ein Beikrautzupftag in einem Beet, in dem alles innerhalb einer Woche 20 cm gewachsen zu sein schien, vor allem die Tomaten und Möhren mussten rundum freigelegt werden. Die Erbsen haben erste Hülsen gebildet, die Kapuzinerkresse wuchert fast schon, die Gurken (oder sind es Zucchinis – heute fehlten manche Gärtnereiexperten), die Ringelblumen und die Malven blühen, der Spinat bildet Samen und war nun wirklich zu ernten, weshalb ich meine zweite Spinatmahlzeit geniessen durfte.

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

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Da war nicht nur das gute Gefühl, dass hier weiterhin keinerlei Müll lag oder Vandalismus zu beklagen war, es kamen auch wieder einige interessierte Passanten ans Beet, unter anderem der frühere GRÜNEN-Bürgermeister Kajo Breuer, denen wir erklärten, was das hier soll. Und Florence erklärte uns, wie „mulchen“ geht und welchen Sinn das hat: Wir haben mit dem ausgerupften Unkraut kleinflächig unsere Wege und etwas großflächiger das Terrain bei den Kürbissen und Topinamboa bedeckt. Das Bedecken des Bodens mit unverrotteten organischen Materialien ist ein wichtiger Beitrag für das kurzfristige Erhalten der Bodenfeuchtigkeit und der  langfristigen Bodenfruchtbarkeit.

10. Juni: Es trieb mich, nach dem vielen Regen der letzten Tage, schon zwei Abende vor dem Dienstagstreff ans Beet, ausgerüstet mit 2 von 100 Metern eines schwarzen Wollfadens –  der von einer Installation der Künstlerin Rachel Mrosek bei der Nacht der Schönen Künste 2017 übrig geblieben war und den ich nicht in den Müll werfen wollte, weil es bestimmt noch eine Zweitnutzungsbestimmung für ihn geben würde, nämlich um die hochschiessenden Tomaten und Erbsen an den Stöcken zu befestigen, die wir uns sehr improvisiert in der Umgebung gesucht und neben ihnen aufgestellt hatten. Eine Mutter mit ihrem Kind auf dem Fahrrad war bei meiner Ankunft gerade im Begriff, vom Beet los zu fahren, an dem sie sich offenbar aufgehalten hatte, hielt aber wieder an: „Ihr müsst die Erbsen ernten!“

Aha? „Jetzt schon?“, fragte ich und bekam eine klare, knappe Erklärung, aus der ich viel lernte (vor allem, wie wenig ich vom Gärtnern verstehe): „So lange die Schoten noch flach sind, kann man sie einfach so essen oder in den Salat geben. Hier: Probieren Sie mal! Wenn sie schon dicker sind, passen sie gut in einen Eintopf oder zu gebratenem Gemüse. Später werden sie zu trocken. Wenn man jetzt bei jeder Pflanze einige Schoten erntet, steigt der Ertrag, weil die Pflanze angeregt wird, mehr Früchte zu bilden. Sie will ja Samen bilden.“

„Danke!“, sagte ich, erklärte dann wiederum wenig später einem mich beim Festbinden von Tomaten und Erbsen beobachtenden älteren Paar nicht-akademischen Hintergrunds, was dieser Garten für Hintergründe hat. Das gefiel ihnen. Vor allem der Gemeinschaftsaspekt. „Man hört ja immer wieder von Leuten, die wochenlang tot in ihrer Wohnung im Hochhaus liegen“. Ja, begegnungsscheue Menschen, die eigentlich Sehnsucht nach Begegnungen haben. Die zwei wollten aber auch nicht eine meiner flachen Erbsenschoten probieren. Als wäre das dann doch zu intim. OK. So habe ich eine Handvoll Schoten und die Hälfte des letzten, noch essbaren Spinats geerntet und bin nach Hause, um mir ein Abendessen zu bereiten.

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12. Juni: Nach der Aussaat war heute wieder eine einschneidende Etappe zu bewerkstelligen. Florence, die Erfahrungen aus dem riesigen Garten ihrer Oma hat, dirigierte uns beim dringend nötigen großflächigen Unkrautrupfen. Ziemlich brachial, wie ich fand, der ich mir jedes Pflänzlein ob seiner „Nützlichkeit“ (Salatzutat, Bienen und Schmetterlinge…) genau angeschaut hätte. Aber gut so: Wir schafften Platz, um die verbliebenen Auberginensetzlinge einzusetzen. Und entdeckten, dass die ersten Zucchini und Tomaten Früchte bildeten.

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

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Abends gab es bei mir wieder Spinat, diesmal auf Zwiebeln, roten Chilli und Bratkartoffeln sowie Blauschimmelkäse statt Feta.

18./ 19. Juni: Florence brachte eine erste dicke Zucchini zu unserem monatlichen Planungstreffen mit, das diesmal mit einem Dutzend Leuten im Zing stattfand. Sie hatte vorher am Beet nach dem rechten geschaut. Ich bin einen Tag später auch hin und war überrascht, wie viel sich schon wieder entwickelt hatte: die ersten Erdbeeren werden rot, zwei Dutzend Tomaten sind dick und rund, wenn auch noch grün. Der Spinat ist fast völlig abgeerntet, während die Erbsen noch weiter Schoten produzieren.

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

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Die ersten Ringelblumen blühen und die Kapuzinerkresse ist einen halben Meter hoch geschossen. Ich pflückte zwei großer Kresseblätter und zwei Ringelblumenblüten, die schon zu vertrocknen begannen. Als Zutaten für meinen abendlichen Salat mit Kräutern vom Balkon.

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21. Juni: Heute waren erstmals nur Männer da. Wir bewunderten die zwei fetten Zucchini und ernteten sie (eine durfte ich mitnehmen). Außerdem probierten wir die Blüten (lecker), holten per Eimer und Gießkanne Wasser aus der Saar (Moritz traute sich die Nottreppe runter), um ordentlich zu gießen, suchten Stöcke, um die kräftig gewachsenen und daher umgekippten Tomatenpflanzen wieder aufzurichten und schauten noch einmal, wie wir die Bretter für die Verschenkregale befestigen können (ich hatte über die Jahre gesammelte Stutzen und Pins dabei, aber sie reichten nur für ein Brett).

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26. Juni: Mein zehnter Besuch am Beet, erst kurz vor 19 Uhr, daher allein. Gegossen war. Also widmete ich mich eine Weile dem Unkraut zwischen den Möhren, erntete den Rest der schon Samenkapseln tragenden Spinatpflanzen und ging dann mit der Kamera in die Knie, um nah an die vielen neuen gelben Blüten zu kommen.

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Zuhause dann eine ähnlich meditative Arbeit, beim Spinat die gelben und angegilbten Blätter zu entfernen. Da kaum noch große da waren, galt es, eine Hundertschaft kleiner Blätter von den schon leicht holzigen Stengeln zu streifen (während die Zwiebeln mit einem Res Champignons und Chilli brutzelten), dann einen Fetakäse, Knoblauch, Oliven und Tomaten drüber: Sehr pikant, diese vierte Spinatmahlzeit vom Beet.

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17. Juli: Nach drei Wochen (meiner) Abwesenheit war unser Beet unglaublich hoch gewachsen. Wir suchten erst einmal Stöcke, um die flach liegenden Tomaten hoch zu binden. Vor allem die alten Sorten hatten insgesamt gut 50 kleine Tomätchen entwickelt.

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Dann tauchten Salvatore und Rosie auf, sizilianische Einwanderer aus Palermo. Er erzählte begeistert von seinem Garten, in dem sich viele Pflanzen finden, die wir auch haben (er zeigte auf dem Smartphone Fotos). Und gab als Bauernsohn Tipps. Unsere Zucchinis seien erntereif. Würde man sie weiter wachsen lassen, entwickelten sie zu große Kerne und schmeckten nicht mehr.

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Und man könne auch die Blüten der Kürbisse essen. Am besten am frühen Morgen ernten und zu einem Omelette dazu geben. Das war uns neu. wie ihm neu was, dass man die Blätter und Blüten der Kapuzinerkresse einem Salat beigeben kann. Moritz erntete gleich Zucchini (nicht ohne von Salvatore ein Rezept zu hören, wie man die mit Spaghetti und Öl zubereiten kann).

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Und ich erntete Kürbis- und Kapuzinerkresseblüten für meinen abendlichen Salat mit Kräutern vom Balkon. Sehr befriedigend!

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8. August: Ich war heute – urlaubsbedingt – aus der Reihe und alleine am Beet und staunte, wie es wucherte und Früchte trug. Myriaden an kleinen Tomaten vor allem. Später sagte uns jemand, dass 2018 ein besonders für Tomaten ungewöhnlich gutes Jahr gewesen sei. Aber auch Gurkenpflanzen, die Sonnenblumen zu erwürgen drohen. Ich hatte etwas zu ordnen, zu befreien, neu zu justieren, ehe ich an die Ernte ging.

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Das „Saarspektakel“ zeigte aber auch seine Auswirkungen: Neben Früchten für’s Abendessen sammelte ich auch einige Kronkorken für den gelben Sack.

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21. August: Heute kam ich mit den Kindern und konnte sie mit der Faszination Ernte begeistern, ehe Johanna, Jonas und ein paar andere kamen. Vom Strauch direkt in den Mund: Wunderbar für Stadtkinder! Spannend auch, am Möhrenbeet an den Trieben zu ziehen und nur 3 cm lange Möhren zu ernten (egal, immerhin!). Eine weitere Lernerfahrung: Wir haben die Möhren viel zu eng gesät, sie nehmen sich gegenseitig den Raum weg. Es gab auch wieder neue dicke Zucchini und erneut Gurken, hier diejenigen, deren Triebe ich vor dem Urlaub am Erwürgen einer Sonnenblume gehindert hatte:

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Am 28. August und 4. September war ich erst ’ne Stunde alleine und fragte mich, ob das Engagement eingeschlafen ist. Dann kamen doch noch zwei Jungs und wir gossen mit 10 Gießkannenladungen das Beet – gar nicht so einfach, bei wuchernden Topinamboa, Tomaten, Kürbissen und Zucchini den Wurzelansatz zu finden. Zu ernten gab es nur gelbe und Minitomaten für einen abendlichen Salat.

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11. September: Heute war wieder ein Lerntag, unter anderem, weil drei Interessierte zu uns ans Beet kamen und sich als Gärtner entpuppten, die uns genau die heute auftretenden Fragen beantworten konnten: Unsere Zucchini haben Mehltau, weshalb wir die befallenen Blätter abschnitten und in die Ecke an der Ecke warfen, weil wir gehört hatten, dass sie andere Pflanzen befallen. Wir lernten, dass es einen Unterschied macht, ob der Mehltau die Pflanze von oben der unten befällt. Nur in einem dieser Fälle stecken sie andere an.

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

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Wir lernten außerdem, dass es bei unserem nicht sehr nährstoffreich wirkenden Boden besser wäre, keinen Komposthaufen zu machen, sondern die Pflanzenreste zu mulchen bzw. unter die Erde zu graben. Und was das alte Fuchsbandwurmthema angeht: Entwarnung: Hunde müssen in Deutshland dagegen geimpft werden, es besteht keine reelle Gefahr, dass sie aus dem Wald etwas zu uns transportieren.

Es stellt sich außerdem die Frage, ob die eher winzigen Kürbisse Hoffnung geben, dass wir Ende September eine Art Kürbissuppenerntedankfest machen können. Jedenfalls neigt sich das Gartenjahr dem Ende zu. Zum anderen sollten wir überlegen, ob wir bald noch etwas anpflanzen, das dann überwintert. Und nicht zuletzt: Haben die Frauen keine Lust mehr? Heute war nur Julie da. Oder sind die meisten nach dem Abi in andere Universitätsstädte gewechselt?

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Schön war aber, dass jemand aus einem ehemaligen Rollstuhl einen Wagen gebaut hat, mit dem wir besser die Gießkannen transportieren können. Und eine Frau, die uns per Mail kontaktiert hatte, spendierte angesichts unserer Krummstockimprovisation mehrere metallene Rankhilfen spendete.

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 9. Oktober: Heute war zwar immer noch Minitomatenernte angesagt, aber es standen die Möhren und der Topinambur im Zentrum der Aufmerksamkeit, da sonst kaum noch etwas zu ernten ist. Was die Möhren angeht, so haben wir viel zu eng gesäht und ernteten daher (oder auch aus anderen Gründen) nur Stümmelchen von 3 bis 8 cm Länge. Und einige Topinambur standen in Blüte. Ich lernte von Jonas, dass Florence letzte Woche gesagt habe, man müsse vor der Ernte den ersten kräftigen Frost abwarten. A propos: All die jungen Frauen kommen nicht mehr, sie sind zum baldigen Semesterbeginn in diverse Universitäten bundesweit abgewandert.

Urban Gardening_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

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Unsere Gruppe muss sich also rund um ein halbes Dutzend Leute neu (er)finden.

4. November: Das Ende der Saison habe ich verpasst, vor allem die Ernte der Topinambur und das Ausreißen aller verbliebener Pflanzenreste. Nach fünf schönen Monaten kehrt jetzt Ruhe ein. Jetzt müssen wir schauen, dass im Frühling wieder neue Interessierte dazu kommen, um weiter zu machen.

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Nachtrag:  Am 30. Mai wurde auch in der Lebacher Straße in Malstatt ein „Quartiersgarten“ eröffnet. Aus einer zugemüllten Baulücke ist auf Initiative der Diakonie Saar in Zusammenarbeit von Nachbarn ein Ort der Begegnung geworden.  Die Fläche sei nicht wieder zuerkennen. Es blühen Tomaten, gedeihen Kräuter und es wächst Salat. „Beim gemeinsamen Gärtnern können sich Menschen unterschiedlicher Herkunft kennen lernen und Erfahrungen austauschen, Wissen dazu gewinnen und von den Fähigkeiten der anderen profitieren“, hieß es.

Am 17. März 2019 haben wir gelernt, wie man Samen setzt und trafen uns am 19. März im Filmhaus, um einen Film zu einem indigenen Volk im Amazonasgebiet anzuschauen und dabei etwas zu uns zu lernen: siehe Drei Schwestern für das Stadenbeet. Dort beschreibe ich die Entwicklung unseres Gartens 2019.

Verwendete Quellen: bub: Gemeinsinn beschert Malstatt eine grüne Oase, Saarbrücker Zeitung, 1. Juni 2018; Müller, Christa: Urban Gardening. Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt, oekom Verlag, München, 12. Aufl. 2012; Schmidt Ekkehart: Gärten echter Vielfalt, Gaart & Heem, März 2018, Langfassung publiziert auf etika.lu am 18.03.2018; Wikipedia-Artikel „Urbaner Gartenbau

Literaturtipp: Hopkins, Rob: The Transition Handbook. From oil dependency to local resilience, Vermont 2008

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3 Kommentare
  1. schade dass ich in saarburg und nicht in Saarbrücken wohne, das klingt spannend und zum Nachahmen geeignet!

    • Das ist spannend und sehr schön befriedigend. Such dir ein paar Leute, frage die Stadt oder andere nach einem ungenutzten Grundstück und fang im Herbst an mit Umgraben und Aussaat! Alles andere entwickelt sch dann von selbst.

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  1. Urban Gardening am Saarbrücker Staden – Transition Saarbrücken

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