Skip to content

Brasserie Au chien qui fume_Paris

Mai 27, 2018

„Beim rauchenden Hund“ – für ein Lokal ist das natürlich ein wunderbar bizarr-anziehender Name, weil man eine witzige Geschichte vermutet (so wie beim Lokal namens “Au Rat qui Pète” (der pfurzenden Ratte). Zumal in Paris am Boulevard Montparnasse, der wohl berühmtesten Meile großer Kaffeehäuser der Stadt. Der Name war mir irgendwoher ein Begriff, als ich hier letzten Mittwoch vorbei kam. Ich dachte aber automatisch, dass es nur eins gibt: dieses 1930 gegründete Lokal am Boulevard Montparnasse. Zurück zuhause lernte ich, dass es noch ein zweites, gleichnamiges und deutlich älteres Lokal in der rue du Pont Neuf, nahe der früheren Großmarkthallen, gibt, das zunächst um 1740 als Auberge, später als Kabarett neu gegründet worden ist. Sowie ein drittes im Vorort Aubervilliers, ein viertes in Versailles. Und sogar noch ein 1982 in Avignon gegründetes kleines Theater gleichen Namens und andere in Porto (1943 eröffnet) und  London. Dann sogar noch einen gleichnamigen belgischen Techno-Song von 1993.

Hmm. Der Name scheint nicht geschützt zu sein und ich war wohl nicht im Original. Es gestaltet sich also komplizierter, als gedacht, schnell einen netten Text zu meiner Fotostrecke zu schreiben. Hätte ich doch den edel angezogenen Kellner gefragt… Leider dachte ich, auf der Homepage würde ich die ganze Geschichte finden. Von wegen.

Brasserie Au chien qui fume_Paris © Ekkehart Schmidt

Brasserie Au chien qui fume_Paris © Ekkehart Schmidt

Brasserie Au chien qui fume_Paris © Ekkehart Schmidt

Brasserie Au chien qui fume_Paris © Ekkehart Schmidt

Brasserie Au chien qui fume_Paris © Ekkehart Schmidt

Brasserie Au chien qui fume_Paris © Ekkehart Schmidt

Die Inhaber beschreiben die Brasserie, als gäbe es nichts anderes gleichen Namens (den sie auch nicht erklären):

„Situé à deux pas de la Tour Montparnasse, avec vue imprenable sur la Tour Eiffel, « Au Chien Qui Fume » est devenu depuis 1930 le rendez-vous incontournable de la bistronomie parisienne, ancré dans un style art déco atypique. Fréquenté par une clientèle cosmopolite, composée de touristes curieux en quête de découverte gustative et des fidèles riverains du quartier attachés aux valeurs culinaires traditionnelles, ce lieu mythique propose une carte du jour riche et variée, soigneusement concoctée par le talentueux chef et son équipe.“

Ich kam hier gegen 11 Uhr vorbei und hatte noch eine halbe Stunde Zeit bis zu einer Veranstaltung nahebei. Ein Espresso also, für 2,20 Euro. Das Lokal ist keine Tourifalle, sondern ein nettes authentisches Café mit Flair und Besuchern aus der Nachbarschaft, aber auch Herren in Anzug und Krawatte, die am Laptop und per Smartphone ihr Business regeln. Noch mehr faszinierte mich die Decke mit ihren Stuck-Borduren und Art-Deko (?) – Lampen:

Brasserie Au chien qui fume_Paris © Ekkehart Schmidt

Brasserie Au chien qui fume_Paris © Ekkehart Schmidt

Au chien qui fume_Paris (c) Ekkehart Schmidt

Ich kam hier gegen 11 Uhr vorbei und hatte noch eine halbe Stunde Zeit bis zu einer Veranstaltung nahebei. Ein Espresso also. 

Wie die meisten klassischen Brasserie-Cafés der vorletzten Jahrhundertwende gibt es mindestens drei Bereiche: Die Plätze auf dem Trottoir, die überdachte Außenterrasse und den Innenbereich, der manchmal – wie im „Francois Coppée“ einige Meter weiter – noch einen fast intimen Séparée-Bereich tief innen anbieten (der hier jedoch fehlt).

Brasserie Au chien qui fume_Paris © Ekkehart Schmidt

Brasserie Au chien qui fume_Paris © Ekkehart Schmidt

Brasserie Au chien qui fume_Paris © Ekkehart Schmidt

Brasserie Au chien qui fume_Paris © Ekkehart Schmidt

Brasserie Au chien qui fume_Paris © Ekkehart Schmidt

Brasserie Au chien qui fume_Paris © Ekkehart Schmidt

Ein echtes Wohlfühl-Lokal. Den Namen haben sie aber offenbar doch geklaut, auch wenn hier ein paar Porzellan- und Plastikhunde als Deko standen. Jedenfalls heißt es zum älteren Etablissement nahe der Hallen: 1920 hatte der Besitzer zwei Hunde, einen Pudel und einen Dackel, die am Eingang standen und Pfeife bzw. Zigarre rauchten. Das sprach sich rum und so kam es, dass man sich „bei den rauchenden Hunden“ traf. Wobei es sich vielleicht nicht um lebende Hunde handelte, sondern möglicherweise nur um Tonfiguren, ähnlich den Räuchermännchen.

Wie sich’s hier isst, kann ich nicht beurteilen. Während meiner halben Vor-Mittagsstunde begann der edel livrierte Kellner, der sein perfektes äußeres Erscheinungsbild durch einen knatsch-pinkrotfarbenen Kugelschreiber im Revers knallig optimiert hatte, schon mit dem Auslegen von Besteck und Servietten. Kurz nachdem ich los musste, begann möglicherweise ein Ansturm hungriger Büroarbeiter.

Adresse: 19, Boulevard du Montparnasse, 75006 Paris (6e), Tel.: 01 45 67 12 75, Homepage

Brasserie Au chien qui fume_Paris © Ekkehart Schmidt

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: