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Zuckerrohrsaft in Clot Bey_Kairo

Mai 4, 2018

Es gibt sie noch in Kairo: Neben anderen Saftläden auch die althergebrachten Zuckerrohrsaftpressen, in denen man so frisch wie nur möglich kühles Qasab bekommt. Man kann hier zuschauen, wie drei Meter lange Zuckerrohrstängel durch eine Presse gequetscht werden. Heraus kommt ein schaumiger grünlich-beiger Saft, der dann per Aluminiumkanne direkt ins Glas geschüttet wird: Sehr süß, aber köstlich!

Etwa ein Dutzend dieser aussterbenden Lokale habe ich bislang gefunden. Meine neueste Entdeckung dieser Saftschenken machte ich Anfang Februar in der Sharia Clot Bey, benannt nach Antoine Clot (1793-1868), einem französischen Mediziner, der während seiner Kairoer Jahre von 1825-49 vor allem Leibarzt von Mohammed Ali Pascha war und in Kairo ein Krankenhaus aufbaute. Sein ihn ehrender Name wird schriftlich oft verballhornt zu Clot Bek oder auch Kloot Beik, wie auf diesem Straßenschild. Mündlich sagt man „Khulud“.

Zuckerrohrsaft in Clot Bey_Kairo © Ekkehart Schmidt

Die Straße ist einer der ersten Durchbrüche, die im 19. Jahrhundert durch die Kairener Altbausubstanz getätigt wurde, um den neuen Hauptbahnhof am heutigen Midan Ramsis zunächst mit dem Midan Khazindan und etwas weiter südlich folgenden Ataba-Platz, dem späteren Scharnier zwischen der Altstadt und der ab 1870 errichteten Neustadt zu verbinden. Am Ataba, genauer gesagt rund um den dortigen Ezbekiyah-Park entstanden moderne europäische Hotels wie das Windsor, das Eden Palace, das Continental Savoy und das legendäre Shepheards, aber auch Kaufhäuser wie das Sednaoui.

Offenbar gab es eine Nachfrage nach Prostitution, jedenfalls wurde diese von Arkaden gesäumte Straße (hinter denen das Altstadtleben wie gehabt weiter ging) nicht nur zum wichtigsten Zugang der vom Bahnhof im Norden kommenden Bauern und Touristen ins Stadtzentrum, sondern – von Süden her – auch zu einer berüchtigten Adresse, zu der sich manch edler Herr der britischen Kolonialmacht gerne begab. Heute findet sich entlang der Straße nur noch ein einziges Hotel, das Kursal.

Heute ist die Straße stark heruntergekommen. Touristen kommen nicht mehr per Schiff und Bahn, sondern per Flugzeug und nutzen andere Zugangswege zu ihren Hotels. So haben sich traditionelle Verhaltensweisen und Konsumbedürfnisse die Straße zurück erobert, haben sie vor allem mit Geschäften für Handwerker und Elektronik überprägt. Die Qasabpresse ist für mich der beste Ausdruck dafür.

Zuckerrorsaft in Clot Bey_Kairo © Ekkehart Schmidt

Zuckerrorsaft in Clot Bey_Kairo © Ekkehart Schmidt

Zuckerrorsaft in Clot Bey_Kairo © Ekkehart Schmidt

Zuckerrorsaft in Clot Bey_Kairo © Ekkehart Schmidt

Zuckerrorsaft in Clot Bey_Kairo © Ekkehart Schmidt

Zuckerrorsaft in Clot Bey_Kairo © Ekkehart Schmidt

Zuckerrorsaft in Clot Bey_Kairo © Ekkehart Schmidt

Die Freude, die mir der Genuss dieses Getränks bereitet hat, ist natürlich nicht mit derjenigen vergleichbar, die man von 1882-1949 in den Freudenhäusern und Alkoholläden der Straße empfunden haben mag, aber für mich war der Besuch ein Höhepunkt des diesjährigen Kairo-Besuchs.

Zuckerrohrsaft in Clot Bey_Kairo © Ekkehart Schmidt

From → Kairo

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