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Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis

April 22, 2018

Dieser Suq ist ziemlich typisch für Kairo. Er wirkt in seiner schmuddeligen Authentizität allerdings etwas deplatziert durch seine Lage im vornehmen Vorort Heliopolis, der vor einem Jahrhundert als großes Investment mit faszinierenden Gebäuden im orientalisierenden Stil in die Wüste im Nordosten der ägyptischen Hauptstadt gesetzt wurde und immer noch eine gute Wohngegend ist. Der Markt wurde 1912 von der Heliopolis Company in den spitzen Winkel zwischen der Sharia Harun el-Rashid und der Sharia Damascus eingeplant, deren Blickachsen beide auf die Masjid Gamal Eldin Al Afghani führen und nach der er umgangssprachlich benannt ist: Der Markt am Platz an der Moschee.

Dazu muss man wissen, dass Heliopolis eine europäische Stadtgründung war, in der es kaum Moscheen gab. Kommt man von Norden, an der Moschee vorbei, auf den Platz, sieht man linkerhand am Ende der Sharia Harun el-Rashid die orthodoxe Basilika am zentralen Platz der Stadt.

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Ich bin dann jetzt Anfang Februar erst einmal in einen der beiden Nebeneingänge hinein, dem linkerhand, wo ich grade vorher mit den Depots de Café du Yemen & du Bresil ein faszinierendes kolonialzeitliches Relikt der Gründerjahre neu entdeckt hatte (es war etwa mein zehnter Besuch in Heliopolis) und drehte eine Runde, die in einer netten Begegnung mündete, ehe ich dann weiter zu meiner Verabredung bin, wegen der ich in den letzten sechs Jahren überhaupt noch drei Mal hierher gekommen bin.

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Der gemeine Mitteleuropäer betritt hier natürlich einen Raum, in dem das Geschäft der Verarbeitung, der Präsentation und des Verkaufs von Fisch und Fleisch im Vergleich zu den heimischen Erfahrungen sehr „rude“ ist. Vor allem springen einem hier scheinbare Hygieneprobleme ins Auge. Aber ich hatte eine nette Begegnung mit einem Fischhändler, der mich aufforderte, ihn zu fotografieren und sich dann stolz zu den Kollegen wandte, als ich dem nachkam.

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Natürlich wird bei Fisch immer nach der Herkunft und Frische gefragt (bitte nicht aus dem Nil, sondern frisch aus Alexandria). Es gab hier wohl auch schon immer direkt am Markt Grillstuben, in denen man Fisch und Fleisch frisch zubereiten lassen kann

Neben Fisch und rotem Fleisch gibt es Hühner, Enten, Gänse und Tauben, die meist noch in Palmzweigkisten sitzen und auf Kundschaft warten. Genauer habe ich mich nicht erkundigt. Bin allerdings auch sehr schnell einmal gerade durch, konnte aus Zeitmangel wegen der Verabredung nicht in ruhe links und rechts schauen und kam bei einem Fleischhändler heraus, neben dem zwei Männer im Gespräch vertieft an ihrem Tee nippten.

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Mindestens ebenso interessant war tatsächlich, was sich außerhalb und drumherum abspielt: Hier gibt es Geschäfte für Obst und Gemüse oder auch Federvieh. Und es riecht nicht so, dass man Angst um seinen Kreislauf gibt: Draußen mischen sich Grillgerüche mit Wasserpfeifendampf, dem Geruch frisch gerösteten Kaffees und Autoabgasen.

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Zurück am Haupteingang auf der Spitze des Gebäudes hatte ich eine insofern ähnlich schöne Begegnung, wie mit dem Fischhändler, mit einem Händler von Fußmatten:

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Suq Heliopolis (c) Ekkehart Schmidt

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

Rund um den eigentlichen Suq bekommt man die Dinge, die sich sonst nirgendwo finden. Auch nicht in den Supermärkten, die es hier natürlich längst auch gibt. Wie diese Frucht (oder ist es ein Gemüse?). Die Händler haben den Raum rundum informell okkupiert, wo es möglich war. Zur Not täglich neu und anders, auch einmal zwischen parkenden Autos. Natürlich braucht es dafür keine Genehmigung. Aber sicherlich hat man das mit den anderen Händlern abzustimmen.

Vor allem scheint es hier alles zu geben, was man braucht, wenn zuhause irgendetwas kaputt gegangen ist.

Weitere Märkte in Kairo

Verwendete Quelle: Dobrowolska, Agniesszka/ Dobrowolski, Jaroslaw: Heliopolis. Rebirth of the City of the Sun, Cairo, New York 2006, S. 181

Suq al-Midan el-Gamaa_Heliopolis © Ekkehart Schmidt

From → Kairo, Märkte

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