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Aschenputtel und der persische Kreuzkümmel

April 20, 2018

Kreuzkümmel (zireh) ist eine wichtige Zutat in der persischen Küche. Aber man kauft ihn nicht pur in einer verpackten Tüte, sondern en gros aus einem verführerisch riechenden Sack vom Lieferanten des Gewürzhändlers unten an der Ecke oder von einem im Basar auf dem Boden hockenden Großmütterchen. Und hat zuhause dann den Kümmel von sonstigen, ungeniessbaren Bestandteilen zu reinigen: Sandkörner, Stängelreste und vertrocknete Blätter. Das kennen wir hier nur noch aus dem Märchen von Aschenputtel, dem armen Stiefkind:

„Seht einmal die stolze Prinzessin, wie sie geputzt ist!“ riefen die Töchter der neuen Frau, lachten und führten es in die Küche. Da musste es von Morgen bis Abend schwere Arbeit tun, früh vor Tag aufstehen, Wasser tragen, Feuer anmachen, kochen und waschen. Obendrein taten ihm die Schwestern alles ersinnliche Herzeleid an, verspotteten es und schütteten ihm die Erbsen und Linsen in die Asche, so dass es sitzen und sie wieder auslesen musste. Abends, wenn es sich müde gearbeitet hatte, kam es in kein Bett, sondern musste sich neben den Herd in die Asche legen. Und weil es darum immer staubig und schmutzig aussah, nannten sie es Aschenputtel.“ 

Und sie wollte zum Fest des Königs, aber die Stiefmutter wollte es erst nicht gestatten.

„Als sie aber mit Bitten anhielt, sprach diese endlich: ‚Da habe ich dir eine Schüssel Linsen in die Asche geschüttet, wenn du die Linsen in zwei Stunden wieder ausgelesen hast, so sollst du mitgehen.‘ Das Mädchen ging durch die Hintertür nach dem Garten und rief: „Ihr zahmen Täubchen, ihr Turteltäubchen, all ihr Vöglein unter dem Himmel, kommt und helft mir lesen,

Die guten ins Töpfchen,
Die schlechten ins Kröpfchen.“

Steinchen aus einem Haufen Linsen heraussuchen – das kenne ich auch noch aus meiner Kindeheit. So ähnlich ist das mit Orangenschnippeln oder eben dem Kümmel. Jedenfalls ist da viel Arbeit, ehe der perfekt gewürzte Reis zur Lammkeule oder andere Gerichte zubereitet sind. Im November 2012 habe ich nach unserer ersten gemeinsamen Iranreise dokumentiert, wie das die aus Kerman stammende Mutter meiner jüngsten Kinder mit dem von dort stammenden berühmten Kümmel  machte (die natürlich mit Aschenputtel nichts gemein hat, außer dieser Arbeit). Erstanden hatten wir den Kümmel, der viel kleiner als der mitteleuropäische ist, im dortigen Basar:

Aschenputtel und der persische Kreuzkümmel © Ekkehart Schmidt

Aschenputtel und der persische Kreuzkümmel © Ekkehart Schmidt

Aschenputtel und der persische Kreuzkümmel © Ekkehart Schmidt

Zurück in Saarbrücken ging es dann an die Verarbeitung:

Aschenputtel und der persische Kreuzkümmel © Ekkehart Schmidt

Aschenputtel und der persische Kreuzkümmel © Ekkehart Schmidt

Aschenputtel und der persische Kreuzkümmel © Ekkehart Schmidt

Aschenputtel und der persische Kreuzkümmel © Ekkehart Schmidt

Aschenputtel und der persische Kreuzkümmel © Ekkehart Schmidt

Aschenputtel und der persische Kreuzkümmel © Ekkehart Schmidt

Aschenputtel und der persische Kreuzkümmel © Ekkehart Schmidt

Aschenputtel und der persische Kreuzkümmel © Ekkehart Schmidt

Der Kermaner Kreuzkümmel ist derart berühmt, dass es sogar ein geflügeltes Wort gibt, der an unsere „Eulen nach Athen“ erinnert: „Zireh be Kerman miseri/ bordan„.

Quelle der Aschenputtel-Zitate

Aschenputtel und der persische Kreuzkümmel © Ekkehart Schmidt

From → Iran

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