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King’s Club_Luxemburg

März 29, 2018

Heute begann der Abriss des ehemaligen Nachtclubs „King’s Club“ in der rue de Strasbourg 36. Jedenfalls zerstörte ein Bauarbeiter zum Schichtende gegen 17 Uhr auf meine Frage hin die Illusion, hier würden nur die alten Schilder und die Inneneinrichtung entfernt werden. Der Club war am 3. April 2014 von der Polizei geräumt worden und stand seitdem leer. Es heißt, er sei  von Drogenabhängigen besetzt worden, nachdem er in den Jahren zuvor wegen Zuhälterei bereits zweimal geschlossen worden war, jedenfalls nach der sehr unzuverlässigen Quelle „Letzebuerg Privat“. Was hier entsteht, weiß ich nicht.

Aber ich empfinde einen etwas ambivalenten Frust und Ärger darüber, dass schon wieder ein schönes altes Gebäude im Bahnhofsviertel verschwindet, das man hätte unter Denkmalschutz stellen können, unabhängig von der früheren Rotlicht-Nutzung. Und dass ich diese archetypische Außengestaltung nicht früher ohne Bauzaun dokumentiert habe, obwohl ich fast täglich 50 Meter entfernt in meinem Stammcafé „Le Relax“ einkehre. So wird dann das letzte alte Gebäude dieses mittleren Teils der Straße verschwinden und durch einen modernen Zweckbau ersetzt werden, der wohl nicht drei- sondern achtstöckig ausfallen wird, wodurch die Front der schon früher beiderseits entstandenen Gebäudeklötze geschlossen werden wird.

King's Club_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

King's Club_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

King's Club_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

King's Club_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

King's Club_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

King's Club_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

King's Club_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

King's Club_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Leider kann ich so kurzfristig nichts genaueres zu dieser Bar recherchieren, in der wahrscheinlich Prostitution betrieben wurde, wie in zwei bis drei anderen verbliebenen Etablissements des Viertels auch. In einer Szenerie, die bis 2017 auch durch Drogenkriminalität beherrscht wurde, unter anderem im – ebenfalls geschlossenen – „Café Nice“ hundert Meter weiter die Straße hinunter. Aber dieses sich überlagernde Milieu ist hier eindeutig im Sterben begriffen, wird nach starken Protesten der Anwohner*innen verdrängt.

Es gibt Gerüchte, dass hier in Bahnhofsnähe britische Banken für die Zeit nach dem Brexit Immobilien suchen, um Niederlassungen zu gründen. Jedenfalls ist dieses eigentlich liebenswerte, weil authentische Viertel starken Gentrifizierungstendenzen ausgesetzt.

Am 11. April schaute ich wieder vorbei und fand eine graue Plane, hinter der es rummerte und tackerte: Das Dachgeschoss ist schon weg.

King's Club_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

King's Club_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Mit ein bisschen Abstand wird klar, was hier passiert ist: Aus drei Etagen plus Dach kann ein Investor sieben Etagen machen und das doppelt und dreifache an Miete verdienen. Und wohl nicht Wohn- sondern Bürofläche. Ungehindert.

Nachtrag vom 7. Mai: Am besten sieht man das Potential, quasi die „Luft nach oben“ für den Investor, nachdem jetzt das Gebäude abgerissen ist:

King’s Club_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Und am 15. Mai konnte man noch einen Nebenraum entdecken, der vielleicht einmal – jedenfalls der roten Farbe nach zu urteilen – ein Séparée war und möglicherweise erhalten bleiben soll. Interessant auch, dass hinter dem Bau eine Treppe zu einem weiteren Gebäude führte.

King’s Club_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

King’s Club_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Am 22. Mai schliesslich wurde erkennbar, dass dieser hintere Bereich wohl erhalten bleibt, allerdings wohl einer anderen Nutzung zugeführt werden wird.

King's Club_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Verwendete Quelle: Lëtzebuerg Privat: Polizei räumt „King’s Club“ in der rue de Strasbourg in Luxemburg. Ex-Puff war zum „Heim“ für Junkys geworden, 3. April 2014

King’s Club_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

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