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Maison Lucie Pedicure Manicure_Kairo

Februar 23, 2018

Vier Monate lang bin ich im Herbst und Winter 1988 täglich durch diese dunkle Passage gegangen. Anfang Februar hatte ich ein Déjà vu: das „Maison Lucie“! Ein Kosmetikstudio für die Verschönerung von Händen und Füßen, das plötzlich so vertraut wirkte. Damals, als ich im Nahost-Büro der Süddeutschen Zeitung ein Praktikum absolvieren durfte, interessierte mich so etwas natürlich überhaupt nicht. Aber ich nahm dieses damals wie heute gleichermaßen verstaubt und aus der Zeit gefallen wirkende Studio natürlich wahr, zumal es in der düsteren Passage unter dem riesigen Gebäude der 33, Sharia Qasr en-Nil nur noch den Aufgang zu einem Buchladen sowie das Nile Café gab, auf das der Blick fiel, wenn ich zur Arbeit angelaufen kam oder nach Hause ging.

seiner uralt zweisprachigen Aufschrift

Lucie Manicure Pedicure_Kairo © Ekkehart Schmidt

Fast 30 Jahre später habe ich erstmals versucht, das besondere Flair des Schaufensters, seiner uralt zweisprachigen Aufschrift und der in Teilen längst erloschenen Lichtreklame dieses Lokals fotografisch einzufangen.

Lucie Pedicure Manicure_Kairo © Ekkehart Schmidt

Lucie Pedicure Manicure_Kairo © Ekkehart Schmidt

Lucie Pedicure Manicure_Kairo © Ekkehart Schmidt

Lucie Pedicure Manicure_Kairo © Ekkehart Schmidt

Lucie Pedicure Manicure_Kairo © Ekkehart Schmidt

Vor den Gardinen hing noch eine etwa drei Monate alte Weihnachtsdeko. Durch sie hindurch sah ich einen älteren Mann und eine Frau am Tresen sitzen. Das Lokal funktioniert also noch. Aber ob es neben manch betagten Stammkundinnen noch andere Frauen anzieht, ist doch sehr zu bezweifeln. Die „Maison Lucie“ ist vielleicht wirklich ein Relikt aus der Zeit ab 1870, als neben die Kairener Altstadt eine Neustadt nach – in architektonisch und kultureller Sicht – europäischem Vorbild erbaut wurde, die auch schnell von Europäern bevölkert und bis zur Revolution 1952 auch dominiert wurde. Deren Bedürfnisse ließen Lokale wie dieses ein halbes Jahrhundert prosperieren, ehe die Kundschaft ausstarb.

Kairospezifisch ist, dass solche Geschäfte dann trotzdem noch Jahrzehnte lang weiter existieren können, weil die weiterhin gültige sozialistische Mietpreisbindung aus der Zeit von Nasser die Fixkosten des Betriebs auf monatlich ein paar Euro reduzieren. Für die Confiserie Attia gegenüber gilt das wohl nur teilweise: Durch die bessere Lage direkt an dieser Hauptgeschäftstraße gelang es, immer wieder neue Stammkunden zu finden.

Maison Lucie Pedicure Manicure_Kairo © Ekkehart Schmidt

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