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Orangenschalen schnippeln

Februar 14, 2018

Mich hat es im März 2013 in der südiranischen Kleinstadt Rayen schwer beeindruckt, mit welcher Liebe und Geduld unsere Gastgeberin die  Schalen von Orangen weiter verwendete, indem sie erst gewaschen und einen Tag in heißem Wasser eingelegt, dann klein geschnippelt und getrocknet wurden, um sie schließlich als Zutat für Speisen wie Shirin Polo oder zum Kochen von Möhrenmarmelade zu verwenden.

Orangenschalen schnippeln © Ekkehart Schmidt

Orangenschalen schnippeln © Ekkehart Schmidt

Orangenschalen schnippeln © Ekkehart Schmidt

Orangenschalen schnippeln © Ekkehart Schmidt

Als Mitteleuropäer, der völlig verlernt hat, Lebensmittel vollständig zu nutzen, geschweige denn selber weiter zu verarbeiten (wenn es das alles im Supermarkt preiswert gibt), fasziniert mich an der persischen Küche, dass man diesen Aufwand wirklich schmeckt. Konzentrierte Sonnenenergie schmeckt ganz anders süß als Industriezucker.

Die äußere, orangefarbene Schicht der Schale ist tatsächlich essbar. Neben der Verwendung in hauchdünnen Streifen (so genannte Zesten) oder in geriebener Form vor allem zum Backen und Kochen, kann man sie auch zum Dekorieren von Desserts verwenden.

Und natürlich kann man die Orangenschalen im Iran auch in jedem Basar kaufen, wie hier in Kerman:

Orangenschalen schnippeln © Ekkehart Schmidt

Wer die wohl alle geschnippelt hat? Aus was für Orangen? Einsam wohl. Wenn man das nicht zum Lebensunterhalt machen muss, ist es ein soziales Ereignis, Lebensmittel aus dem eigenen Garten oder der freien Natur gemeinsam zu verarbeiten. Genau das entdecken viele Europäer gerade im Rahmen des Transition Town Bewegung wieder neu.

Nachtrag vom März: Ich habe jetzt selber angefangen, die Schalen gegessener Orangen sofort weiter zu verwenden bzw. auf dem Spielplatz mit den Kindern in die Tasche zustecken, statt in den Abfalleimer zu werfen: Erst mit einem scharfen Messer die weiße innere Haut abtrennen, aber nicht zu gründlich – denn nicht nur das Fruchtfleisch der Orange ist gesund, sondern auch ihre weiße Haut. Sie enthält viele sekundäre Pflanzenstoffe, die vor diversen Krankheiten schützen sollen.

Das Einweichen in heißem Wasser habe ich anfangs vergessen. Und dennoch diese meditative Arbeit genossen, bei der mit viel Feingefühl das weiße der Haut abzutrennen ist (der eher schwierige Teil der Arbeit), ehe man die Schalen mit einem scharfen Messer oder einer Schere in dünnstmögliche Streifen schneidet (der sehr befriedigende Teil der Arbeit), um sie dann zum Trocknen in die Frühlingssonne auf die Fensterbank zu legen, nach ein bis zwei Tagen in ein Glas zu füllen um irgendwann dann wirklich Marmelade zu kochen.

Orangenschalen schnippeln © Ekkehart Schmidt

Orangenschalen schnippeln © Ekkehart Schmidt

Wäre ich Peter Handke, könnte ich ein ganzes Buch zum Thema schreiben. Es würde heißen „Versuch über das Schnippeln von Orangenschalen“.

Letztens fiel mir ein getrockneter Schnippel auf den Boden, ich nahm ihn in den Mund und kaute drauf rum: Au weia, das ist ja viel zu hart! Mache ich mir die ganze Arbeit umsonst und produziere eine ungenießbare Marmelade?

Mehr zum Thema: Hamann, Silke: Orangen – Vitaminbomben für die Abwehrkräfte, gesundheit.de, aktualisierte Fassung vom 21.12.2017

Orangenschalen schnippeln © Ekkehart Schmidt

From → Anders leben, Iran

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  1. Persische Möhrenmarmelade (Moraba-ye Hawidj) | akihart

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