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BOB Bio Mio_Kopenhagen

Januar 14, 2018

Man kann sich einem Thema immer auf sehr unterschiedliche Weise nähern. Naiv oder kritisch, ästhetisch oder kulinarisch. Besonders bei einem so krassen Kontrast, wie er sich hier zeigte. Wenn man das denn sehen und thematisieren mag. Ich hatte ja zunächst nicht viel erwartet, angesichts einer Ankündigung während eines Seminars in Kopenhagen Mitte Oktober, dass wir hier abends essen würden. Obwohl es um Innovationen in der Sozialfinanz ging und man dann natürlich nicht irgendein Lokal vorschlägt. Was es dann natürlich auch nicht war.

Aber ich fange mal andersherum an: Wie in jeder Großstadt gibt bzw. gab es auch in der dänischen Hauptstadt ein riesiges Schlachthofviertel in Bahnhofsnähe. Hunderttausende, wenn nicht Millionen Rinder, Schweine und anderes so genanntes Schlachtvieh ist hier seit den 1880er-Jahren durch das Slagtehus namens Kødbyen (Kød = Fleisch) geschleust worden, in stetig perfektionierter Effizienz zwecks Kostensenkung. Auf diesem Gelände der „Fleischstadt“ mit mehreren parallel laufenden Gassen mit jeweils einem Dutzend Verladeeingängen für Viehtransporter, deren geschwärzte Patina gruselig wirkt, wenn man sich die massenhafte Tötungs- und Fleischverarbeitungsprozedur bewusst macht, wurde der zunehmend maßlos werdende Fleischhunger der modernen Gesellschaft befriedigt. Der älteste Teil, mit braunen Ziegeln (daher Den brune Kødby genanntstammt aus dem Jahr 1883, die zwei anderen Bereiche sind weiß und grau geziegelt.

BOB Bio Mio_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

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BOB Bio Mio_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

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Das verdrängen die meisten wohl eher, sind hier doch nach Schliessung der alten Anlagen ab dem Jahr 2000 Kreativbetriebe und Gründer in dieses neue „creative cluster“ eingezogen, unter anderem Architekturbüros, aber auch Restaurants und Nachtclubs. Die Fleischverarbeitung ist aber nicht ganz verschwunden, was durchaus unübersehbar ist. Außer man nähert sich, wie ich zunächst, dem Lokal „BOB“ aus dem Zentrum des Stadteils Vesterbrø. Dann wirkt es sehr witzig, auf ein Restaurant zu treffen, das noch von Bosch-Werbeschriftzügen der früheren Nutzung dominiert wird.

BOB Bio Mio_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

BOB Bio Mio_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

BOB Bio Mio_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

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Das BOB gab’s schon länger, aber erst seit viereinhalb Jahren bietet es, mit neuem Inhaber, dominant Speisen in Bio-Qualität. Der alte Name wurde umgedeutet und bekam die Vorsilben „Bio Mio“. Das einstöckige Gebäude, das Platz für 250 Gäste bietet, ist sehr alt, eventuell von 1910, innen aber komplett neu durchgestylt worden.

BOB Bio Mio_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

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BOB Bio Mio_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

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BOB Bio Mio_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

Das Lokal ist sehr teuer: Das Hauptgericht kostet ab 160-210 dänische Kronen (meine Wahl bei einem Wechselkurs von 1 Euro = 7,5 dkk war ein Fellaffelteller als billigste Möglichkeit für unfassbare 23 Euro). Es war gut, aber satt wurde ich nur durch’s Brot. Kopenhagen halt. Aber die wuselig-fröhliche Atmosphäre entschädigt einen durchaus. Bei einer Zigarettenpause ging ich westwärts aus dem Lokal zur Einmündung der nächsten Straße  und war überrascht, eine Mischung aus alten fleischlastigen Lokalen und Kreativbetrieben zu finden (ostwärts fand ich tags drauf die alten Schlachthäuser).

BOB Bio Mio_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

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Adresse: Halmtorvet 19, The BOSCH building, 1700 København V,  Tel.: +45 3331 2000, Info@bobbistro.dk, Homepage

Verwendete Quellen: Schulze, Cordula: Kødbyen – Schlachthof Kopenhagen; tripadvisor: BOB Biomio Organic Bistro (Überblicksfoto innen und viele foodporn-Bilder); Wikipedia-Artikel „Meatpacking district, Copenhagen

BOB Bio Mio_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

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