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Iranische Beauty- und Bodybuilding-Studios

Januar 12, 2018

Der Iran ist zweigeteilt in ein Innen und ein Außen. Innen leben viele ein erstaunlich  freies modernes Leben. Außen gelten die rigiden Regeln des theokratischen Regimes in Bezug auf Kleidung, Geschlechterkontakte und Meinungsäußerung.

Die junge Generation der „digital natives“ ist – ganz ähnlich wie in den USA und Europa – mittlerweile stark von einer Art Körperkult geprägt, bei dem es mehr um Schein, als Sein geht. Gerade weil Frauen gezwungen sind, ein Kopftuch und einen ihre Formen verbergenden Mantel zu tragen, fokussieren viele der Ober- und Mittelschicht auf ein Styling des Gesichts, da dieses als einziges Körperteil neben den Händen gezeigt werden darf. Da gilt es als schick, sich die Nase so operieren zu lassen,  dass sie kleiner oder formschöner (ich würde sagen: langweiliger) wird, sich in Beauty Salons aufwändig die Wimpern und vor allem die Augenbrauen bearbeiten zu lassen, sich auch aufwändig zu schminken, auf dass aus der Verhüllung oben ein knallbunt künstlich gestaltetes Gesicht herausscheint. Mit dem Nasen-OP-Pflaster als Statussymbol.

Authentizität ist etwas ganz anderes. Aber dafür fehlt vielen das Selbstvertrauen.

Iranische Beauty-Salons und Bodybuilding-Studios © Ekkehart Schmidt

Iranische Beauty-Salons und Bodybuilding-Studios © Ekkehart Schmidt

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Iranische Beauty-Salons und Bodybuilding-Studios © Ekkehart Schmidt

Iranische Beauty-Salons und Bodybuilding-Studios © Ekkehart Schmidt

Ähnliches gilt auch für die Männer. Die Quote der Männer, die sich für eine Nasen-OP interessieren, ist von 5 % vor 20 Jahren auf heute 35 % gestiegen, zitiert der Figaro einen Arzt. Mehr zählen aber offenbar die Frisur, der Bart, die – auch bei ihnen – sorgfältig gezupften Augenbrauen und der Körperbau. Jedenfalls wenn ich meine Beobachtungen der letzten Jahre richtig interpretiere, bei denen mir sehr viele Friseursalons, Bodybuilding-Studios und Geschäfte zum Verkauf von Präparaten zum Aufbau von Muskeln ins Auge fielen. Sie finden sich eher im Zentrum der Städte, während man die Beautysalons eher in abseitigen Gassen der Wohnviertel entdeckt.

Iranische Beauty-Salons und Bodybuilding-Studios © Ekkehart Schmidt

Iranische Beauty-Salons und Bodybuilding-Studios © Ekkehart Schmidt

Iranische Beauty-Salons und Bodybuilding-Studios © Ekkehart Schmidt

Iranische Beauty-Salons und Bodybuilding-Studios © Ekkehart Schmidt

Während ich nur äußere Anzeichen dieser Entwicklung wahrgenommen habe, weil die Menschen, denen ich privat begegnet bin, frei genug waren, sich davon nicht anstecken zu lassen, hat der iranische Fotograf Hossein Fatemi Extreme dieser Entwicklung fotografiert, zu denen natürlich auch Tattoos gehören. Tattoostecher allerdings sind öffentlich tabu. Sie agieren im Privaten.

Hier ein Foto von mir mit paar Teheraner Jungs, die diesbezüglich etwas souveräner waren und Körperarbeit nicht nötig hatten. Dafür vielleicht zu intellektuell?

Iranische Beauty-Salons und Bodybuilding-Studios © Ekkehart Schmidt

Aber noch einmal zurück zu den Nasen der Frauen: Schaut man sich die sehr populären türkischen und südamerikanischen TV-Serien an, die eigentlich nicht geschaut werden dürfen, per Satellit aber überall empfangen werden können, fällt auf, wie viel Werbung von Kliniken dort platziert werden. Das Geschäft boomt: Schätzungsweise zwischen 50.000 und 200.000 Operationen der ästhetischen Chirurgie – neben Nasen- auch Bauch- und Brustverkleinerungen – werden Jahr für Jahr im Iran durchgeführt. Allein in Teheran praktizieren 3.600 ästhetische Chirurgen. Es heißt sogar, dass der Iran bzw. seine renommierten Mediziner mittlerweile weltweit führend in dieser Branche sind.

Und es ist für die Schönheitsindustrie ein lukratives Geschäft: Mindestens 1.500 Dollar kostet eine Nasen-OP, bei einem Mindestlohn von 270 Dollar ist das sehr teuer. Manche Frauen lassen sich mehrfach operieren. Und in die Privatkliniken kommen nicht nur Einheimische, sondern auch Iranerinnen aus dem westlichen Ausland, wie auch Aserbeidschanerinnen oder Irakerinnen.

Immerhin gibt es offenbar auch viele, die diese Entwicklung mittlerweile sehr kritisch sehen, weil zunehmend viele Frauen die gleichen langweiligen Puppennasen haben. Auf Facebook wurde schon eine Kampagne namens „Meine natürliche Nase“ gestartet, um der Entwicklung entgegen zu wirken.

Verwendete Quellen zur Chirurgie: Motahari, Farshid: Nez, poitrine, fesses: l’industrie de la beauté en Iran, 29.04.2014;  Le figaro madame: L’Iran friand de chirurgie esthétique (04.01.2016); Le Monde: Le « nez naturel » des Iraniennes s’affiche fièrement sur Internet  (18.05.2015)

Iranische Beauty-Salons und Bodybuilding-Studios © Ekkehart Schmidt

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