Zum Inhalt springen

Nørrebro Murals_Kopenhagen

November 21, 2017

Mitte Oktober rammte mich dieser monströse Containerfrachter. Ich musste vom Rad absteigen und innehalten. Mein Hostel lag direkt am historischen Nyhavn und nicht allzuweit von der heutigen Realität der globalisierten Containerschiffahrt, die mir täglich meine Bananen, meinen Kaffee und alle paar Jahre einen neuen Laptop und Fahrradlampen bringt. Unsichtbar. Mein Bild von Kopenhagen war bis zu diesem Moment in eher nostalgisch-idealisierter und touristischer Weise geprägt worden. Deswegen empfand ich diesen Zusammenstoß auch als so heftig: Ein Riesen-Mural über mehrere Häuserrückseiten (das größte, das ich je gesehen habe), das mir vermittelte, wie zerstörerisch dieses Business ist und wie wir als Konsumenten unsere Mitschuld tragen. Vielleicht war es vor allem der hilflose Dino am Heck, der mir die message ‚rüberbrachte.

Nørrebro Murals_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

Nørrebro Murals_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

Nørrebro Murals_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

Nørrebro Murals_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

Aber der Front-Aufbau des Frachters linkerhand war zerschossen. No future für so etwas also? Ein paar hundert Meter weiter kam ich dann zum „Superkilen„, jener gelungenen städtebaulichen Intervention, bei der ein sehr lang gestrecktes keilförmiges Stück Brachfläche einer früheren Bahntrasse zwischen zwei Abschnitten dieses ehemaligen Arbeiterwohnviertels und heutigen multikulturellen Viertels durch Streetart und Spielplätze zu einem coolen, alles verbindenden Aufenthaltsort umgestaltet worden ist.

Mit einem sehr markanten Mural am „Roten Platz“ an der Ecke zur Nørrebrogade, das im Nachhinein mit einem „Vi Hader Reklamer“ kommentiert worden ist, wie der Vergleich mit Fotos von 2015 zeigt, als eine in Dänemark lebende Bloggerin mit philippinischen Wurzeln das Viertel ebenfalls durchstöbert und als Happy Place beschrieben hat, wenngleich es hier durchaus Probleme gibt: Just am 31. Oktober gab es hier eine Schießerei mit einem Toten und zwei Verletzten. Alle drei hatten Beziehungen zwei Gangs namens „Lyal to Familia“ und „Brothas“, die sich hier seit dem Sommer regelmäßig Schießereien liefern. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Auseinandersetzungen verschiedener ethnischer Banden, sondern um sehr durchmischte Gruppen, die sich aus der gemeinsamen Jugend im Kiez kennen.

Nørrebro Murals_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

Später entdeckte ich in Nørrebro  noch andere, aber eher gefällige Murals. Nett anzusehen, eins auch sozialkritisch, aber ohne diese Wucht. Eher poetisch.

Nørrebro Murals_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

Nørrebro Murals_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

Nørrebro Murals_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

Das mindestens seit 2011 in der Odinsgade bestehende „balloon girl mural“ (offiziell „The great escape“) entstand als Zusammenarbeit zwischen den drei Künstler/innen Anne Sofie Madsen, Simon Hjermind Jensen und Claus Frederiksen , die durch die Initiative „Copenhagen Cruise“ zusammen gebracht worden ist, wie ich später bei Classic Copenhagen und donkey bike lernte.

Nørrebro Murals_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

Nørrebro Murals_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

Nørrebro Murals_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

Weitere verwendete Quellen: Schießerei in Kopenhagen, Zeitung vum letzebuerger vollek, 3.11.2017; Münch, Theresa: In der heilen Welt tobt ein Banden-Krieg, Saarbrücker Zeitung, 30.11.2017

Nørrebro Murals_Kopenhagen © Ekkehart Schmidt

One Comment

Trackbacks & Pingbacks

  1. Superkilen Nørrebro _Kopenhagen | akihart

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: