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Versuch über das Lächeln der Daphne Galizia

November 8, 2017

Mir kam heute plötzlich die Frage hoch, welche Fotograf/in bei Fotos wie jenem auf dem Grab der in Malta ermordeten und gestern beerdigten Journalistin Daphne Galizia eigentlich in welcher Intention angelächelt worden sind, bzw. ob man sich als Betrachter eigentlich bewusst macht, dass die fotografierte Person ja nicht einen selbst anschaut oder anlächelt, sondern eine Person mit Kamera in einer bestimmten Situation. Aber nicht nur das: Wie ein Blitz traf mich die Frage, ob das denn eigentlich legitim ist, dieses Lächeln und dieses Foto zu benutzen und – wie in diesem Fall – weltweit in den Medien zu verbreiten?

Ein Lächeln kann ja aufgesetzt sein, weil da jemand einen aus welchen Gründen auch immer fotografiert, obwohl einem vielleicht gar nicht zum Lächeln zumute ist. Oder es kann authentisch sein, dann blitzen auch die Augen und man vermag tief in die Seele der fotografierten Person zu schauen. Das kennen wir alle. In letzterem Fall ist da aber eben eine Intimität gegeben, deren Nutzung – und sei es auch, wohlwollend gemeint, um eine ermordete Person in liebenswürdigem Licht erscheinen zu lassen – ethisch zumindest fragwürdig ist.

Daphne Galizia_Quelle: scradar.com

Das Originalfoto habe ich auf ihrem Blog gefunden:

Daphne Galizia_Quelle: https://daphnecaruanagalizia.com/wp-content/uploads/2011/02/DSC_8970bw3.jpg

Ich musste an die Mona Lisa denken. Hier ein ähnliches Bild von 2015, ebenfalls von ihrer Homepage, bei dem ihr Lächeln etwas verhaltener ist, sie andere Ohrringe trägt und Ausschnitt zeigt.

Daphne Galizia_800_Quelle: https://daphnecaruanagalizia.com/wp-content/uploads/2015/06/dcg.jpg

In ihrem Blog hat die (auch das noch… ) 5 Tage vor mir am 26. August 1964 geborene Journalistin als maltesische Partnerin des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) 2016 ihre Schlüsse aus der Auswertung der Panama Papers veröffentlicht. Sie war die Erste, die die Verwicklung des maltesischen Ministers Konrad Mizzi und Keith Schembri, einem Intimus des maltesischen Ministerpräsidenten Joseph Muscat, in den Skandal aufdeckte. Es wird vermutet, dass deswegen im Oktober der tödliche Bombenanschlag auf sie verübt worden ist.

Eine heroische (bzw. she-roische) Figur also, ein Opfer der guten Sache, dem Kampf gegen das Verhalten vieler Mächtiger und Reicher, ihr Vermögen unversteuert in Steueroasen zu verstecken. Dennoch frage ich mich, ob es nicht übergriffig ist, ihr in einem völlig anderen – vielleicht intimem – Kontext festgehaltenes Lächeln einer ganz konkreten, bestimmten Person gegenüber stehend, wahrscheinlich einem Mann, nun nicht nur als souveränes Lächeln gegenüber den Attentätern und Hintermännern, sondern auch wie eine Quintessenz eines 53jährigen Lebens um die Welt gehen zu lassen, ohne sie dabei auch als Mensch außerhalb dieses hochpolitischen Kontextes zu beschreiben und zu würdigen. Weil: Wenn man sich andere Fotos anschaut, konnte sie auch ganz anders, vor allem angestrengt und gestresst gucken. Wurde durch diese subjektive Bildauswahl ihr Recht am eigenen Bild verletzt, obwohl sie beide auf ihrem Blog öffentlich gemacht hat?

Vielleicht sind meine Gedanken zu diesem Thema zu moralisierend, zu intellektuell oder anderweitig neben der Spur? Mir kamen heute morgen aber einfach diese Fragen hoch und ich musste mich damit beschäftigen.

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