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Cliärrwer Braderie_Clervaux

Oktober 5, 2017

Was in Deutschland fast unbekannt ist, gibt es in Luxemburg in jeder Stadt und jedem größeren Dorf, so auch in Clervaux: Einen jährlich stattfindenden Straßenverkauf vorrangig der ortsansässigen Geschäfte. Warum das interessant ist? Weil eine Mischung von volksfest und Schnäppchenjagd beobachtet werden kann, die manche aufwändigen Sozialstudien ersetzt. Jedenfalls wenn man sich Zeit nimmt. Oder nehmen kann, wie es mir am 10. September erging, als ich auf dem Solidarmarkt „Don’t be square Fair“, der an die Cliärrwer Braderie angedockt worden war, für meinen Arbeitgeber etika einen Stand hatte.

Die berühmteste und größte Braderie des Landes ist natürlich die Stater Braderie, diejenige der Hauptstadt. Die Geschäftsleute des Ardennenstädtchen, das auf deutsch Clerf, auf französisch Clervaux und auf luxemburgisch Klierf oder Cliärref heißt, hatten ihre traditionell am zweiten Septemberwochenende durchgeführte „Cliärrwer Braderie“ aber auch durchaus groß und professionell organisiert. Wie beim hauptstädtischen Straßenmarkt bieten sie ihre Waren drinnen und draußen zu attraktiven Preisen an, auch um ihr Lager für neue Waren frei zu räumen.  Dazu kamen zahlreiche Markt-, Antiquitäten-, Informations- und Hobbystände mit den verschiedensten Artikeln.

 

Braderie Clervaux (c) Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Die Straße bis zum Bahnhof der Ortschaft im Norden Luxemburgs war für den Verkehr gesperrt und in eine gut 1 km lange Fußgängerzone verwandelt, wobei die Stimmung schon früh am Morgen eindeutig mehr in Richtung Volksfest ging, denn in Richtung pragmatischer Jagd nach Schnäppchen („eng gutt Affäre“ machen). Aber natürlich gibt es viele Kunden, die hier erstehen können, was sie sich sonst preislich vielleicht nicht leisten können oder wollen, ähnlich wie beim Sommer- oder Winterschlussverkauf – einer Institution die es in Luxemburg noch nicht so lange gibt, wie in Deutschland. Oder Kunden von noch kleineren Dörfern, in denen es – wenn überhaupt – gerade noch eine Kneipe oder einen Bäcker gibt. Neben Textilien gibt es auch Accessoires wie Taschen oder Sportartikel, Vinyl, Elektrogeräte mit hohem Leistungsvermögen, aber geringer Lebensdauer (wie heute üblich), Küchenutensilien (z.B. Vorratsdosen) oder Spielzeug. Das alles in einer lebendigen analogen Atmosphäre. Das zieht gerade in Zeiten, in denen lokale, inhabergeführte Geschäfte immer mehr Kunden an Zalando oder Amazon verlieren, durchaus mehrere Tausend Besucher an.

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

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Ich bin zwischendurch zwei Mal die Hauptstraße hinunter und wieder hoch gelaufen, um Eindrücke zu sammeln. Der Charme einer älteren Dame gefiel mir gut:

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Weiter ging es die Grand Rue hinunter zum Altstadtkern, der sich U-förmig rund um den Schlossberg der Kommune mit wenig über 1000 Einwohnern zieht. Den preiswerten elektrischen Kran des Spielzeugladens habe ich sofort erstanden und Sohn Johann damit erfreut. Stände mit Flohmarktwaren gab es im Übrigen nur sehr wenige.

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Vor den Gemeinderatswahlen am 8. Oktober nutzten natürlich mehrere Parteien die Chance, sich hier zu präsentieren, hier Déi Gréng, die ADR, die DP und die in Clervaux majoritäre CSV, die sich neben einem Orchester den besten Platz sicherte:

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

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Eine echte Braderie im Sinne eines dominanten Straßenverkaufs ansässiger Geschäfte, fand ich vor und im Altstadtkern:

https://akihart.wordpress.com/2017/09/11/taverne-des-sports_clervaux/

Braderie Clerf (c) Ekkehart Schmidt

https://akihart.wordpress.com/2017/09/11/taverne-des-sports_clervaux/

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Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

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Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

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Das bunte Treiben endete unetrhalb des Schlosses mit einer Würstchenbude neben der Taverne des Sports, in der ich am Vorabend beie einer Pizza ein bisschen Fußball geguckt hatte.

https://akihart.wordpress.com/2017/09/11/taverne-des-sports_clervaux/

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Anders als hier am Platz mit seinen teuren Hotels ringt die Kommune im nördlichenTeil des Ortskerns rund um den Felsen mit dem Schloss und der Abtei mit leer stehenden Geschäftsflächen, schwindender Kundschaft und einer oftmals „allzu geruhsamen Fußgängerzone“, wie es imLuxemburger Wort kürzlich hieß. „Wie überall in Europa kämpft auch dieses dorf mit den Folgen von Discountern am Stadtrand und veränderten Konsumgewohnheiten (Internetshopping)“. Es gibt hier keinen kleinen Lebensmittelladen mehr. „Die Hoffnung auf bessere Zeiten trägt hier den Namen Edward Steichen und dessen fotografisches Monumentalwerk „The family of Man„, das im Schloss seit Jahren ein Besuchermagnet von UNESCO-Weltrang ist.

Beim zweiten meiner Rundgänge fielen mir denn auch einige Fotografien auf, die hinter den Ständen ausgestellt waren: Seit einigen Wochen sind die Gassen der Stadt unter dem Titel „Cité de l’image“ als öffentliche Galerie gestaltet worden: Großformatige Arbeiten von sechs Fotografen sowie Fotos aus dem Archiv der „Conserverie“ wurden miten im öffentlichen Raum an markanten Orten oder auch versteckt präsentiert. Sie verschmelzen mit der Umgebung oder mischen diese auf. Die Stadt will sich damit auch jenseits der „Family of Man“ als Stadt der Fotografie positionieren.

https://akihart.wordpress.com/2017/09/11/taverne-des-sports_clervaux/

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„Fast theatralisch-poetisch kommen die Arbeiten von Christian Tagliavini daher“, heißt es in einem weiteren Text im Luxemburger Wort zum Fotografen der obigen Bilder. „Er vermischt Elemente aus der Kunstgeschichte des Porträts mit dem Fortschrittsglauben des 19. Jahrhunderts und unter anderem von fantastisch-literarischen Werk von Jules Verne. An den Mauernischen der Arkaden an der Grand-Rue verfehlen diese Arbeiten unter dem Titel ‚voyages extraordinares‘ ihre Wirkung nicht. Und wo bekommt man schon einmal so skurille Gestalten wie den ‚Ovomachiniste‘ oder die ‚Tophoniste‘ zu sehen?“ Jetzt, während der Braderie wirken diese Figuren auf einer weiteren Ebene skurill, wenn man ihnen hinter den Marktständen gewahr wird.

Auf dem Rückweg hoch zu meinem Infostand begegnete mir noch eine Gruppe älterer Leute vor einem Altersheim oder einer Altenbetreuungseinrichtung, für die das hier sicher ein Höhepunkt im Jahreslauf war.

https://akihart.wordpress.com/2017/09/11/taverne-des-sports_clervaux/

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Verwendete Quellen: Conrad, Daniel: Stadtbild(er), Luxemburger Wort, 06.09.2017; Initiative Cité de limage; Christian Tagliavinis „Voyages extraordinaires„; Lamberty, John: Nur schön reicht nicht. Zwischen Tradition und neuen Trends ringt Clerf um einen lebendigen Ortskern – und ein neues Selbstverständnis, Luxemburger Wort, 06.09.2017; Union Commercale et Artisanale de la Commune de Clervaux: Braderie, August 2017

Cliärrwer Braderie_Clervaux © Ekkehart Schmidt

 

From → Märkte, SaarLorLux

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  1. Große Braderie_Luxemburg | akihart

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