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Café Um Stamminet_Luxemburg

September 23, 2017

Heute habe ich es endlich in das zweite in Luxemburg noch existierende „Stamminet“ geschafft. Das andere hatte ich letztes Jahr in Bettembourg besucht und erfahren, was dieser merkwürdige Begriff bedeutet: „Stammtisch“. So banal so gut. Aber die Ethymologie dieses Ausdrucks hat es durchaus in sich: In Nordfrankreich, vor allem in den Regionen Nord-Pas-de-Calais und Picardie sowie in Belgien versteht man unter dem Estaminet (frz. l’estaminet) eine traditionelle Gaststätte. Es kombiniert Café, Kneipe und Restaurant, ist aber im Wesentlichen ein Treffpunkt der Nachbarschaft, der üblicherweise rustikal eingerichtet ist und oft auch mit Gerätschaften und Bildern aus der Landwirtschaft dekoriert ist.

Eine weit verbreitete Theorie zur Herkunft des Wortes ist die Ansicht, dass es sich vom wallonischen Wort „Staminé“ (Säulenhalle) ableitet, vielleicht auch von den Begriffen „estaminé“ oder „estaminea“, die ihrerseits wahrscheinlech vom Wort „stamon“ (= Pfosten) abstammen – wobei ich da nicht den Zusammenhang verstehe. Andere vermuten das flämische Wort „Stamm“ (Familie) als Ursprung. Da Flandern zeitweilig zu Spanien gehörte, liegt auch die Theorie nahe, dass der spanische Ausdruck „Esta un minuto“ (Bleib eine Minute) namensgebend wurde. In Luxemburg schert man sich darum wenig: „E Staminee ass e Café, eng Plaz, wou een e Pättchen ze drénke kritt“. Es gab auch einmal eine satirische Wochenrevue beim Radio RTL namens „Um Stamminet“, die am Sonntag-Abend übertragen wurde.

Sei’s drum: Auf der Rückfahrt vom Bio-Markt bei Co-Labor in Bertrange beschloss ich kurz vor der „blauen Stunde“ spontan, hier in Merl an der Route de Longwy am westlichen Ortseingang von Luxemburg noch einen Espresso zu trinken. Das Haus stammt offensichtlich aus Zeiten, als hier noch nicht so viel oder kein automobiler Durchgangsverkehr herrschte. Als Relikt einer engeren Strassenführung ragt es in die heute brei8te Strasse hinein. Mir gefiel der dadurch entstandene kleine Nebenplatz rechts vom Eingang.

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Die meisten der vier bis fünf portugiesischen Männer, die sich hier heute – inklusive Wirt – zwischen 18.30 und 19 Uhr aufhielten, gingen immer wieder raus, um an einem Stehtisch eine Zigarette zu rauchen. Drinnen lief auf zwei Flachbildschirmen parallel Leicester – Liverpool und Estoril – Chaves, also englische und portugiesische Liga. Weil mich Jürgen Klopps Team interessierte, hatte ich einen Grund, etwas länger zu bleiben und zwischendurch auch im hinteren Bereich nach der Kegelbahn zu gucken. Es war um diese Uhrzeit etwas düster, bei passender Beleuchtung wirkt das ganz anders, wie man auf der Fotogalerie der Homepage des Lokals sehen kann.

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Desweiteren bietet das Lokal eine elektronische Dartsscheibe, ein Internet-Glücksspiel, an Zeitungen den Quotidien, das Tageblatt, Lux-Bazaar und die Revue sowie das eine oder andere weitere Monatsmagazin. Zu essen bekommt man Sandwichs mit Schinken oder Salami für 3 Euro oder ein Croque-Monsieur, ein Sandwich mit Queijo-Käse, Räucherschinken („Presunto“), Hähnchenfleisch oder Thunfisch 3,50 Euro zahlt, während ein Bifana-Sandwich oder ein Brötchen mit Mettwurst schon 4 Euro kosten und Prego no pão, Moelas oder ein Hamburger mit 5 – 6 Euro schon fast teuer sind. Diese Mischung aus portugiesischen und französischen Speiesen zeigt sich auch bei den Tagesgerichten: ein Plat du jour mit Fleisch oder Fisch kostet 10 Euro, Bitoques 12 Euro, ein Schweine opder Hähnchenschnitzel 11 Euro. Man ist in dieser Arbeiterwelt noch völlig unbeeinflusst von vegetarischen oder veganem Gedankengut.

Einen Stammtisch diesen Namens, „De Lëtzebuerger Stamminet zu Berlin“ gibt es übrigens in der deutschen Hauptstadt,  mit eigenem Blog (allerdings seit 2014 inaktiv). Und es ist vielleicht erwähnenswert, dass der Schriftsteller Jacques Messiant mehrere Bücher über die Stamminet geschrieben hat. Ferner soll 2005 sogar ein Annuaire aller so genannter Lokale erstellt worden sein. In diese Wissenschaft werde ich aber nicht einsteigen.

Adresse: 294, route de Longwy, L-1940 Luxembourg-Merl,
Tel.: 26 45 89 61, Homepage

Verwendete Quellen: Wikipedia-Artikel „Estaminet“ und „Staminee

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

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