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Hotel Huberty_Kautenbach

September 17, 2017

So hatte ich mir das letztes Wochenende vorgestellt: In absoluter Stille in einem alten, unsanierten Hotel eines Nests („Dorf“ wäre zu hoch gegriffen) an der Kreuzung mancher Wege mitten in den luxemburgischen Ardennen zu übernachten – stressfrei an einem Samstag-Abend, um am Sonntag früh meinen Stand auf der „Don’t be square Fair“ in Clervaux (Clerf) aufzubauen. Ich kannte Kautenbach als Ausgangspunkt dreier etika-Radtouren mit Velosophie und wusste, was mich erwartet. Nach einer halben Stunde Zugfahrt ab Luxemburg nordwärts sind wir von hier hoch ins unberührte Tal der Clerve/ Clerf in Richtung Lellingen, ohne Kautenbach angesichts der bevorstehenden Steigung ernsthaft eines Blickes zu würdigen.

Dabei fliesst hier die Clerve in die Wiltz, um wenig später in die Sauer zu münden. Es gibt hier eine Kirche (was anzumerken ist, weil Weidingen – der letzte Ort, durch den die Wiltz weiter oberhalb fliesst – als einziger luxemburgischer Ort ohne Kirche bekannt ist). Und es gibt zwei Hotels. Ich freute mich darauf, hier einmal zu übernachten und wählte das Hotel Huberty, weil es – anders als das Hotel Hatz – über booking.com auch schnell buchbar war und näher am Bahnhof lag. Zwar kaum 50 Meter, aber das war relevant, weil ich per Rad kam und neben einem Roll-Up und anderem Gepäck auch einen Stapel großer Fotos zu transportieren hatte.

Die Abendstimmung war „special“, hier an den zwei alten Steinbrücken an der Mündung der Flüsschen am Bahndamm. Nebel, Wasserrauschen und diffuses Licht.

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Tagsüber wirkte das noch ganz anders.

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Das war mein Zimmerfenster, in Raum Nummer 1 – vielleicht dem einzigen mit Dusche und Bad im Zimmer (offenbar haben viele das nur auf dem Flur).

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Die Innenausstattung der Schlafräume und der Hotelflure ist im Gegensatz zum sehr ansprechend gestalteten Aufenthaltsraum ein wenig durcheinander gewürfelt. Es dominieren Billigdrucke vom Montmartre in Paris. Bettbezug, Teppich, Stuhl und die  – offenbar neue – Gardine in sich beissenden Tönen passen nicht wirklich zueinander. Da ist noch „Luft nach oben“, wie man so schön sagt… Hätten die Inhaber erzählt, dass sie das Haus letzten Winter übernommen haben, hätte ich mich über die Ausstattung des Treppenhauses nicht gewundert. Aber Cornelius Rudy Verstraten und seine Frau sprachen von vier Jahren.

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Das Haus wurde offenbar 1792 erbaut. Seit wann es als Hotel genutzt wird, blieb unklar. Die ausnehmend freundlichen Inhaber haben das Haus – nach einer Suche über Internet – von einem Vorbesitzer übernommen, dem es offenbar nicht gelungen war, es vor Renteneintritt zu verkaufen. So stand es eine Weile leer. Das niederländische Inhaberpaar spricht quasi nur Niederländisch und Englisch, aber auf Deutsch geht die notdürftigste Verständigung. Die Speisekarte und auch die Gäste sind dominant niederländisch. Daher wunderte es mich auch nicht, dass auch die Tüten löslichen Kaffees im Zimmer neben dem Wasserkocher von Douwe Egberts stammten. Ich kann nicht beurteilen, inwieweit die Aufenthaltsräume von ihnen verändert wurden. Es finden sich hier viele alte Stücke, wie ein Sattel oder ein von Herrn Vertraten sanierter 93 Jahre alter Billardtisch im Nebenzimmer (das vor allem vom Hund okkupiert wird). Ferner haben sie eine Kopie der berühmten rembrandtschen Nachtwache und ein altes Schwarzweiss-Foto der holländischen Großeltern aufgehängt.

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Abends traf ich noch auf zwei Gruppen niederländischer Motorradfahrer, die ihre Fahrzeuge im Nachbarhaus unterbringen konnten. Ich setzte mich an den alten Kamin mit der Inschrift „1792“, der nicht mehr häufig genutzt zu werden scheint. Stattdessen gab es in der Schankstube einen neuen Kamin, den Frau Verstraten und ihre Tochter schon angeworfen hatten, weil es hier im Tal abends durchaus schon kühl werden kann – witzigerweise das gleiche Modell, das wir uns in Saarbrücken vor drei Jahren gekauft hatten: ein altmodisch (bzw. klassisch) wirkender Kamin aus der Slowakei.

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Es gab ein sehr gutes Frühstück, vor allem der frisch gepresste Orangensaft wirkte super gegen meine aufkommende Erkältung. Käse und Wurstaufschnitt aufeinander gelegt ist für mich mittlerweile aber schon ein Ärgernis. Das Ei sei bio, hiess es. Ich habe es mal geglaubt. Naja. Aber für eine Übernachtung mit Frühstück für 50 Euro gibt es da nicht wirklich etwas zu meckern.

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Ich kann das Haus als Stützpunkt für Ausflüge in den Ardennen nur empfehlen. Es ist hier, abgesehen vom Wasserrauschen und gelegentlichem Quaken von enten oder Schnauben der Ponys vom Hof nebenan, völlig still. Zwei Mal pro Stunde hört man das Dingdong der Bahnschranke, kurz bevor ein Zug der hier abzweigenden Nebenstrecke nach Wiltz vorbei kommt. Aus einem dieser Züge stieg spät abends offenbar ein junger Mann aus (oder ist er getrampt?). Jedenfalls suchte er sich an der Bushaltestelle gegenüber des Hotels einen Platz für die Nacht. Dass diese neblig wurde, wird ihn nicht gestört haben. Morgens um 8.45 Uhr, als ich mich auf den Weg zum Solidaritätsmarkt „Don’t be square Fair“ in Clervaux machte, war er wieder weg.

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

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  1. Taverne des Sports_Clervaux | akihart

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