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Molana Restaurant_Hamburg

September 8, 2017

Es gibt eigentlich keine guten oder schlechten persischen Restaurants. Nicht im Iran, und erst Recht nicht in Deutschland. Jedenfalls meiner Erfahrung nach, die den Besuch von mittlerweile sicher schon mehr als 30 solcher Lokale, vor allem in den vergangenen 5 Jahren, umfasst. Die persischen Gerichte sind dort, egal ob im Ayeyaran in Teheran oder im Hani in Frankfurt – negativ ausgedrückt – so erstarrt in der überlieferten Art und Weise ihrer Herstellung und den zu verwendenden Zutaten, dass kaum experimentiert wird. Die Iraner haben ganz klare Vorstellungen, wie ein Chello Kebab zuzubereiten ist – ganz ähnlich wie die Deutschen, wenn es um Rouladen mit Knödeln und Rotkohl geht. Gerade in der Emigration geht man in ein persisches Lokal essen, um geschmackliche Heimatgefühle zu erleben.

Bei der Frage, welches des halben Dutzends persischer Lokale wir rund um den Stadtteil St. Georg, den wir uns vor fast drei wochen als Hamburger Standquartier gewählt hatten, ließ sich die Iran-stämmige Mutter meiner jüngsten Kinder denn auch nach einem ganz anderen Kriterium leiten, als der vermeintlichen Kochkunst der Inhaber. Angesichts der Namen der Lokale von „Teheran“ und „Pars“ über „Pamir Pazar“, „Padideh“, „Sepideh“ und „Qasr“ bis „Safran“ und „Molana“, war es letzterer, der eine deutliche Distanz zum iranischen Mainstream signalisierte. Die Entscheidung fiel schnell, zumal es um die Ecke vom Steinwall lag, wo wir übernachteten.

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Hinter dem Flachbau im nüchternen Design ragte ein Haus mit einem an das Symbol der Islamischen Republik erinnernden Logo hervor, das sich aber als indisches Kulturzentrum (oder Ähnliches) entpuppte. Drinnen grüßten die üblichen, durch deutsche Augen eher kitschig wirkenden Bilder, aber auch ein aufwändig gestaltetes viereckiges Band mit Texten des Sufi-Heiligen.

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

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Molana (auf obigem Foto rechts), den man in Deutschland türkisch beeinflusst als Mevlana oder Maulani beziehungsweise „Rumi“ kennt, war ein persischer Sufi-Mystiker, Gelehrter und einer der bedeutendsten persischsprachigen Dichter des Mittelalters. Von seinen Anhängern, insbesondere den Derwischen, erhielt der eigentlich vollständig Dschalāl ad-Dīn Muhammad ar-Rūmī heissende Mann (1207-2073) den arabischen Beinamen Maulana („unser Herr/Meister“). Nach ihm ist der Mevlevi-Derwisch-Orden benannt. Geboren in Khorassan, starb er in Konya in der heutigen Türkei und ist in einem sehr schönen Mausoleum begraben, das ich 1985 ehrfürchtig besucht habe. Mehr zu ihm bei Wikipedia.

Wer sein Lokal nach ihm benennt, positioniert sich jedenfalls weder politisch, noch religiös in der Nähe des seit 1979 herrschenden Regimes.

Molana Restaurant_Hamburg  © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg  © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Das Innere des Lokals weist viele typische Elemente traditioneller persischer Restaurants auf: von den kitschig-romantischen Bildern über Kunsthandwerk und eine Ecke mit einem Samowar und qadscharisch inspirierten Teekännchen bis zu den „Tachteh“ genannten erhöhten Sitzplätzen. Es gab aber am Fenster auch einen Raum mit sehr deutsch wirkenden Tischen und Stühlen.

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Wir bestellten Gheymeh Bademdjan, Chello Kebab und ein weiteres Grillgericht nd liessen es und gut gehen, während die Kinder auf einem Tachteh tobten.

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Wie lange das Lokal schon existiert und von der Inhaberfamilie Schokori betrieben wird, habe ich nicht gefragt. Die Visitenkarte zeigte eines der üblichen Bilder eines versonnen bei einem Glas Tee an einer Pfeife rauchenden alten Mannes mit grauem Bart, wie ich sie aus Kerman kenne, zum Beispiel vom Teehaus Tchaikhane Djameh Djam.

Adresse: Danziger Str. 14, 20099 Hamburg, Tel.: 040-244552 oder 0176-61867763, Homepage

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

One Comment
  1. Wie schön 😊 wenn ich in Hamburg bin, gehe ich auch immer einmal wieder dort essen. Ich glaube 2004/2005 war ich zum ersten Mal dort.

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