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Café im Museum für Sepulkralkultur_Kassel

August 16, 2017

Es ist der Ort, nicht die Einrichtung, der diesem Café einen etwas morbiden Charme verleiht. Dazu habe ich mich letzte Woche mit dem Begriff „Sepulkralkultur“ beschäftigt. Er  leitet sich vom lateinischen sepulcrum ab und bedeutet Grab, Grabstätte. Der Begriff umfasst alle kulturellen Erscheinungen im Zusammenhang mit Sterben, Tod, Bestatten, Trauern und Erinnern: Gräber, Särge und Bestattungsriten und -bräuche, aber auch Werke zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler. Er kann so im weitesten Sinne auch als Trauer- und Begräbniskultur verstanden werden. Insofern wunderte es mich nicht, auf der documenta in Kassel auch das Museum für Sepulkralkultur als Standort für die Ausstellung einiger Werke zu finden.

Auf der homepage dieses 1992 eröffneten weltweit ersten Museums zum Thema heißt es: „In der Sepulkralkultur spiegeln sich der kulturelle Stand, die religiöse Einstellung, das Verhältnis zu Geschichte und Natur, die soziale Haltung sowie künstlerisches und kunsthandwerkliches Niveau einer Epoche. Kein anderes Wort umfasst dieses Gebiet so vollständig wie der Begriff Sepulkralkultur, für die Initiatoren ein wichtiger Grund, Institut und Museum so zu benennen.“

Das Museum wurde auf dem Gelände der ehemaligen Henschelvilla auf dem Weinberg unter Einbeziehung eines denkmalgeschützten Gebäudes von 1903 gebaut und um einen modernen Flügel aus Beton und Glas erweitert. Bei der Zusammenführung beider Gebäude entstand ein spannungsreicher Gesamtkomplex – mit einem Museumscafé mit doppelter Freiterrasse (eine innerhalb, eine außerhalb des Komplexes) als verbindendem Element.

Café im Museum für Sepulkralkultur_Kassel © Ekkehart Schmidt

Von der Freiterrasse hat man einen beeindruckenden Blick über einen im Krieg unzerstörten Stadtteil im Süden Kassels, unten in der Karlsaue. Zunächst aber betritt man einen sehr konventionellen, langgestreckten, kantinenähnlich eingerichteten Café-Raum, in dem man sich in Selbstbedienung heiße und kalte Getränke sowie kleine Snacks nehmen kann. Der Zutritt zum Café ist kostenlos und nicht an einen Museumsbesuch gebunden.

Café im Museum für Sepulkralkultur_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café im Museum für Sepulkralkultur_Kassel © Ekkehart Schmidt

Durch die Spiegelung in der Kaffeetassen-Vitrine dieses als „Ort der Ideen“ ausgezeichneten Ortes schaut man schon auf die helle Innenterrasse mit seinen drei Begräbniswagen: Einem klassischen Mercedesmodell, einem in Münster genutzten umgebauten Trabbi sowie eine Kutsche aus dem 19. Jahrhundert, „Marburger Modell“.

Café im Museum für Sepulkralkultur_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café im Museum für Sepulkralkultur_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café im Museum für Sepulkralkultur_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café im Museum für Sepulkralkultur_Kassel © Ekkehart Schmidt

Merkwürdig, wie die Besucher hier ihr Smartphoneleben fortführen. Aber so ist das auf der documenta, die dieses Jahr besonders viele Museen als Standorte mit bespielte: Man ist nicht wirklich vor Ort. Die Ausstellungen – Sepulkralkultur und documenta – enttäuschten mich. Aber wenigstens gab es einen bemerkenswerten Gedanken zu einer Arbeit. Und das ist schon viel, wenn man sich weiter mit ihm beschäftigt:

Café im Museum für Sepulkralkultur_Kassel © Ekkehart Schmidt

„Die Zeit als Folge von Augenblicken, deren jeder ohne Dauer ist, sondern als Einheit von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft zu begreifen ist“.

Adresse: Weinbergstraße 25-27, 34117 Kassel, Homepage

Café im Museum für Sepulkralkultur_Kassel © Ekkehart Schmidt

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