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Restaurant de l’écluse_Grosbliederstroff

August 5, 2017

Schiffsverkehr auf der Saar gibt es seit römischen Zeiten, im Mittelalter fuhren hier auch Flöße und ab dem 18. Jahrhundert wurde der Fluss zur Transportader für Holz, Kohle, Ruß, Teer, Glas und Salz. Für die meisten Schiffe war Saarbrücken Endpunkt des Schifffahrtsweges von den holländischen Häfen über Rhein und Mosel. Flussaufwärts fuhren dagegen nur wenige Schiffe, die unter anderem Salz aus dem lothringischen Dieuze transportierten. Das änderte sich erst 1866 mit dem Anschluß an das französische Kanalnetz. „Die damit entstandene Möglichkeit, in großen Mengen Minette-Erz aus Lotringen zu beziehen, trug maßgeblich zum Aufstieg der Hütten an der Saar bei“, schreibt Harald Glaser, ein Spezialist für die Industriegeschichte des Saarlandes. „Außerdem belebten die verbesserten Transportwege die Kohlenausfuhr nach Frankreich“.

Radelt man heute von Saarbrücken flussaufwärts über Güdingen nach Saargemünd, bewegt man sich auf einem historischen Weg, der zunächst von Pferdegespännen, später von Traktoren genutzt wurde: hier wurde getreidelt, das heißt die Flussschiffe – meist des Typs „Penische“ wurden mit Tauen gegen die Strömung flussaufwärts gezogen – anfangs und sogar noch zu Beginn der Zeit der aus Stahl gebauten Kähne auch von Menschenhand. Die Pferde wurden zunächst an Bord in Pferdeställen untergebracht, bis die Transportgesellschaften Stationen und Ställe eingerichtet hatten.

Zur Übernachtung der Treidler und ihrer Pferde entstanden in regelmäßigen Abständen Unterkünfte, oft direkt neben den Schleusen (frz.: écluse). Wohl kaum ein Radfahrer, der wie ich gestern im Restaurant „L’Ecluse“ an Schleuse 30 bei Grosbliederstroff eine Rast einlegt, ist sich bewusst, dass das Haus eine solche Treidlerherberge war. Die Kellnerin, wohl die Frau des Inhabers, erzählte mir, dass das etwa aus den 1930er-Jahren stammende Haus mindestens seit 1940 ein Restaurant sei. Als Gasthaus für Treidler verlor es an Bedeutung, als die Dampfschiffahrt aufkam. Bis in die 1950er-Jahre gab es aber noch Pferdegespanne, bis diese von Traktoren ersetzt wurden.

Restaurant de l'écluse_Grosbliederstroff © Ekkehart Schmidt

Restaurant de l'écluse_Grosbliederstroff © Ekkehart Schmidt

Restaurant de l'écluse_Grosbliederstroff © Ekkehart Schmidt

Restaurant de l'écluse_Grosbliederstroff © Ekkehart Schmidt

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Restaurant de l'écluse_Grosbliederstroff © Ekkehart Schmidt

Restaurant de l'écluse_Grosbliederstroff © Ekkehart Schmidt

Restaurant de l'écluse_Grosbliederstroff © Ekkehart Schmidt

Restaurant de l'écluse_Grosbliederstroff © Ekkehart Schmidt

Restaurant de l'écluse_Grosbliederstroff © Ekkehart Schmidt

Das Lokal ist von Ende Januar bis Ende September geöffnet, man kann innen in gediegener Atmosphäre speisen, was der Inhaber-Koch Pierre Sébastien an (süd)französischer und saisonaler Küche auf den Tisch bringt – Hauptgerichte ab 20 Euro, das Menü für 36 Euro. Spezialitäten des Maitre de Cuisine, einem Autodidakten, der aber schon seit Mitte der 1980er-Jahre kocht, sind „Salade de rougets barbet aux épices sétoises“, „grenouilles sautées à l’ail et persil“ und „Carré d’agneau au jus de thym“.

Eher zur Terrasse passen die Flammkuchen für 8 bis 9,50 Euro und natürlich ein schneller Kaffee, ein  Fischer oder Bitburger. Ich mochte die Atmosphäre früher nicht so gerne, es war mir hier zu gewollt edel für ein Ausflugslokal. Im Wissen um die Geschichte des Hauses empfinde ich es jetzt aber als authentisch – gerade im Vergleich mit der „Wilden Ente“, jenem ersten Lokal, das man von Saarbrücken aus flussaufwärts erreicht, das innen vor einigen Jahren ebenfalls komplett umgebaut wurde und nur auf der Terrasse noch historischen Charme besitzt.

Restaurant de l'écluse_Grosbliederstroff © Ekkehart Schmidt

Restaurant de l'écluse_Grosbliederstroff © Ekkehart Schmidt

Restaurant de l'écluse_Grosbliederstroff © Ekkehart Schmidt

Restaurant de l'écluse_Grosbliederstroff © Ekkehart Schmidt

Restaurant de l'écluse_Grosbliederstroff © Ekkehart Schmidt

Aber natürlich können diese Lokale nicht nur von Spaziergängern und Radfahrern leben. Beide haben einen Zugang von der Hauptstraße und bieten ausreichend Parkplätze für motorisierte Gäste. Hauptstosszeiten in der Ecluse sind denn auch die Abendstunden.

Restaurant de l'écluse_Grosbliederstroff © Ekkehart Schmidt

Adresse: 30 chemin de l’Ecluse, 57520 Grosbliederstroff/ Frankreich, Tel.: +33 3 87 09 16 69, Homepage

Verwendete Quellen: Freyer, Rainer: Treidelschifffahrt auf der Saar, in: saarnostalgie.de; Glaser, Harald: Saar-Schiffahrt, in: Albers, Jürgen/ Blaß, Ursula/ Bubel, Dirk/ Glaser, Harald (Hrsg.): Saarbrücken zu Fuß, Hamburg 1989, S. 248-49

Restaurant de l’écluse_Grosbliederstroff © Ekkehart Schmidt

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