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Erinnerungswerke I – Kondensate und Konzentrate

Juli 16, 2017

Die diesjährige Nacht der schönen Künste am Freitag, 21. Juli nähert sich in großen Schritten und ich muß jetzt zu Potte kommen, um meine Installation „Aufgelesenes und Angeeignetes – Erinnerungswerke“ vorzubereiten, die ich im Garelly-Haus in Alt-Saarbrücken zeigen möchte. Es geht mir dabei um historische Artefakte, Authentisches aus fremden Welten sowie Objekte, die ich aufbewahrt habe, weil ich sie mit Bedeutung aufgeladen habe. Sie sind für mich Kondensate oder Konzentrate von Erlebnissen und Einsichten, die ich mitteilen (oder auch preisgeben) möchte und anhand derer ich in Austausch mit Besucher/innen treten möchte. Ich fange mal mit letzterem an.

Streng physikalisch gesehen ist ein  Kondensat das Ergebnis des Übergangs von gasförmiger zu fester Materie, wie wir es vom Morgentau oder auch vom Regenwaasser kennen. Ein einheitlicher, voluminöser Stoff wird zusammengepresst und reduziert. Dabei wird nichts hinzugefügt, das Ergebnis ist etwas naturreines. Im übertragenen Sinne kann man aber auch das Ergebnis eines (geistigen) Verdichtungsprozesses als Kondensat bezeichnen.

Ein Konzentrat ist dagegen ein Stoff bzw. eine Flüssigkeit, bei dem ein vorher vorhandener Füllstoff jetzt kaum noch vorhanden ist. Also zum Beispiel bei Tomatenmark die Wasseranteile der Tomaten, ähnlich wie beim löslichen Kaffee, der ja nicht aus Kaffeebohnen, sondern flüssigem Kaffee gewonnnen wird. Auch hier wird nichts hinzugefügt. Synonyme sind die Begriffe Absud, Aufguss, Destillat oder auch Essenz.

Letzterer Ausdruck gefällt mir am besten für das, als was ich im Moment einige Produkte zuverstehen beginne, die ich in den vergangenen 30 Jahren aufgelesenen oder gekauft und aufbewahrt habe. In der klassischen Philosophie verstand man unter dem Begriff „Essenz“ das Wesen eines Dings.

Ich habe mich jetzt mit dem Wesen von so unterschiedlichen Materialien und Objekten wie Honig, Kohlebriketts, Brühwürfeln, Seife, eingelegten Oliven, getrockneten Salbeiblättern, Tomatenmark, Blütenblättern, Knoblauch und Kaffeebohnen beschäftigt. Sie alle sind das Ergebnis eines langen biologischen Prozesses der Umwandlung von Sonnenenergie, Wasser und anderen Nährstoffen in etwas Lebendiges, das anschliessend durch Trocknung oder andere Formen der Konzentration weiterverarbeitet wurde.

Erinnerungswerke I - Kondensate und Konzentrate © Ekkehart Schmidt

Erinnerungswerke I - Kondensate und Konzentrate © Ekkehart Schmidt

Erinnerungswerke I - Kondensate und Konzentrate © Ekkehart Schmidt

Erinnerungswerke I - Kondensate und Konzentrate © Ekkehart Schmidt

Erinnerungswerke I - Kondensate und Konzentrate © Ekkehart Schmidt

Erinnerungswerke I - Kondensate und Konzentrate © Ekkehart Schmidt

Erinnerungswerke I - Kondensate und Konzentrate © Ekkehart Schmidt

Von oben nach unten:

  • Griechischer Honig, Chalkidike 1986 / Marokkanische Oliven, gekauft nach der Radtour von 1984
  • Kohlebrikett aus Halle an der Saale, 1991 / Aleppiner Seife, Syrien 1988
  • Sammlung von Brühwürfeln aus dem Nahen Osten (Maggi, Knorr auch im kulturell angepassten Branding), 1995-2017
  • Ungewohnte Kräuter mit Öl zum Frühstück am Morgen, nachdem Sabine abends fast vergewaltigt worden ist, Syrien 1986 / Ehrfürchtig geernteter wilder Thymian, Provence ca. 1985 / Geröstete Kaffeebohnen, Äthiopien 2011
  • Blütenblätter einer Sonnenblume, Geburtstagsgeschenk ca. 2012 / Revolutionäre Kopfbänder in den ägyptischen Nationalfahnen, Midan Tahrir 2011
  • Regenwasser, Talstraße in Saarbrücken, Mittwoch, 13. Juli 2017, ca. 20.30 Uhr
  • Salbei und Knoblauch, von Sadiye aus Bosnisch-Serbien mitgebracht, 2016

Wirkt banal. Ich freue mich aber darauf, Besucher/innen nächsten Freitag zu erzählen, was ich damit verbinde. Ferner habe ich sehr spezielle Fundstücke und Geklautes aufbewahrt, die erst dadurch „wertvoll“ werden, dass ich sie mit Erinnerungswerten aufgeladen habe. Damit beschäftige ich mich morgen. Ich habe noch fünf Tage Vorbereitungszeit, um die Essenz dessen, was mir diese Objekte sagen und warum sie für mich so wertvoll sind, herauszudestillieren. Weia.

Ort: Garelly-Haus, Eisenbahnstraße 14, Alt-Saarbrücken (gegenüber der Ludwigskirche)

Zeit:  Freitag, 21. Juli 2017, 19 – 24  Uhr

Erinnerungswerke I – Kondensate und Konzentrate © Ekkehart Schmidt

From → Heim Art, Reisen

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  1. Erinnerungswerke III – Persönliches | akihart

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