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Café Bei der Gemeng_Rambrouch

März 26, 2017

Hat das geschmeckt, tat das gut! Vorgestern war ich per Rad 30 km quer durch das Ösling unterwegs, um Projekte zu besuchen und zu fotografieren. Zwei Mal ging es in der Morgenkälte mehrere Kilometer steil aus dem Tal der Sauer auf die Höhen hoch – und nirgends zwischen Dirbach und Bidonville ein geöffnetes Café. Erst nach fünf Stunden Radelei durch die Kälte hatte ich in Rambrouch die Wahl zwischen zwei portugiesischen Lokalen (die anderen drei Lokale waren geschlossen): „Café Fox“ oder „Bei der Gemeng“, 40 Minuten ehe der Bus 258 nach Luxemburg-Stadt ging.

Ersteres hatte mir eine zu moderne Aufmachung. „Bei der Gemeng“, also bei (gegenüber) des Verwaltungsbaus dieser Gemeinde mit einem Dutzend Dörfer, aber insgesamt nur 4200 Einwohnern, wirkte von außen auch saniert und eher langweilig. Aber es war die perfekte Wahl: ein portugiesischer Familienbetrieb, der seit einem Jahr die vielleicht weit über 70jährige Tradition des Hauses offenbar authentisch fortführt. Mit eigenen Akzenten, was das Essen angeht, aber in der Ausstattung und in punkto Herzlichkeit der bedienenden Frauen aus drei Generationen genau das bietend, wofür es schon immer Dorfkneipen gab. Gerade hier in im Dorf Rambrouch, das mit seinen Geschäften und als Busknotenpunkt  in dieser dünn besiedelten Region im Süden der Ardennen nahe der belgischen Grenze, der einzige Ort von Bedeutung ist. So ziehen die Lokale hier eine fast schon überregionale Kundschaft an, gibt es doch im Umkreis von 10-20 km höchstens drei andere.

Café Bei der Gemeng_Rambrouch © Ekkehart Schmidt

Café Bei der Gemeng_Rambrouch © Ekkehart Schmidt

Bei Zuordnung des Luxemburgischen bzw. des Moselfränkischen zum deutschen Dialektkontinuum stellt die auf Luxemburgisch „Rammerech“ genannte Gemeinde übrigens den westlichsten Punkt des geschlossenen deutschen Sprachraumes in Mitteleuropa dar, wie ich bei Wikipedia lernte. Im Kneipenleben dominiert aber das Portugiesische. Drei Männer saßen schon in der zentralen Gaststube über ihrem Essen, ich wurde mangels Platz ins Nebenzimmer gebeten, ohne mich ausgesondert fühlen zu müssen. Sie schwätzten und scherzten bei einem Glas Rotwein auf Portugiesisch mit der Wirtin. Zum Tagesgericht gab es als Amuse gueule kräftig schmeckende portugiesische Oliven mit Baguette, ehe mir eine schön heiße und gut gewürzte Kartoffel-Spinat-Suppe mit zwei Stücken grober Mettwurst Körper und Seele wärmten. Eigentlich hätte das gereicht, aber es war zu spät, das Hauptgericht war bestellt.

Café Bei der Gemeng_Rambrouch © Ekkehart Schmidt

Café Bei der Gemeng_Rambrouch © Ekkehart Schmidt

Café Bei der Gemeng_Rambrouch © Ekkehart Schmidt

Café Bei der Gemeng_Rambrouch © Ekkehart Schmidt

Café Bei der Gemeng_Rambrouch © Ekkehart Schmidt

Verkühlt und ausgelaugt, wie ich war, war mir die Suppe eine echte Wohltat für Körper und Psyche. Das Hauptgericht war fast zu viel: eine Art Eintopf aus Kartoffeln, Möhren und Erbsen, vermischt mit Wurst, Fisch und Pulpo. Später lernte ich, dass man in ärmeren Gegenden Portugals früher nur einmal in der Woche richtig gegessen habe – dann aber richtig. So kam es mir hier auch vor. Bau- oder Waldarbeiterportionen für 9,50 Euro…, das war ein heftiger Kontrast zu den 17,50 Euro, die ich am Vorabend in der Auberge de la Sûre in Dirbach-Plage mangels Alternative für einen nicht satt machenden Salat mit heißem Chêvre zu zahlen hatte.  Ich kann jedenfalls Maria, die Köchin, für Liebhaber derber ehrlicher Küche nur empfehlen. Man bekommt hier gegrillte Sardinen ebenso wie Carne de porco à l’alentejana oder simple Bifana-Sandwichs.

Café Bei der Gemeng_Rambrouch © Ekkehart Schmidt

Café Bei der Gemeng_Rambrouch © Ekkehart Schmidt

Café Bei der Gemeng_Rambrouch © Ekkehart Schmidt

Es gab noch einen zweiten Nebenraum, den ich – wie immer den Gang zum Klo vortäuschend – erkunden wollte. Ich wurde mit einer Kegelbahn überrascht, die mich stark an diejenige des Cafés „Am Trapeneck“ in Alstingen erinnerte. Natürlich mit Dartscheibe, Kicker und der hierzulande unumgänglichen borne internet für Glückspiele. In den beiden Haupträumen natürlich je ein Fernseher mit portugiesischem Programm.

Café Bei der Gemeng_Rambrouch © Ekkehart Schmidt

Café Bei der Gemeng_Rambrouch © Ekkehart Schmidt

Café Bei der Gemeng_Rambrouch © Ekkehart Schmidt

Café Bei der Gemeng_Rambrouch © Ekkehart Schmidt

Ich hätte mir die Pokale genauer anschauen sollen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass das Lokal mindestens seit 2009 ein chinesisches Lokal namens „Le Jardin de Peking“ war. Außen weiß gestrichen. Und die Kegelbahn drinnen? Eher nicht in Nutzung, nehme ich an. Aber wer weiß, ob sie, so museal sie auch wirkt, vielleicht doch noch heute in Betrieb ist? Auf der Facebook-Seite des Lokals sind seit 2016 jedenfalls nur Karaoke-, Karneval- und Halloween-Abende beworben worden.

Das Lokal ist werktags von 6.30 bis 1 Uhr geöffnet. Es gibt auch „chambres à louer“.

Adresse: 14, rue Principale, 8805 Rambrouch, Tel.: +352 26 61 51 46, Facebook-Seite: https://www.facebook.com/pg/Beidergemeng/about/?ref=page_internal

Verwendete Quelle: Wikipedia-Artikel Rambrouch

Café Bei der Gemeng_Rambrouch  © Ekkehart Schmidt

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  1. Café de la Gare_Hellange | akihart

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