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Café Brasserie Am Trapeneck_Alzingen

März 3, 2017

Der Schankraum war eine Enttäuschung, aber ich wurde mit der Kegelbahn für meinen heutigen Mittagsausflug belohnt. Seit Juni 2008 fahre ich hier werktäglich zwei Mal vorbei. Endlich habe ich mich aufgerafft, die 6 km vom Luxemburger Hauptbahnhof mit dem Bus 194 in zehn Minuten südwärts zu fahren. Ausgangs der Alzette-Schlucht weitet sich das Land, doch sieht man vom Fluss seit einigen Jahren nichts mehr, weil nicht nur das ehemalige Dorf Hesperingen, sondern mittlerweile auch das 1823 eingemeindete Dorf Alzingen weiter im Süden in enormer Geschwindigkeit zugebaut werden: Neben Villen entstehen vor allem gleichförmige und völlig gesichtslose Appartmentblöcke beiderseits der route de Thionville, die sich nur sehr gut verdienende Angestellte leisten können.

In Alzingen (luxemburgisch: Alzeng), das heute gut 2000 Einwohner hat, finden sich neben zwei größeren Höfen, die 2008 noch frei an der Hauptstraße standen, 2017 aber abgerissen wurden, um Platz für Appartmentklötze zu schaffen, nur noch rund um die Kirche und etwas südlich davon noch ältere Häuser. Die Bauten der Hausnummern 506-512 sind wohl gut 100 Jahre alt. Die Straße war in ihrer Kindheit deutlich schmaler, erzählt eine 84jährige Dame an der Bushaltestelle.

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Man beachte die kleine Treppe: Nach ihnen (Trap = Luxemburgisch für Treppe) ist das Lokal benannt, wie mir der Koch erklärte. Ich weiß nicht, wie zuverlässig das ist, da er aus Italien zugewandert ist. Und nach der Treppe vor dem Haus wäre dann auch die Bushaltestelle benannt? War hier eine Treppe etwas so besonders bemerkenswertes? Die Dame meint, die Treppe sei vor der Verbreiterung der Straße möglicherweise größer oder tiefer gewesen und daher etwas besonderes. Auf der Visitenkarte und aufgeklebt auf’s Fenster steht der Name übrigens mit zwei p: „Am Trappeneck“

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Der freundliche Koch erzählte mir, dass es ab etwa 1972 während 24 Jahren schon einmal  italienische Inhaber gegeben habe, dann zehn Jahre luxemburgische und nun seit 11 Jahren wieder italienische. Er stammt aus der Region Apulien und nimmt seinen Beruf – wie seine weisse Kluft mit Mütze zeigt – ernst, wenngleich es nur Pasta (Penne oder Spaghetti) auf der Karte gibt. Für eine exquisitere Küche kann man 50 m weiter ins Restaurant Pizzeria „Al Sole“ gehen. Das Stammgericht im Trapeneck kostet hier überraschende 9,50 Euro (bei meinem zweiten Besuch schon 10,90 Euro), und un espresso (italienisch ausgesprochen) ist mit 2 EUR auch nicht gerade billig.

Die mittäglichen Gäste scheinen aber auch eine Mischung aus Einheimischen und hier in der Gegend Berufstätigen zu sein. Hinter der Theke stehen Ramazotti und Campari, aber auch Weine aus Apulien und der Toscana. Es wird italienisch gesprochen, aber an Zeitungen liegen nur das Wort, der Quotidien und L’Essentiel bereit. Kein Corrriere de la Sierra. Aber manchmal die BILD. Es hängen viele Postkarten über dem Durchgang, der Grossherzog überm Durchgang zur Kegelbahn darf auch nicht fehlen. Und dort hängt auch mit einem „Ducal“-Plakat ein weiteres klassisches Element luxemburgischer Kneipen.

Nun also die Kegelbahn:

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„Arrivederci“ verabschiedet sich ein Gast und verlässt das Lokal durch einen vor Jahren neu installierten Seiteneingang zum Parkplatz, der entstand, seit es Gäste gibt, die extra per Auto kommen. Es ist halt wirklich eine andere Zeit – für das Lokal, wie für das suburbanisierte Dorf.

Zwischen 1882 und 1955 führte die Trasse der Schmalspurbahn Luxemburg–Remich, auch Jhangeli genannt, auf (!) der Straße durch den Ort und hatte wahrscheinlich unweit des Lokals einen Haltepunkt. Ob am Lokal oder an der dem heiligen Joseph geweihten Kirche, deren Geschichte immerhin auf das 9. Jahrhundert zurück geht, weiß ich nicht. Ihr romanischer Turm, der älteste Teil des Gebäudes, ist heute soweit nach Westen geneigt, dass es mit bloßem Auge erkennbar ist. In ihrer aktuellen Form besteht die Kirche seit Ende 1885, als man sie durch umfangreiche Bauarbeiten vergrößerte.

Vielleicht stammt auch das Trapeneck aus der Zeit. Ich muss jedenfalls eine weiter Mittagspause dort verbringen. Schon allein für die Spaghetti Carbonara im Speisesaal, den ich jetzt nicht fotografieren konnte, weil zu viele Gäste da waren.

Nachtrag vom 6. März 2018: Ich habe es wieder getan: Blind das Stammgericht bestellt und bekam – als ein eigentlich nur  noch wenig und dann Biofleisch essender Flexitarier, der gerade von einem Besuch der Kooperative Venga, des ersten luxemburgischen Händlers für ausschließlich vegane Lebensmittel zurückkam – ein Riesenschnitzel mit Pommes und Spinat…  Sehr lecker, muss ich gleichwohl zugeben.

Café Brasserie Am Trapeneck_Alzingen © Ekkehart Schmidt

Café Brasserie Am Trapeneck_Alzingen © Ekkehart Schmidt

Und lernte dann noch von einem anderen italienischen Theker, dass das Lokal bis in die 1980er-Jahre „Café du Camping“ gehießen habe, nach dem Campingg Alzingen nebenan. Die Dame an der Bushaltestelle meinte, er sei „très bien aménagé“. Das Lokal sei aber kein Treff der Dorfbevölkerung mehr. Die früheren Stammgäste seien jetzt alle im Altersheim und die Zugezogenen würden den ganzen Tag in der Stadt arbeiten. Es sei halt eine andere Zeit heute.

Ein dörfliches Gemeinschaftsgefühl scheint es nicht mehr zu geben. Die Zugezogenen verbarrikadieren sich in ihren grauen, teuren Passivhäusern ohne oder mit extrem pflegeleichten Vorgärten (damit man da keinen Aufwand treiben muss). Dennoch: Gut, dass es das Trapeneck noch gibt. Als Erinnerungsposten.

Adresse: 508, route de Thionville, L-5886 Alzingen, Tel.: +352 26 36 11 33

Verwendete Quellen: Wikipedia-Artikel „Alzingen“ und „Bahnstrecke Luxemburg-Remich

Café Brasserie Am Trapeneck_Alzingen © Ekkehart Schmidt

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