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Bauerestuff_Ettelbrück

Februar 18, 2017

Seit ich etwa 2008 das erste Mal diesen Bau mit der „Bauerestuff“ (wahlweise auch „Baurestuff“) im Erdgeschoss sah, wollte ich da immer mal hineinschauen. 1880 wurde das Gebäude mit den markanten, aus Erkern hochstrebenden Spitztürmchen durch den Architekten Henri Betz-Pütz als „Hôtel de la Fédération agricole“ errichtet. Irgendwann entstand dann dieses landesweit bekannte, ja offenbar fast berüchtigte Lokal. Aber erst durch die Veröffentlichung des Stadtentwicklungsprojekts der Umgestaltung des gegenüber liegenden Ettelbrücker Bahnhofs wurde mir klar, dass hier etwas Authentisches verloren zu gehen droht. So bin ich gestern in der Mittagspause hoch gefahren. Eingebettet in die weitere Entwicklung der Nordstad soll der zweitwichtigste Bahnhof des Landes zu einer „multimodalen urbanen Plattform“ umgebaut werden. Konkret sollen der Bahnhof und seine Umgebung völlig umgestaltet werden: Abrisse, Tief- und Neubauten… (mehr dazu hier). Wird die Bauerestuff auch betroffen sein?

Bauerestuff_Ettelbrück © Ekkehart Schmidt

Bauerestuff_Ettelbrück © Ekkehart Schmidt

Bauerestuff_Ettelbrück © Ekkehart Schmidt

Bauerestuff_Ettelbrück © Ekkehart Schmidt

Bauerestuff_Ettelbrück © Ekkehart Schmidt

Bauerestuff_Ettelbrück © Ekkehart Schmidt

Die Überlegung ist nachvollziehbar, dass diesem – hinter der Bauerestuff und dem Hotel Lanners unattraktiven – Ortseingang eine Umgestaltung gut tun würde. Wenn der Bahnhof schon für das Ziel einer ökologisch sinnvollen Verbesserung der Park&Ride- und anderen attraktiven „modalen“ Umsteigemöglichkeiten abgerissen werden muss, will man den individuellen Auto-Pendelverkehr in die Hauptstadt reduzieren, dann kann man auch die Umgebung modernen Bedürfnissen anpassen. Als ich gestern das Lokal betrat, sah ich das ein und war doch dankbar, dass dieses Gebäude offenbar doch erhalten bleibt. Zwar sind gerahmte Bilder von Formel 1-Boliden, Emaille-Tafeln von Jägermeister und Coca Cola, Poster vom Abendmahl mit Marilyn Monroe überhaupt nicht mein Ding, aber da war mehr zu entdecken. Ganz abgesehen von der eicherustikalen Einrichtung.

Bauerestuff_Ettelbrück © Ekkehart Schmidt

Bauerestuff_Ettelbrück © Ekkehart Schmidt

Bauerestuff_Ettelbrück © Ekkehart Schmidt

Das gut besuchte Lokal schien mir mit Blick auf einige Details wie die Zuckertüten zunächst einen portugiesischen Inhaber zu haben, aber neben dem TV-Flachbildschirm mit den aktuellen Lottozahlen lief auf einem zweiten eine Kochshow des italienischen Senders Rai I und neben der Theke hing ein Poster eines AC Milan Fanclubs, der eine Reise zum nächsten Heimspiel gegen Fiorentina anbot. Wenngleich die schwarze Kellnerin in enger Jeans und prachtvollen Rastalocken ebenfalls ein Indiz für ein portugiesisches Lokal zu bieten schien, hörte ich den griesgrämig schauenden jungen Mann, der offensichtlich der Inhaber zu sein schien, dann doch mit einem Bekannten italienisch reden. OK. Im schönen Einbauschrank lagen der italienische „Corriere de la Sierra“, die portugiesische Sportzeitung „Record“ und das Luxemburger Wort aus. Bauern sah ich keine, eher eine Arbeiter-Handwerker-Kundschaft, die den großen Rubbellos-Automaten bediente. Das war früher sicher anders, als hier wohl ein Gutteil der Kunden vom Dorf beim benachbarten Großbetrieb mit einem siloähnlichen Turm zu tun hatte. aber der steht schon lange leer und wird wohl abgerissen.

Als Ergebnis eines 2010/11 ausgelobten städtebaulichen Wettbewerbs sollen alle hier bestehenden Gebäude – mit Ausnahme der „Bauerestuff“ und des Hotels (rosa auf der Skizze unten) – „komplett abgerissen werden, um Platz für eine neue Bebauung zu schaffen“, wie es auf der Stadtentwicklungsseite der Nordstad heißt. Bei genauer Betrachtung der Planskizze soll auch die alte Platane entfernt werden. „Für das gleich neben dem neuen Bahnhof gelegene Areal wurde ein urbanistisches Konzept ausgearbeitet, „mit dem Ziel, die Entwicklung des Bahnhofsviertels weiter voranzutreiben. Zusammen mit den Planungen für den neuen Bahnhof in Ettelbrück entsteht somit ein lebendiges Stadtviertel mit hoher Aufenthaltsqualität und Anziehungskraft“, heißt es. Ich habe den Eindruck, dass hier einer Kleinstadt von außen – mit 160 Millionen Euro Investment der Regierung – etwas großmannssüchtiges aufgepropft werden soll.

Zwar wurden schon Arbeiten am Busbahnhof begonnen, am Bahnhofsvorplatz ist aber noch alles beim alten. Nicht mehr lange. Ich hoffe, dass nicht auch die Bauernstube einem ihre Geschichte und ihren Charme zerstörenden Lifting unterzogen wird.

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Adresse: 2 rue de la Gare, L-9044 Ettelbrück, Tel.: 816318

Verwendete Quellen: Kugener, Serge: Sentier Urbain Touristique, in: de Reider Nr. 65, November 2015, S. 58-59; Stadtentwicklung Nordstad: Verband. Umnutzung des freiwerdenden Areals  und Gare Ettelbrück: Bahnhofsviertel Ettelbrück als urbane Drehscheibe

Bauerestuff_Ettelbrück © Ekkehart Schmidt

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  1. Café de la Poste_Vianden | akihart

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