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Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken

Februar 5, 2017

Es wirkt wie in Aleppo. Jedenfalls von hinten. Dabei bin ich heute nur in die alte Becolin-Fabrik am Römerkastell in Saarbrücken eingestiegen. Nicht von vorne, da ist gründlich abgesperrt und nur an den Baggern merkt man, das jetzt eine Veränderung passiert. Sondern von hinten. Seit Jahren fahre ich hier auf dem Weg zum Zoo vorbei, hab so manche Andeutungen von coolen Techno-Parties, freakigen Künstlertreffs oder Ähnlichem gehört, war aber nie drinnen. Anstelle von vermeintlich illegalen Nutzungen (da war ich einfach schlecht informiert) gab es in den leer stehenden Gebäuden von Becker und Sohn sowie der Becolin-Fabrik eine Zeitlang legale Nutzungen als Kunst- und Kulturort sowie als Paintball-Halle. Letzteres passte wunderbar, hat Becolin doch Automobilfarben hergestellt. Beim 1934 erbauten Gebäudekomplex hat es bis 1961 unterschiedliche bauliche Veränderungen gegeben, bis  die Fabrik nur wenige Jahre später ganz geschlossen wurde. Wann genau ist mir nicht klar. Jedenfalls stand das riesige Areal mindestens zwei Jahrzehnte weitestgehend leer.

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Ich hatte freie Zeit und suchte spontan danach, wie ich hier reinkommen kann. Irgendwie musste es ja gehen.

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Es ging von hinten durch den Bauzaun. Im Nachhinein lernte ich, dass es sich bei dem, was sich mir da präsentierte, um die Vorbereitung der Projektentwicklung „BECOLIN-BECKER-AREAL“ handelt: „14.000m² Büro-und Gewerbefläche an der Saarbrücker Ostspange“. Also um das Vernichten und Plattmachen und Entfernen.

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Es hat hier wohl einige legendäre Partys gegeben, bei denen sich die Saarbrigger wie in Berlin fühlen durften. Events wie „Sektor Heimat“ zum Beispiel. Von 2010 bis 2015 wurden die „Römerkastell“ genannten Gebäude auch offiziell für Kulturveranstaltungen genutzt – unter anderem von „C’est dure la culture“ und als Club des deutsch-französischen Theaterfestivals „Perspectives“. Schon vorher waren einige Graffiti-Künstler aktiv. Manche ihrer Werke ist schon zu Bruchstücken zerstört, ohne seinen Charme zu verlieren.

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Die Firma Schmeer-Bau hat das Gelände gekauft und reißt seit Mitte Januar alles ab, um es zu vermarkten: „Das Grundstück befindet sich am Rande der Mainzer Straße, in geringer Entfernung zum Saarbrücker Stadtzentrum. Die Fläche am sogenannten Römerkastell ist überwiegend von Gewerbe umgeben. Dazu gehören Unternehmen des Lebensmittelbereichs am Lyonerring, Speditionen, Fitnessstudios, Autohäuser, Fast-Food-Gastronomie, sonstige Handels- und Dienstleistungsunternehmen. Aufgrund seiner Lage und der hervorragenden Anbindung an die Autobahn A620, öffentliche Verkehrsmittel wie die Saarbahn, deren Haltestelle Römerkastell unmittelbar an das Grundstück grenzt, und sogar die fußläufige Anbindung an die Saarauen und den Saarbrücker Osthafen, bieten sich viele Nutzungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für diese Fläche an. “

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

„Im Rahmen der Projektneuentwicklung stehen hier nun insgesamt ca. 14.000 m² zur Entwicklung von Gewerbe, Handel oder Dienstleistung zur Verfügung. Das Grundstück eignet sich beispielsweise auch hervorragend als Standort für eine Hotelnutzung. Die städtebaulich markante und repräsentative Lage kann auch baulich zur Prägung eines positiven Stadteingangs beitragen. Notwendige Stellplätze können im weniger nutzbaren, von der Hauptstraße abgewandten Teil des Areals untergebracht werden. Selbstverständlich sind auch Konzepte umsetzbar, die lediglich Teilflächen des Gesamtgrundstücks betreffen.“

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Und dann kam ich in den Kern, ins Herz der Anlage:

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

„Rubin“ hat sich hier mit einigen Pieces ausleben können. Und noch jemand anderes.

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Gerade letzten Donnerstag besuchte die SPD-Stadtratsfraktion das Gelände, hörte ich im Nachhinein. Es gibt – bei allem Verlust, der hier für die freie Szene zu beklagen ist – tatsächlich interessante Entwicklungsmöglichkeiten, wie es scheint. Und wie immer wird sich die Raver- und Grafittiszene andere Locations suchen. Die Reihe „Sektor Heimat“ wird zumindest für die nächste Zeit ins ins nahe gelegene Rhenania-Gebäude am Osthafen-Silo umziehen.

Nachtrag vom 23. Februar: Das Hauptgebäude ist abgerissen. Der Trakt mit den Frauenköpfen steht noch. Ebenso das Nebengebäude Becker & Sohn (erste Fotos und letztes Foto links). Es soll erhalten bleiben.

Verwendete Quellen: Buss, Silvia: Wohnen in der einstigen Farbenfabrik, Saarbrücker Zeitung, 04.02.2017; Schmeer-Bau: Projektentwicklung „BECOLIN-BECKER-AREAL“.

Abriss der Becolin-Fabrik_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

5 Kommentare
  1. Schade um die Pieces. Ich fände es schön, wenn sie erhalten blieben. Immerhin hast du sie noch fotographiert, danke für’s Zeigen.

  2. Pascal permalink

    „….hab so manche Andeutungen von coolen Techno-Parties, freakigen Künstlertreffs oder Ähnlichem gehört, war aber nie drinnen. Neben diesen illegalen Nutzungen gab es wohl in den leer stehenden Gebäuden von Becker und Sohn sowie der Becolin-Fabrik eine Zeitlang eine legale Nutzung als Paintball-Halle..“

    Es war keine illegale Nutzung. Das Gelände wurde angemietet und es fanden monatlich ein oder mehrere Veranstaltungen auf dem Gelände statt. Es war einzigartig für Saarbrücken und Umgebung. Die Künstler ( Cest dur la Culture ), die da am Werk waren, haben völlig neue Maßstäbe im Nachtleben gesetzt. Man traf dort ständig Leute die extra für diesen mysteriösen Ort von weit weg angereist waren. Nichts wird wieder an den Charme dieses Projektes heran kommen. Nun musste, wie so oft, eine einzigartige Kultur dem Kapitalismus weichen…zu schade!!!

    • Danke, Pascal, für den Hinweis. Das wusste ich tatsächlich nicht, werde es oben korrigieren.

      • Pascal permalink

        No Problemo 🙂
        Bin zufällig auf deinen Blog gestoßen – schön gestaltet und sehr interessant. Ich werde mich mal hier umsehen

  3. Petra permalink

    Letztendlich ist das schlimmste Gebäude der Mainzer Straße abgerissen worden. Ein Schandfleck schlimmsten Ausmaßes, dass ich seit 1992 jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit passieren musste. Vielen Dank!

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