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Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main

Januar 29, 2017

Zu den wirklich verwunderlichen Erkenntnissen, die man in Deutschland gelegentlich macht, gehört die, dass es in Frankfurt kein Café am Main gibt. Jedenfalls nicht mit Blick auf den Fluss. Letzten Sonntag ahnte ich das ja schon, aber es wurde Gewissheit, als wir am Main zwischen Gutleutviertel und Altstadt einen Jogger fragten. Aber er gab uns einen super Tipp, rettete unseren Vormittag mit zwei kleinen Kindern: Am Museumsufer gegenüber gebe es im Liebighaus ein Café. Liebighaus? Wohlgemerkt Liebig, nicht Liebig. Eine Gründerzeit-Prachtvilla von 1896, erbaut für einen Baron und Fabrikbesitzer, ein Herrenhaus, das in einem architektonischen Mix aus süddeutscher Spätgotik und alpiner Renaissance errichtet und 1908 durch einen Galerietrakt in „barockisierendem Jugendstil“ (Aha!) ergänzt wurde, wie uns eine knallrote Gedenktafel am Eingang belehrte, nachdem wir den tatsächlich halb vereisten Fluss über den Holbeinsteg überquert hatten, um im fahlen Licht der Morgensonne am Schaumainkai zum Eingang des Hauses rechts des Städels zu laufen. Hier befindet sich schon seit einem Jahrhundert ein Skulpturenmuseum.

Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main © Ekkehart Schmidt

Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main © Ekkehart Schmidt

Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main © Ekkehart Schmidt

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Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main © Ekkehart Schmidt

Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main © Ekkehart Schmidt

„Das ist hier draußen wunderbar im Sommer. Da drinnen ist es jetzt eher das übliche“, sagte eine Dame zu ihrer Begleitung, während sie an mir und den auf einer Mauer balancierenden Kindern vorbei zum Eingang gingen. Aha? Diese 120 Jahre alten Gewölbesäle als konventionell-öde zu bezeichnen, empfand ich schon als zumindest überraschend. Aber wer weiß, wo die Damen sonst verkehren. Immerhin ist das hier ein edles Herrenhaus. Wir waren gegen 10 Uhr die ersten Gäste in diesem Lokal mit drei getrennten Räumen gewesen, sieht man einmal von zwei in ihre Zeitungslektüre vertieften Intellektuellen ab. Doch dann füllte es sich schnell, vor allem mit älteren Herrschaften. Es gab eine ungewöhnlich gute Auswahl an Frühstücksplatten. Perfekt für uns. Glücksgefühle – die Entbehrung hatte sich gelohnt, nüchtern vom Hotel Columbus im Gallusviertel den weiten Weg gelaufen zu sein, mit Spielplatzstopp und langer Beobachtung von Enten in einer eisfreien Zone am Main. Jetzt in aller Ruhe brunchen!

Wir blieben nicht im Hauptfoyer, sondern gingen einen Raum weiter. Neben einem großen Vortragssaal gibt es ein historisches Kaminzimmer und die so genante Harald-Keller-Bibliothek zur Auswahl. Insgesamt sicher 200 m2 und Platz für gut 100 Gäste.

Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main © Ekkehart Schmidt

Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main © Ekkehart Schmidt

Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main © Ekkehart Schmidt

Die einzelnen Frühstücksplatten waren sehr großzügig gedeckt, es hatte aber auch seinen Preis: Wir zahlten gut 30 Euro für zwei solcher Platten plus Getränke.

Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main © Ekkehart Schmidt

Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main © Ekkehart Schmidt

Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main © Ekkehart Schmidt

Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main © Ekkehart Schmidt

Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main © Ekkehart Schmidt

Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main © Ekkehart Schmidt

Zitrone und Lachs kannte unser Jüngster noch nicht… Unser so schön beginnender Aufenthalt endete dann sehr ärgerlich, weil unser Essen von einem übereifrigen jungen Kellner abgeräumt wurde, während wir mit den Kindern im Park waren – obwohl drinnen frisch geschmierte Brote, Handtasche und Mäntel lagen. Unsere Reaktion darauf ist eine andere, eigene Geschichte. Da sie sich aber am Tag nach Donald Trumps Amtsübernahme („Machtergreifung“ sollte man ja vielleicht doch noch nicht schreiben) ereignete, lohnt sie der Erwähnung. Während ich den jungen Kellner zurecht stauchte, kam Unmut von Seiten jenes Typus arrogant-bildungsbürgerlicher Rentner, die sich inhaltlich nicht interessierten, sondern ihre Ruhe haben wollten (ich bin sehr laut und präzise in meinen Aussagen geworden). Draußen zur Ruhe kommend, dachten wir: Ja, das sind diese Art von Leute, die sich von Kindern und Leuten mit bunten Klamotten und Migrationshintergrund so gestört fühlen, dass sie auch Trump wählen würden.

Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main © Ekkehart Schmidt

Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main © Ekkehart Schmidt

Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main © Ekkehart Schmidt

Mit einer halben Stunde Abstand haben sich der junge Kellner und ich gegenseitig um Entschuldigung gebeten und in die Augen geguckt, ich bekam vom Chefkellner noch einen Espresso und es wurden uns doggybagmäßig Käsebrote und Aufschnitt verpackt und mitgegeben, so dass wir letztlich erhobenen Hauptes und wieder im Gleichgewicht das Herrenhaus verließen.

Aber warum gibt es in Frankfurt am Main keine Cafés? Gibt es keine Nachfrage? Sind die Mieten zu hoch? Ist die Stadtverwaltung so unflexibel, auch mobile oder saisonale Strukturen zu erlauben, wie beispielsweise in Mainz? Oder Cafés auf Booten, wie in Saarbrücken?

Adresse: Schaumainkai 71, 60596 Frankfurt am Main, Tel.: 069-605098-292, cafe@liebieghaus.de, Öffnungszeiten: Di.-So. 10-18 Uhr, Homepage

Café im Liebieghaus_Frankfurt/Main  © Ekkehart Schmidt

From → Cafés

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