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Café du Village_Dippach

November 30, 2016

Dippach ist eine kleine Gemeinde im Kanton Capellen, 13 km westlich von Luxemburg-Stadt. Gemeinsam mit den Ortsteilen Bettingen, Schuweiler und Sprinkingen beläuft sich die Einwohnerzahl zwar auf gut 4100, aber das eigentliche Dorf hat nur 990 Einwohner, von denen die wenigsten hier geboren sind. Durch die Nähe zu Luxemburg-Stadt sind hier in den vergangenen Jahrzehnten viele Hundert Menschen zugezogen. Entlang der route du Luxembourg reihen sich heute Dutzende Villen und Residenzen. Durch die Suburbanisierung hat der Ort zwar seinen dörflichen Charakter verloren, aber es gibt durchaus noch mehrere Bauernhöfe.

Der direkt an der Hauptstraße gelegene Hof der Familie Wirth ist als solcher jedoch nur auf den zweiten Blick zu erkennen: Da das Gelände hinter dem Hof in ein Tal abfällt, sieht man die Stallungen mit Limousin-Rindern nur, wenn man direkt vor dem Hauptgebäude steht. Ich habe mir den Betrieb am Montag angeschaut und danach die Wartezeit auf den Bus nach Luxemburg-Stadt in einem wenige Meter entfernten Café überbrückt, dessen Namen mich sofort anzog. Ich vermutete natürlich, dass es sich hier um ein echtes Relikt aus anderen Zeiten handeln könnte, auch wenn es wirklich sehr frisch gestrichen aussah.

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Mich faszinierte die ungestrichene alte Backsteinwand linkerhand und ich schaute erst einmal, wie das Gebäude von hinten aussieht. Immerhin warb man mit einer Terrasse.

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Aha. Auf Google-Earth fand ich ein Foto, das den Zustand des Äußeren vor etwa zwei Jahren zeigte: Da war also viel passiert.

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Die Neugierde war dann umso größer, zu schauen, ob es im Inneren des „Café du Village“ (auf deutsch: Café des Dorfes/ Dorfcafé) noch viel authentisch rurales Kneipenleben zu spüren gab, oder ob man genau das wegmodernisiert hatte. „Kaputt saniert“ möchte ich hier nicht sagen, weil der Inhaber natürlich schauen muss, wie er auch eine zugezogene, eher großstädtische Klientel anziehen kann, um ökonomisch zu überleben

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Das Lokal ist nicht nur relativ modern und frisch saniert, sondern auch ein Cybercafé mit drei Bildschirmen zum Spielen. Bei meinem Besuch saßen aber nur zwei Luxemburger am Tresen, während die Frau des portugiesischen Inhabers mit Reinigungsarbeiten beschäftigt war, während auf den Fernsehbildschirmen ziemlich merkwürdige Reality-TV-Filme liefe, die von den Herren kommentiert wurden.

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Der Eingangsbereich zeigte, dass das Lokal noch ein Treffpunkt der Dorfleute geblieben ist, welcher nationaler und sozialer Herkunft sie auch sein mögen.

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Es gibt in Luxemburg meines Wissens bzw. laut Google nur noch zwei andere gleichnamige Cafés: eins besteht seit 2012 in Bastendorf bei Diekirch, ein anderes in Canach trägt den Beinamen „Ieselsstiffchen“. Ich hätte mehr erwartet, zumal der Name in Frankreich und Belgien relativ häufig ist und Luxemburg völlig unabhängig vom Einfluss des Finanzplatzes immer noch stark vom Dorfleben geprägt ist. Wenn dieses Café auch draußen noch als „Café“ firmiert, so liegen drinnen doch grafisch modern gestaltete Visitenkarten aus, auf denen man sich „Brasserie du Village“ nennt – selbstironisch mit einem Logo voller Hochhäuser – und neben einer „petite Restauration“ auch Tagesgerichte bewirbt. Dafür war ich zu spät. Aber der Blick in den Nebenraum verhieß eine gutbürgerlich-portugiesische Küche, wenn man das so sagen darf, die wohl durchaus Anklang findet.

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Sonst gibt es im Ort kein Café mehr. Es gab etwas weiter westlich an der Hauptstraße noch ein „Café beim Susy“, aber es schloss vor etwa zwei Jahren und wurde zu einem chinesischen Restaurant umgestaltet (während die Pizzeria „Michelangelo“ nahebei ebenfalls kürzlich ersetzt wurde: durch ein japanisches Restaurant). Zu nennen ist noch das Restaurant „Lusitania“ am Ortsausgang in Richtung Luxemburg-Merl.

Adresse: 58 Route De Luxembourg, L-4972 Dippach, Tel.: +352 26 37 06 45, brasserieduvillage@gmail.com, Facebook.com/brasserieDUvillage

Café du Village_Dippach © Ekkehart Schmidt

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  1. Café de la Poste_Vianden | akihart

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