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Bazar-e Naser Khosrow_Teheran

Oktober 27, 2016

Es gibt berühmtere und bedeutendere Märkte in Teheran, neben dem großen Basar vor allem der überdachte Markt im nördlichen Villenvorort Tadjrish  (siehe Artikel The best markets to visit in Teheran), aber nur einen mir bekannten reinen Straßenmarkt, das heißt einen Markt aus provisorisch aufgebauten Ständen, die nicht Außenposten umliegender Geschäftslokale sind. Die Khiabane Naser Khosrow, in der dieser seit einigen Jahren täglich ganztags stattfindet, ist aber auch eine der ganz wenigen verkehrsberuhigten Straßen der Hauptstadt des Iran. Sie ist historisch eine der ersten breiten Straßen, die von der Altstadt Teherans im 18. und 19. Jahrhundert als „moderne“ Geschäftsstraßen nordwärts gebaut wurden und hat sich einige Backsteingebäude aus khadjarischer Zeit bewahrt.

Die Straße wurde neu gepflastert und mit Absperrgittern versehen. Der erste Stand ist ein Eis- und Saftverkäufer, dahinter folgen Textilien-, Schmuck-, Brillen-, Parfüm- und Spielzeughändler. Hier am nördlichen Eingang haben wir vor vier Wochen fünf Tage im Hotel Aras gewohnt und oft im Amir Kabir– sowie Arshia Restaurant gegessen.

Bazar Naser Khosrow_Teheran © Ekkehart Schmidt

Bazar Naser Khosrow_Teheran © Ekkehart Schmidt

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Bazar Naser Khosrow_Teheran © Ekkehart Schmidt

Bazar Naser Khosrow_Teheran © Ekkehart Schmidt

Bazar Naser Khosrow_Teheran (c) Ekkehart Schmidt

Der Markt unterscheidet sich stark von allen anderen mir im Iran bekannten Märkten. Er hat atmosphärisch eher Flohmarktcharakter, wird also vor allem von Spaziergängern ohne konkrete Nachfrage besucht, darunter auch viele Frauen. Ob das damit zu tun hat, das die Straße bekannt für den Schwarzmarktverkauf von Abtreibungspillen ist?

Bazar Naser Khosrow_Teheran © Ekkehart Schmidt

Bazar Naser Khosrow_Teheran © Ekkehart Schmidt

Der ungewöhnlich ruhige Straßenmarkt endet nach etwa 100 Metern am Beginn der Rückfront des Wirtschafts- und Finanzministeriums, dann gibt es an der Rückseite des Golestan-Palastes wieder Geschäfte, ehe es plötzlich wieder sehr bunt wird: Rechterhand folgen nun bis zur Ecke mit der Khiabane Panzdah-e Khordad, die den großen altstädtischen überdachte Basar nördlich begrenzt, ein bis zwei Dutzend auf Fahnen und religiöse Utensilien spezialisierte Geschäfte, die dieser Tage ihre Ware besonders auffällig über den hängend Bürgersteig präsentierten: Am 11. Oktober stand das „Aschura-Fest“ bevor, das wohl wichtigste schiitische Fest am zehnten Tag des Trauermonats Moharram. Zu Aschura gedenken die Schiiten dem Tod des dritten Imam Hussain in der Schlacht von Kerbela, eines Sohnes des Kalifen Ali und Fatima, der Tochter des Propheten Mohammed.

Ich habe diesen Abschnitt der Khiabane Naser Khosrow, der mir schon von einem Besuch 1992 bekannt war, diesmal erst beim Rückweg, also von Süd nach Nord zurück zum Straßenmarkt, fotografiert.

Bazar Naser Khosrow_Teheran © Ekkehart Schmidt

Bazar Naser Khosrow_Teheran © Ekkehart Schmidt

Bazar Naser Khosrow_Teheran © Ekkehart Schmidt

Bazar-e Naser Khosrow_Teheran © Ekkehart Schmidt

Bazar-e Naser Khosrow_Teheran © Ekkehart Schmidt

Bazar-e Naser Khosrow_Teheran © Ekkehart Schmidt

Basar Naser Khosrow Teheran (c) Ekkehart Schmidt

Während der Aschura-Riten zum Höhepunkt der Passionsfeiern gedenken die Schiiten öffentlich der Schlacht von Kerbela im heutigen Irak im Jahr 680, bei der neben Hussain fast alle männlichen Verwandten der Familie Alis getötet wurden. Die Rituale enthalten Erzählungen (Rouza-chwani), Trauerprozessionen in Trauerkleidung und Selbstgeißelung (genannt Sinazani oder Tatbir) sowie teilweise auch die kultische Inszenierung des Martyriums Hussains (Taziya). Die Utensilien zu diesen Feiern erhält man hier: von Kostümen (letztes Foto oben) und Trommeln bis hin zu Kettenpeitschen für die Sinazani (Fotos unten). Diese öffentliche und gemeinsame Trauer ermöglicht es den Schiiten, am Leiden Hussains teilzuhaben und dessen Schicksal in Erinnerung zu rufen. Im Laufe der Rituale, bei denen sich vor allem Männer mit den Fäusten gegen die Brust schlagen, kommt es teilweise auch zu blutigen Verletzungen, die durch die Selbstgeißelung verursacht werden. Diese Form der Kasteiung, die auch im mittelalterlichen Europa praktiziert wurde, war unter dem Schah verboten. Ob es ein Zufall ist, dass diese Ware heute hinter seinem ehemaligen Palast verkauft wird?

Bazar-e Naser Khosrow_Teheran © Ekkehart Schmidt

Bazar-e Naser Khosrow_Teheran © Ekkehart Schmidt

Bazar-e Naser Khosrow_Teheran © Ekkehart Schmidt

Verwendete Quelle: Wikipedia-Artikel Schiitische Passionsspiele: https://de.wikipedia.org/wiki/Schiitische_Passionsspiele

From → Iran, Märkte

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