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Caparica Café_Esch/ Alzette

Oktober 19, 2016

Am vergangenen Montag hatte ich wieder einmal in Esch/ Alzette zu tun und suchte mir mittags ein möglichst authentisch erhaltenes altes Café mit Küche. Fündig wurde ich an der Ecke Rue de l’église/ Kirch-Strasse und Grand Rue abseits der Innenstadt.

Caparica Café_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

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Caparica Café_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Caparica Café_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Caparica Café_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Benannt sei das Lokal nach einem portugiesischen Ort am Meer, sagt mir Carmen, die Inhaberin. Leider habe ich nicht genauer nachgefragt. Das Logo des Cafés zeigt zwar ein Boot am Strand und die Theke ist einer Strandbar nachempfunden, dabei liegt die Gemeinde Caparica als Vorort von Lissabon südlich des Tejo und sollte nicht mit dem benachbarten Strandbad Costa da Caparica verwechselt werden. Caparica selbst hat keinen Strand am Meer, es kann aber im wenige Kilometer entfernten Tejo gebadet werden. Egal. Es gab hier Spagetti a bolonhesa – wie bei meinem letzten Mittagessen in der ehemaligen Stahlmetropole – im Escher Café Belval am anderen Ende der Stadt. Ich zahlte mit Espresso 10 EUR (als Stammessen mit anderem Getränk wären es die auf der Tafel angezeigten 11,50 EUR gewesen). Ein fairer Preis. Die Spaghettis waren zwar recht eigenwillig arrangiert, schmeckten aber sehr gut.

Andere Speisen im Angebot sind Ameijoa á bulháo pato (Herzmuscheln in Weißwein), Chocos und andere Meeresfrüchte sowie die Grillwürste Chouriça assada, das typische Schweineschnitzelsandwich Bifana sowie Pica-Pau, eine Spezialität aus mariniertem Schweinefleisch. Diese Art Speisen sind bei 90.000 Portugiesen in Luxemburg (17 % der Bevölkerung) und vielen Lokalen längst Bestandteil der gastronomischen Landkarte geworden. Statt portugiesischem Bier gibt es im Caparica allerdings nur luxemburgisches Bofferding und Baffin vom Fass, aber immerhin die heimatliche Limonade Looza.

Caparica Café_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Caparica Café_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Das Lokal war bis auf einen netten Alkoholiker, der alle Viertelstunde ein neues Glas Weisswein bestellte und jeweils sofort zu zahlen hatte, während meines Aufenthalts leer. Aus der Gaststube in einem Nebenzimmer hinter der Theke, das ich nicht heimlich zu fotografieren versuchen wollte, kamen dann nach 14 Uhr allerdings noch zwei Köchinnen und ein zur Familie gehörender Junge, um vor dem Nachhauseweg bei Carmen an der Strandbar noch einen Espresso zu trinken. Wahrscheinlich war ich also nur zu spät, um Hochbetrieb zu erleben und mir die Frage zu beantworten, ob sich hier Luxemburger und Portugiesen beim Mittagstisch mischen. Aber nachdem die Frauen „Adeus“ gesagt hatten, konnte ich die leere Gaststube ohne Heimlichtuerei fotografieren, was auch von Vorteil war.

Caparica Café_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Caparica Café_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Caparica Café_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

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Caparica Café_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Der unvermeidliche Fernseher zeigt überraschenderweise den US-Sender Foxcrime, mit portugiesischen Untertiteln. Abends gibt es gelegentlich Karaoke.

Caparica Café_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Das Wort Caparica leitet sich übrigens vom lateinischen cappar, cappari oder capparis ab, das wiederum aus dem griechischen kapparis stammt und Kaper bedeutet, wie ich bei Wikipedia lerne. Eventuell war Caparica also einmal ein wichtiger Ort für (den Handel mit)  Blüten des Kapernbaums gewesen. Es wäre insofern durchaus originell, hier im Lokal auch Kaperngerichte anzubieten, wenn auch nicht Königsberger Klopse.

Das seit 6 Jahren von einer wohl aus dem gleichnamigen Ort stammende portugiesischen Familie geführte Lokal existierte unter anderem Namen sicherlich schon mindestens ein halbes Jahrhundert. Angesichts der zwei portugiesischen Zeitungen „Record“ und „Contacto“ sowie des Billigblattes LuxBazaar in der Zeitungsablage nehme ich an, dass zu den Kunden hier neben Portugiesen eher nur luxemburgische Arbeiter zählen. Zu anderen Zeiten, vor der Schließung der ARBED-Hütten weiter ostwärts, war das hier jedenfalls sicherlich eine reine Arbeiterkneipe. Vielleicht war sie aber auch schon früh portugiesisch: Besonders Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre war es in Luxemburg zu einem großen Zuzug von portugiesischen Migranten gekommen, die vor allem in Stahlindustriestädten wie Esch/ Alzette Arbeit fanden und sich relativ schnell auch selbstständig gemacht haben.

Adresse: 38, Grand-Rue, 4132 Esch/ Alzette, Tel.: +352-621 681 112

Caparica Café_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

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