Skip to content

Akhavan Hotel_Kerman

Oktober 18, 2016

Normalerweise hätte ich hier niemals übernachtet. Das Hotel wäre mir viel zu kitschig und überhaupt nicht authentisch persisch eingerichtet gewesen. Ganz zu schweigen von dem antikisiert-pompösen Äußeren. Mitte August brauchte ich aber dringend ein Hotel in Kerman und es war nach einer Nacht im billigen Milad Guesthouse nebenan eine unglaubliche Wohltat, in’s Akhavan zu wechseln: Rosa Kitsch hin oder her, es war wunderbar, mich hier auf’s komfortable und saubere Bett zu legen, eine gute Dusche zu nehmen und dann zum Abendessen zu gehen. Vielleicht, so lernte ich, ist das hier doch authentischer, als die Vorstellung, die ich mir in einem romantisiert-nostalgischen Blick, der stärker als gedacht Einfluss auf meine Wahrnehmung nimmt, gemacht habe.

Egal wie: Reiseführer wie Lonely Planet sind voll des Lobes, insbesondere die Gastfreundschaft und Aufmerksamkeit des englischsprachigen Hotelmanagers wird hervorgehoben: „He understands, what travellers want“. Postkarten gibt es freilich nicht mehr an der Rezeption zu kaufen, dafür hängen hier viele aus aller Welt, gesendet von zufriedenen Gästen. Und gut 100 Aufkleber aus aller Welt.

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Bei einer ersten Tasse Tee, die mir am frühen Morgen beim Empfang gratis angeboten wurde, unterhielt ich mich gleich mit einem der beiden Brüder, die heute das Hotel führen. Es sollte nicht das letzte gute Gespräch bleiben. Um die Uhrzeit wirkte das Hotel völlig leer, ich sollte später erfahren, warum: die Mehrheit der Gäste steht sehr früh auf und kommt spät zurück, um von hier aus Mahan und Bam zu besuchen. Die Stadt Kerman interessiert eher wenig.

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Auf dem Weg durch den Iran in Richtung Bam oder gar Pakistan ist dies das wohl tatsächlich beste zu empfehlende Hotel für Reisende mit halbwegs ordentlichem Budget. Schon 1980 wird es in einem Reiseführer empfohlen: „Unter den vielen kleineren typisch provinziellen Hotels ist das ‚Arkhavan‘ in der Kh. Kazemi (nicht das ‚Arkhavan-Gästehaus in der Kh. Schahpur – die heute natürlich nicht mehr so heißt) als annehmbar zu empfehlen“, heißt es bei Sylvia A. Matheson, ehe sie „andere erträgliche“ Unterkünfte nennt. Wenngleich im Namen dieses Hauses ein „r“ zu viel ist, welches auf die ehemalige Befestigungsanlage namens „Arg“ am Rand der Altstadt verweist, nehme ich doch an, dass es sich um das vom Großvater des heutigen Inhaber-Bruderpaars geführte Vorgängerhaus handelt. Dessen prominent in der Hotellobby grüßendes Porträt verweist jedenfalls auf eine lange Tradition.

Hadji Amir, neben Hadji Asghar einer der zwei Brüder, der bei meinen drei Übernachtungen konstant anwesend war, hat allerdings das Alter des Hauses mit 26 Jahren angegeben. Wenn meine Hypothese des Vorgängerbaus stimmt, war es wohl sein Vater, der den Vorgängerbau des Großvaters auflöste und dieses sicherlich deutlich imposantere Haus 1990 in der modernen Neustadt nahe des Md. Azadi errichtet hat.

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Gegenüber des Doppelbettes und über dem obligatorischen TV-Gerät zeigt ein Pfeil die Gebetsrichtung nach Mekka an. Das kannte ich schon. Zudem fand ich aber unter dem Couchtisch ein Paket aus drei ineinander gefalteten Teppichen nebst zwei aus Lehm gebrannten Steinen zur Niederwerfung der Stirn beim Gebet. Das gleiche Paket entdeckte ich einen Monat später in einem Hotel in Teheran. Massenproduktion offenbar.

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Ein ähnlicher Klassiker in persischen Hotels sind neben der viel zu laut die ganze Nacht durch brummenden Klimaanlage die Badeschlappen am Eingang zum Bad bzw. der Toilette… Zur Zimmerausstattung gehören neben der nicht individuell regulierbaren Klimaanlage standardmäßig ein Fernseher und ein integriertes Bad mit Dusche. Die Balkone nach vorne haben jedoch nur eine architektonische Funktion. Betreten lassen sie sich nicht.

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Zurück zur anfänglichen Frage meiner Wahrnehmung: Das Hotel wird nach Aussage von Amir zu etwa 80% von westlichen Touristen gebucht. Und er tut mit persischem Blick alles, dass sie sich wohlfühlen.

Man kann sein Auto oder Wohnmobil sicher auf dem Parkplatz vor dem Haus abstellen und auch in ihm übernachten, wenn man will. In dem Fall kann man für einen kleinen Preis auch die Duschen benutzen. Gegen kleinere Gebühren werden auch Touren organisiert und Bus-, Zug- oder Flugtickets besorgt, es wird sogar bei Visa-Verlängerungen geholfen. Lob wird auch geäußert, was das Essen angeht: offenbar kann man hier auch essen, ohne Hotelgast zu sein.

Das Einzelzimmer kostete im August 45 EUR, bei mehr als zwei Übernachtungen reduzierte mir Amir jedoch den Preis auf 40 EUR: Für den Iran ist das eher teuer, aber nicht, wenn man bedenkt, dass man hier nicht nur ein Frühstück, sondern auch ein opulentes Abendessen inklusive hat.

Wunderbar, abends zurück zu kommen, kurz ins Zimmer und dann ab ins Restaurant im Keller, das übrigens – wie in vielen besseren Hotels im Iran üblich – auch Nicht-Übernachtungsgästen offen steht.

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Das Abendessen im Keller-Restaurant wurde mir hier zum Highlight des Tages: Abends gab es statt eines vorsichtig-sparsamen Schielens auf die Preisliste einfach nur den Gang hinunter, ein Hinsetzen an den Platz der Wahl und schon kam der ehrlich-zuvorkommende Kellner, um eine Schale, einen Teller des jeweils vorgesehenen Menüs nach dem anderen zu bringen. Die gebotene Menge ist fast nicht zu schaffen. Ausser eben, wenn man eine Tagestour von gut 400 km hinter sich gebracht hat und in Mahan oder Bam kaum gegessen hat.

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Die Kombination eines eher teuren Übernachtungspreises, der mit gutem Essen kompensiert wird, ist sicher ein Erfolgsrezept des Hauses. Die Touristenzahlen steigen kontinuierlich, seitdem Präsident Ruhani an der Macht ist, höre ich. Sein Porträt hat einen Ehrenplatz in einer Vitrine. Andere Hotels hängen meist nmur die obligatorischen Porträts von Khomeini und Khamenei auf (die hier fehlen). Neben Deutschen sind es vor allem Spanier, Italiener und Franzosen, die im Akhavan übernachten.

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

Verwendete Quellen: Greenway, Paul/ St Vicent, David: Lonely Planet: Iran, 1992, 2. Auflage 1998; Matheson, Sylvia A.: Persien. ein archäologischer Führer, Reclam, Stuttgart 1980, S. 354.

Akhavan Hotel_Kerman © Ekkehart Schmidt

From → Hotels, Iran, Reisen

One Comment

Trackbacks & Pingbacks

  1. Guesthouse Milad_Kerman | akihart

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: