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Tchaikhane Yascha_Teheran

August 24, 2016

Gestern Abend habe ich mich in Teheran erstmals – bei vier Besuchen seit 1992 – wie in Kairo gefühlt. An der Khiabane Djumhuri-ye Eslami-ye, der Straße der islamischen Republik, 50 m westlich der Kreuzung mit der Khiabane Saadi, entdeckte ich eines dieser im Iran an fast allen Eingängen zu Teehäusern hängenden Poster mit dem immer gleichen, verschmitzt lächelnden, bärtigen Mann und gelangte in eine von brauner Patina starrende Passage in einem Gebäudekomplex aus den 1950er-Jahren, die von Mopeds und Basar-Lastenkarren halb zugestellt war. Beidseits schmauchte ein Dutzend Männer zwischen 40 und 70 in aller Ruhe ihre Wasserpfeife, inmitten von Herrenmodeboutiquen, für welche die Straße bekannt ist, Konditoreien, Backgammon-Verkaufsläden, aber eben auch am Nordrand eines Viertels mit Lampen- und Elektrogeschäften, in denen sie wohl beschäftigt sind, wo sich jedoch kein anderes Teehaus findet, die Stunde nach Ladenschluss genießend, ehe es heimwärts geht.

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Neben der ruhigen Atmosphäre war es wohl die Tatsache, dass man hier irgendwann einfach begonnen hat, die zu Hintereingängen von Läden führende, wenig frequentierte Passage zu okkupieren bzw. sinnvoll ökonomisch zu nutzen – bis hin zur Feuerstelle mit ihrem weit hoch führenden Ofenrohr, die irgendwann außen eingebaut worden war, die mich an die ägyptische Hauptstadt erinnerte. Einen roten Teppich zu einem der drei Eingänge würde man dort freilich niemals finden.

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Das seit einigen Jahren in Deutschland gebräuchliche, aus dem Arabischen übernommene Wort „Schischa“ stammt etymologisch zwar aus dem Iran – schische bedeutet Glas – und wurde von den Türken übernommen, doch hat es heute eine eher anrüchige Bedeutung. Man nennt die Wasserpfeife Ghalyun (zu deutsch Kalian oder Kaliun, einem Wort, das hierzulande nur in Kreuzworträtseln von Bedeutung ist).

Leider konnten mir die beiden Kellner, die mich – nachdem ich ein erstes Foto gemacht hatte – von sich aus aufforderten, sie zu fotografieren, nicht sagen, seit wann das Lokal existiert, geschweige denn, was „Yascha“ bedeutet. Dazu ist mein Farsi-Wortschatz leider immer noch zu bescheiden. Ich bin mir aber sicher, dass das Lokal nicht erst in dieser, sondern schon in der vorherigen Diktatur existierte und in mindestens 50 Jahren kaum seine Funktion verändert hat, eine Oase der Ruhe im Zentrum der Metropole zu sein.

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Tchaikhane Yascha_Teheran © Ekkehart Schmidt

From → Cafés, Iran

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