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Le Marché Jean Talon_Montréal

Juni 1, 2016

Ob hier im 19. Jahrhundert tatsächlich noch Irokesen und andere Indianer Lacrosse gespielt haben, konnte ich nicht herausfinden. Das Spiel ähnelt Hockey, wird mit einem Gummiball und einem Stab mit Netz gespielt und gehörte 1904 und 1908 zu den Spielarten bei Olympia.. Das Gelände am Nordrand von Montréal wurde jedenfalls mindestens ab der Gründung des Lacrosse-Clubs Shamrock 1868 und bis in die 1930er-Jahre als Spielfeld dieser gut neunhundert Jahre alten Sportart genutzt, ehe hier im Mai 1933 ein Markt entstand, der bis heute täglich stattfindet. Ursprünglich hieß er „Marché du Nord“ und war einer der ältesten öffentlichen Märkte Nordamerikas. 1982 wurde er umbenannt und heißt seitdem nach dem ersten sog. Intendanten von Neu-Frankreich (1665-72), eines Gebietes, das einen Großteil des heutigen Kanada und der USA umfasst. Der 2004 umgebaute Markt – er steht nun auf einer Tiefgarage mit über 400 Stellplätzen – ist einer der größten Märkte Nordamerikas  und neben Atwater, Maisonneuve und Lachine einer von vier großen Märkten Montreals. Was mich bei meinem Besuch am frühen Morgen des 12. Mai aber viel stärker faszinierte, war, einen Markt im Aufbau, noch ohne Kunden, zu erleben.

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Nach einem Espresso im liebevoll eingerichteten Café La Stellina habe ich den Markt vom Südrand her, mit seinen Blumenständen, erkundet. Da die Winter hier extrem eisig werden können, werden die Stände nach außen hin mit großen Pergola und Planen geschützt. Erst ab Anfang Mai beginnt die Sommersaison.

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Man kann den Markt umrunden und durch nur im Sommer zugänglichen Stichstraßen besuchen oder aber von Osten oder Westen her durch eine zentrale überdachte Marktstraße direkt ins Innere gehen. Der westliche Bereich des Marktes (auf der Skizze rechts) ist seit 2004 überdacht. Früher standen sich hier nur je drei lange überdachte Bereiche gegenüber, unter deren Dächern die Händler eher provisorische Stände hatten, wie das folgende Luftbild aus den 1990er-Jahren und mehrere historische Fotos von 1955 und 1965 (letzteres) zeigt.

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Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

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Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Ein Teil der Gebäude (das auf dem ersten Foto oben gezeigte „Chalet“) diente von 1945 – 1961 als Busterminal für Verbindungen nach Laval und wurde danach als Bücherei und Sozialstation neu genutzt. Bis 1971 gab es hier auch einen Viehmarkt, der dann aber aus hygienischen Gründen geschlossen wurde. 2004 wurde am Westrand ein neuer Hauptbau mit Restaurants errichtet, von dem aus man auf die zentrale, jetzt ebenfalls überdachte Achse des Marktes gelangt. Der Markt mit seinen 300 Ständen hat jetzt viel stärker den Charakter einer miteinander verwobenen Kleinstadt erhalten, in der sich die Nachbarn seit Jahren kennen.

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Manche Stände waren um diese Uhrzeit noch verwaist, an anderen waren die Verkäufer fleißig – in meist gut zweistündiger Arbeit – dabei, den Stand einzurichten und mit Ware zu bestücken.

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Bei den Händlern im Inneren handelt es sich fast ausschließlich um Bauern aus der Umgebung der Stadt, die Gemüse, Obst, Kräuter, Fleisch, Backwaren, Öle, Imkerprodukte, Seifen, aber auch Fleisch und Fisch sowie Importware wie Oliven und Südfrüchte anbieten.

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

Gegen 8.30 Uhr kommen die ersten Kunden, ich aber muss los, entlang der noch immer seltsam leeren Straße am Nordrand des Marktes mit seinen Spezialitätengeschäften und Restaurants zur Metrostation „Jean Talon“ im Norden des ab 1880 entstandenen Einwandererviertels „Little Italy“. Aber natürlich: die meisten Kunden kommen wohl mit dem Auto, fahren in die Tiefgarage und gelangen per Aufzug oder Treppenhaus in den Markt. Nahe der Metrostation sind mir allerdings keine spezifisch italienischen Läden begenet – wie auch nicht auf dem Markt. Dieser ist gleichwohl für die ethnische Vielfalt der Händler und seine lebendige Atmoshpäre bekannt (was ich freilich um diese Uhrzeit nur ahnen konnte).

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Der Markt liegt längst nicht mehr am Nordrand der Stadt. Sie hat sich so stark ausgedehnt, dass dies heute fast schon ein Innenstadtviertel ist. Lacrosse wird übrigens anderswo noch gespielt, aber Indianer (die hier „First nations“ genant werden) sieht man in Montréal kaum noch, wenngleich ihnen 40.000 der 1,6 Mio Einwohner zugerechnet werden. 1990 gab es im Norden der Stadt allerdings noch Unruhen, als ein den Mohawk heiliges Gelände mit einem Golfplatz bebaut werden sollte (sog. Oka Crisis).

Öffnungszeiten: 7 – 18 Uhr (Do und Fr bis 20 Uhr)

Verwendete Quellen: Montréal en quartiers: Quartier Petite Italie (memorablemontréal.com); Robert, Mario: Chronique Montréalité no 15 – Le marché Jean-Talon, in: Archives Montréal, 13.10.2014; Wikipedia-Artikel „Demographics of Montréal„;  „Jean Talon„,  „Jean-Talon Market“ und „Lacrosse„, abgerufen am 31.05.2016; Market Jean-Talon, in: Marchés publics de Montréal

Mehr Fotos zum Markt im 514Lifeblog.

Le Marché Jean Talon_Montréal © Ekkehart Schmidt

From → Märkte, Québec

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