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Unverpackt_Mainz

Mai 8, 2016

Während es in Luxemburg gerade einen kleinen Hype um die geplante Gründung von „Ouni“ gibt, breiten sich solche Lebensmittelgeschäfte, in denen nicht nur auf Einweg­­­­­ver­pack­ungen ­verzichtet wird, sondern dies sogar die Hauptidee ist, in Deutschland schon seit etwa zwei Jahren aus. Diese Innovation entstand aus dem zunehmenden Unbehagen über die auch in Bioläden omnipräsenten Plastikverpackungen – trotz mancher  Versuche mit Mais- oder Kartoffelstärke. Fast überall fällt heutzutage unnötiger Verpackungsmüll an. Der erste „Unverpackt-Laden“, dessen vorrangiges Ziel es ist, Verpackungsmüll vollständig zu vermeiden, entstand 2014 in Kiel, es folgten gleichartige Unternehmen in Leipzig, Dresden, Bonn, Berlin, Schwäbisch Gmünd und Trier.

Am 8. Juni 2015 eröffnete in einer ehemaligen Metzgerei in der Mainzer Neustadt das „Unverpackt Mainz“, das wir bei einem Besuch am 1. Juli entdeckten. Es ist in einer ehemaligen Metzgerei in diesem gentrifizierten Altbauviertel entstanden.

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Der Inhaber, Majid Hamdaoui, erklärte uns das Prinzip: Er verkauft Hülsen- und andere Trockenfrüchte wie Rosinen und andere Müsli-Zutaten, Reis, Bulgur, Getreide, Samen (wie Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne oder Leinsamen) oder auch Gewürze aus großen Spender-Behältern (Bulk Bins), aus denen sich die Kunden in mitgebrachten Verpackungen genau die Menge einfüllen können, die sie benötigen. Neben diesen Lebensmitteln gibt es auch Waschmittel und Shampoo. Man bringt seinen Behälter mit und wiegt ihn leer, befüllt ihn dann mit einer beliebigen Menge, wiegt das Ganze, zieht das Behältergewicht ab und zahlt. Der 53-Jährige weiß natürlich, dass so ein Geschäft Zeit brauche: Die Kunden müssten erst lernen, ihre Behälter zum Einkauf mitzubringen – und wissen, wie viel Reis sie beispielsweise für sechs Personen bräuchten. Spontaneinkäufe seien eher selten. Zu den ersten Stammkunden zählen einige Veganer.

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Es wird geschätzt, dass es Ende 2016 bundesweit um die 30 solcher Läden geben wird. Was Luxemburg angeht, frage ich mich allerdings, ob es hier genug Nachfrage geben kann, um ökonomisch zu funktionieren. Schließlich handelt es sich um keine teure Ware, der durchschnittliche Einkauf wird pro Kunde nur bei wenigen Euro liegen und er muss dort sehr bewusst hingehen und in den Geschäften, in denen er sonst einkauft, zum Beispiel Bio-Märkten auf den Einkauf dieser Waren verzichten. Manche, aber nicht alle Unverpackt-Läden, bieten ausschliesslich Bio-Ware oder zumindest regionale Produkte an. Ouni in Luxemburg soll auch ein Bio-Supermarkt werden. Ich bin auf den gewählten Standort gespannt, schließlich ist die Stadt mit ihren gut 100.000 Einwohnern nicht so gr0ß wie die genannten deutschen Vorbilder, also wird es schwer sein, genug Stammkunden zu überzeugen – was natürlich auch von der Wohnortnähe abhängt.

Nachtrag vom 16. Mai 2016: Am Boulevard St. Laurent in Montréal/ Kanada habe ich letzte Woche einen solchen Laden entdeckt, der offensichtlich schon alteingesessen war (Fotos unten). Er liegt in einem beliebten Altbauviertel mit Hippievergangenheit und hat das Angebot auch durch andere komplementäre Produkte wie Gemüse ergänzt. Das überzeugt. Ich denke, ein solches Konzept hat ökonomisch nur dann eine Zukunft, wenn es ergänzt wird, zum Beispiel durch Bildungsangebote oder als moderne Co-working-space mit gesellschaftlich relevanten und zukunftsfähigen Angeboten.

Frenco_Montréal © Ekkehart Schmidt

Frenco_Montréal © Ekkehart Schmidt

Adresse: Unverpackt Mainz, Kurfürstenstraße 49, 5118 Mainz, Tel.: 06131-6356783, info@unverpackt-mainz.de, Homepage

Verwendete Quellen: dpa: Gegen den Verpackungswahn: Unverpackt-Läden breiten sich aus, 25.04.2016

Unverpackt_Mainz © Ekkehart Schmidt

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