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Nirvana Café_Luxemburg

April 28, 2016

In Luxemburg findet sich das Nirvana jenseits der „Al Bréck“. Am Ende der Alten Brücke tritt man gewissermaßen aus dem Samsara, dem Kreislauf des Leidens und der Wiedergeburten, aus. Hier erlöschen alle mit falschen persönlichen Vorstellungen vom Dasein verbundenen Faktoren wie Ich-Sucht, Gier oder Anhaften. Jedenfalls wenn man diesen buddhistischen Schlüsselbegriff als Name eines Café-Restaurants wörtlich nimmt.

Luxemburg hat mindestens 16 indische Restaurants zu bieten: von den bekannten und als sehr gut eingeschätzen Lokalen New Delhi, Orchidee, Star of India, Taj Mahal und Namaste über andere wie Maharaja, Tandoori Restaurant, Himalaya oder Everest bis eben zum Nirvana Café. Statt von der Oberstadt vom Bahnhofsviertel her betrachtet, liegt es ausgangs der Avenue de la gare an der Kreuzung mit dem Boulevard de la Petrusse und dem Boulevard d’Avranches. Als einziges indisches Lokal ist es mittags und abends Restaurant, ansonsten ein gemütliches, modern im Vintage-Stil eingerichtetes Café.

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Als ich hier im Juni 2008 erstmals vorbei kam, gab es hier noch das „Coffee Break“, das ebenfalls indisch geführt war, aber für meinen Geschmack viel zu fleischlastige Gerichte anbot, so dass ich hier nur ein halbes Dutzend Mal Chicken Curry aß. Der jetzige Inhaber übernahm das Lokal im Januar 2014 von seinem Vermieter, der zugleich Inhaber des Restaurants war und auch nebenan die Boutique „Silkroot“ (ehedem „Jamin“) vermietet oder besitzt. Er spricht wie sein Vorgänger nur Englisch. Vielleicht wegen der durch die koloniale Vergangenheit angepassten Vorlieben oder wegen des nahen Hauptsitzes von Arcelor Mittal und einer großen HSBC-Filiale, essen hier viele Briten. Deutsch wird mittags freilich auch an  manchen Tischen gesprochen. Neben Luxemburgisch und Französisch. Auch Camille von der Vegan Society ist oft hier. Und damit ist der wichtigste Unterschied zum „Coffee Break“ angesprochen: Die Küche ist durchgängig vegetarisch und fast vollständig vegan. Auf der kleinen Terrase fühlt man sich aber noch wie früher: Es ist etwas zugig und meistens schattig, aber man kann weit über das Petrusse-Tal blicken.

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Das Lokal ist nur etwa 3,50 m breit und teilt sich in vier Bereiche auf: vorderer Teil des Lokals, hinter der Theke ein eher versteckter, ruhiger Bereich, Raum oben und die Terrasse.

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Das Mittagsbüffet für sehr günstige 8,50 EUR ist immer 100 % vegan, abends gibt es dagegen schon einmal ein Dessert mit Milch als Inhaltsstoff. Er will aber langfristig ganz auf vegane Küche umstellen. Er habe dadurch zehn Kilo abgenommen und fühle sich viel besser, erzählt der Inhaber. Seit zwei Jahren stellt er seine eigene Ernährung auf vegan um, erzählt der Enddreißiger. Seit drei Wochen arbeitet auch ein älterer Inder im Lokal mit. Auch die Köchin ist Inderin. Das Personal ist sehr freundlich, wenn auch – bis auf den Inhaber – nicht allzu gesprächig. Dafür kann man sich hier für Gespräche unter vier Augen wunderbar in die hinter der Theke liegenden Bereiche zurückziehen.

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Ich habe jetzt drei Mal das Mittagsbüffet probiert: Es gibt immer Reis, eine Soße mit gelben Linsen sowie drei weitere Soßen mit Auberginen, Kartoffeln oder Bohnen – natürlich in verschiedenen Zubereitungen. Das Essen war immer lecker und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist mittags für hiesige Verhältnisse absolut unschlagbar. Eine klare Empfehlung für vegetarisches Essen in Luxemburg! Und was das buddhistische Loslassen angeht: Ich habe hier gelernt, die All-you-can-eat-Situation ohne gierige Überfüllung zu meistern.

Im oberen Stockwerk, das man über eine Wendeltreppe erreicht, kann man sich auch völlig aus der Welt zurück ziehen. Während es mittags unten voll werden kann, ist man hier meist allein und kann bei kostenlosem Wifi per Laptop surfen oder ein Buch lesen:

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Nicht zuletzt gibt es hier auch einen guten Espresso, der an einer Maschine von Dallo Café mit Kaffeebohnen von Mondo del Caffè zubereitet wird. Ich habe gelernt, dass man nicht zwingend erst nach dem Tod in’s Nirvana eingeht. Besser wär’s, es gelänge einem schon zu Lebzeiten. Aber das schaffen nur Heilige.

In buddhistischer Sicht besteht das Nirvana übrigens auch keineswegs als Örtlichkeit, habe ich später recherchiert. In dieser kleinen Oase gleichen Namens kann man sich aber zumindest in eine meditative Stimmung versetzen, durch die man sich aus einer weltlichen Sicht hin zu einer überweltlichen, absoluten Sicht bewegt. Wenn man von oben über den Vorraum auf das Treiben an der Kreuzung blickt, kann man zumindest eine Idee von diesem Zustand der Zustandslosigkeit bekommen, in dem alle Vorstellungen und Wunschgebilde gleichsam überwunden und gestillt sind. Eine solche Freiheit im Sinne der Losgelöstheit von weltlichen Begierden und Leiden werde ich persönlich jedoch kaum erreichen.

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Adresse: 1, Avenue de la gare, Luxemburg 1611, Luxemburg, Tel.: +352 691 866 745

Verwendete Quellen: Buddhismus in seiner Gesamtheit: Samsara und Nirvana, in: buddhismus-schule.de; Stichwort Nirvana in fremdwort.de

Nirvana Café_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

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