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Cone à la Warhol

April 11, 2016

Cone the Weird ist zurück: Seit Ostern sind gleich vier neue Graffitis  an der legalen Saarbrücker Wand gegenüber des Staden entstanden. Zuletzt hat der Künstler, der als Teil einer crew das „Abendmahl“ mitgestaltet hat, hier im Frühjahr 2015 zwei seiner Selbstporträts gemalt. Eigentlich kenne ich aus den letzten Jahren nur noch diese körperlich stark verfremdeten Figuren mit dem immer gleichen bärtigen Kopf. Sein von Comics inspirierter Stil ist so originell, dass zwei der bisherigen drei Arbeiten als nahezu einzige an der Wand nicht übermalt worden sind. Sie sind Untouchables gewissermaßen. Cone selber, der 1979 in München geboren wurde und seit langem im Saarland lebt, sagt in durchaus glaubwürdigem Understatement, dass das nicht unbedingt weiter so bleiben müsste.  Schließlich bräuchte man Platz für Neues, sagte er mir gestern bei einer zufälligen Begegnung.

Cone à la Warhol © Ekkehart Schmidt

Cone à la Warhol © Ekkehart Schmidt

Cone à la Warhol © Ekkehart Schmidt

Cone à la Warhol © Ekkehart Schmidt

Cone à la Warhol © Ekkehart Schmidt

Das hat es hier meines Wissens hier noch nicht gegeben: Das gleiche Motiv dreifach nebeneinander. Nicht identisch in der Ausführung, aber erstaunlich ähnlich, als würde er Schablonen benutzen. Ob er an Andy Warhol dachte? Dem wurde bei seinen seriellen Reproduktionen des gleichen Motivs zunächst vorgeworfen, als Künstler tautologisch zu sein, also wiederholend im Sinne einer Verdoppelung. Seine Bilder seien blosse visuelle Readymades. Dabei ging es ihm um die Medialisierung von Kunst durch Verfahren wie den Siebdruck. Cone hat dagegen wahrscheinlich sein Motiv schlicht schon so oft gemalt, dass jeder Strich von Lippen, Nase und Augen sitzt. Er habe beim Aufräumen noch massenhaft Streichfarbe gefunden, erzählte er, und habe die drei Stücke in den vergangenen etwa zehn Tagen geschaffen.

Gestern begann er dann noch eine vierte Version in roter Grundierung einer Fläche, die er sich mit einem anderen Sprayer teilte.

Cone à la Warhol © Ekkehart Schmidt

Cone à la Warhol © Ekkehart Schmidt

Cone à la Warhol © Ekkehart Schmidt

Cone à la Warhol © Ekkehart Schmidt

Cone à la Warhol © Ekkehart Schmidt

Abends gegen 17.30 Uhr hatte er keine Lust mehr, die Feinarbeit – vor allem die gesprayten Konturen in Schwarz – noch am gleichen Tag zu vollenden. Das wird er diese Woche tun. Ich empfehle, dort mal vorbei zu schauen. Nicht zuletzt, um zu sehen, was er vorhat: Weitere Wände voller Styles mit seinen figurativen Exerzitien übermalen, bis er alles erobert hat? Die Frage verneinte er, erklärte aber nicht, was er wirklich vorhat.

Zwei Tage später war das jüngste Werk fast vollendet. Es fehlen noch einige Details, wie die Vorzeichnungen erkennen lassen, die er auf dem Foto oben gerade an den Hintern seiner Figur sprayt, die aber noch nicht in die Konturenschicht integriert wurden.

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Donnerstag-Morgen war die Figur fertig, das heißt hinter ihr liegt nun einiges an Kartons, Eimern und Gerümpel, dazu wabern Adern durch den Raum. Signiert hat er es allerdings noch nicht:

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Die Figur des neuen Werks blickt in Richtung der anderen drei, hält sich aber die Augen zu. Vor seinem Gesicht das Zitat eines Fischkopfes, der aus dem oben genannten Werk von 2015 am anderen Ende der Wand bekannt ist. Es taucht auch kein Wecker mehr auf. Aber das Interpretieren überlasse ich anderen. Ich bin happy, einmal den Entstehungsprozess eines hochkarätigen Graffiti habe verfolgen können und hoffe, dass alle vier eine Weile erhalten bleiben. Aber vielleicht hat Cone ja noch Streichfarbe übrig und ist noch nicht fertig?

Nachtrag: Im meinem Foto-Archiv fand ich noch ein Werk von ihm hier an der Wand, das Teil eines Triptychons war, welches er im März 2015 mit zwei anderen Künstlern (Aike und Nobo) gesprayt hatte. Es überlebte nur wenige Wochen:

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Nachtrag vom 31. August 2016: Letzte Woche sind die mittleren der vier warholmäßig multiplizierten Bilder übersprayt worden. Vielleicht haben sich da Leute gedacht, dass das etwas übertrieben ist. Man kann es ihnen nicht verdenken:

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Verwendete Quelle: Luethy, Michael: Warhols Exerzitien oder Vom Umgang mit den Bildern im Bild, in: Warhol. Polke. Richter. In the Power of Painting I. Eine Auswahl aus der Daros Collection, Zürich/Berlin/New York 2001, S. 25-32.

Cone à la Warhol © Ekkehart Schmidt

3 Kommentare
  1. Tja, ich habe diese Werke erst in dieser Woche entdeckt. Schade, dass ich bei der Entstehung nicht dabei war. Das hätte ich auch gerne dokumentiert.

    • Ich fand es beeindruckend, wie viel Grundierungsvorarbeit nötig ist, wobei ihm zudem das Endergebnis schon klar und bis in manche Details vor Augen stehen muss!

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  1. The battle of Karli vs. Maggi & Co. | akihart

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