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Kiosk am Futterhaus im Zoo_Saarbrücken

März 6, 2016

Seit zehn Jahren arbeitet die Albanerin hier. Täglich, außer samstags. An Regentagen wie heute ist sie natürlich nicht gut gelaunt. Ansonsten allerdings auch nicht wirklich. Das ist ja auch kein besonders prickelnder Job. Wir passen meist die Öffnung um 11 Uhr ab, um eine Bretzel und einen Kaffee zu bekommen. Unser Zoo-Ritual seitdem mein Zweitgeborener mit Tieren etwas anfangen kann, etwa Herbst 2014. Schon vor acht Monaten hieß es, der Kiosk solle – nach einer geplanten Sanierung – ins benachbarte „Futterhaus“ umziehen und dann wohl auch abgerissen werden. Heute vermutete sie, dass es noch ein halbes Jahr dauern werde. Mindestens. Das werde sehr teuer und es mangele wohl noch am Geld.

Das „Futterhaus“ sei ehedem ein Bauernhaus mit Scheune gewesen, vielleicht sogar das erste Haus am Eschberg, hatte mir 2015 eine Tierpflegerin erzählt. Anderswo ist von einem Forsthaus die Rede. Bevor hier im Frühjahr 2009 der Spielplatz eingerichtet wurde, habe man hier jedenfalls Hawaii-Gänse und Samba-Hirsche gehalten, weiter oben auch Bisons. Der Zoo bietet also mehr interessante Geschichten, als man denkt. Seitdem interessiere ich mich für die Details rund um das Gebäude.

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Kiosk am Futterhaus im Zoo_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Kiosk am Futterhaus im Zoo_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Jetzt gibt es neben frei laufenden Pfauen nur noch den Kaninchenstall als Anbau des Futterhauses. Die Kaninchen im Stroh sind ausschließlich Weibchen, erklärte mir ein Tierpfleger. Das Männchen sitzt hinter dem Haus in einem eigenen Stall. Ich fragte: „Und was passiert mit den männlichen Nachkommen?“ – „Na, Sie haben wohl noch Illusionen…“ ist seine trockene Antwort. „Sie werden geschlachtet und verfüttert“. – an Raubtiere im Zoo. „Warum erst geschlachtet?“ frage ich – „Das verbietet der Tierschutz“. Ansonsten bekommen viele Tiere – abgesehen von den Raubkatzen, Affen, Reptilien und Amphibien – fast nur noch Nahrungspellets, in denen alles drin ist, was sie brauchen, erzählte seine Kollegin. Dadurch verlernen die Tierpfleger freilich, die Nahrung authentisch zuzubereiten, zum Beispiel Möhren für Flamingos.

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Eine halbe Hundertschaft Saat- und Aaskrähen wartet in den hohen Bäumen auf die Fütterungszeiten verschiedener Tiere, bei denen sie etwas abbekommen – so bei den Pinguinen, den Flamingos oder den Enten. Sie fressen die Entenküken, erzählt eine Tierpflegerin Ende Mai. „Sie haben kaum eine Überlebenschance“. Die Frau zählt die Küken einer Familie ab: „Oh, nur noch vier. Es waren mal acht…“. Dann mahnt sie die Mutter: „Pass gut auf, lass die Kleinen nicht zu weit wegschwimmen!“ Nur die Rallen überleben, sie verstecken sich besser im Schilf. Ob man die nicht vertreiben oder dezimieren könnte, frage ich. Nein, dem stehe der Naturschutz vor, leider. „Man müsste eine Volière bauen – Aber wer soll das bezahlen? Man darf ihnen höchstens die Eier aus den Nestern nehmen, aber da kommt ja niemand dran. Vielleicht lasen wir das ganz sein mit der Entenzucht.“

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Die Albanerin im Kiosk hat ganz andere Probleme. Sie ist mit der großen Flüchtlingswelle Mitte der 1990er-Jahre aus der großen Hafenstadt Durrës gekommen, hat einen schon erwachsenen Sohn und eine kleine Tochter, die im Sommer öfters mitkommt und auf dem Spielplatz spielt. Im Winter auch sonntags gezwungen zu sein, trotz geringer Besucherzahl den Kiosk zu bewirtschaften, erfreut sie nicht gerade. So ist das Familienleben doch arg reduziert. Aber die Zooverwaltung verlangt das auch von diesen privaten Betreibern, weil sich sonst oft Leute Beschwerden, zumal das Restaurant im Eingangskomplex durch die Umbauarbeiten verschwunden ist.

Nachtrag vom 12. Februar 2018: Mittlerweile gibt es Fakten und sichtbare Aktivitäten. Hinter dem Kiosk ist eine Baustelle entstanden. Die Stallung für Kaninchen und Enten links des Futterhauses wurde abgerissen. Drumherum zieht sich jetzt ein Graben, in dem Rohre verlegt werden. Ein weiteres Stückchen oberhalb entsteht ein neues Gehege für Warzenschweine. Und wie die Saarbrücker Zeitung berichtet, soll die neue Gastronomie bis zur Saisoneröffnung in wenigen Wochen eröffnen. Der Kiosk wird dann wohl auch bald abgerissen werden. Im neuen Lokal sollen bis zu zehn Gäste Platz finden. Und auch der Spielplatz wird erneuert.

Nachtrag vom 1. Mai 2018: Das hat nicht geklappt. Das Haus ist immer noch eine Baustelle, wenn auch das Dach frisch gedeckt und die neuen Fenster und Türen eingebaut sind. Die Bänke des Kiosk haben über den Winter ihre Farbe verloren, aber der Betrieb läuft normal weiter und auch ich bestelle das Immergleiche. Aber immerhin zeichnet sich der neue Name ab: „Zoo-Bistro“.

Kiosk am Futterhaus im Zoo_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Kiosk am Futterhaus im Zoo_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Kiosk am Futterhaus im Zoo_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Kiosk am Futterhaus im Zoo_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Kiosk am Futterhaus im Zoo_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Kiosk am Futterhaus im Zoo_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Verwendete Quelle: Drokur, Nina: Cooper hat jetzt eine Alice. Aus dem Futterhaus der Tiere wird ein Imbiss für die Menschen, Saarbrücker Zeitung, 3./4.2.2018

Kiosk am Futterhaus im Zoo_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

From → Cafés, SaarLorLux

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