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Café al-Hurriyya_Kairo

Februar 20, 2016

Egal wann ich in den letzten 26 Jahren dieses 1945 eröffnete Lokal betrat (zuletzt schaute ich meistens nur kurz hinein): Hier war immer alles beim Alten. Selbst in den Tagen der Revolution schien das so. Das hatte etwas Beruhigendes. Im September 1988 habe ich zu Beginn eines achtmonatigen Aufenthaltes in Kairo im Hotel Amin nebenan mein erstes Quartier aufgeschlagen und mir das al-Hurriya als Stammcafé ausgeguckt. Da ich nach zwei Wochen eine WG am Tahrir beziehen konnte, kam ich dann nicht mehr täglich an den Midan Falaky. Außer, wenn ich in dieser „Stella Bar“ mal abends öffentlich ein Bier trinken wollte, zu dem es immer ein Schälchen frisch gekochter gesalzener Kichererbsen gab. Meistens wollte ich in Ruhe Tagebuch schreiben.

In den Jahren seitdem wohnte ich immer zu weit entfernt und hatte andere Wege, als dass ich hier einen Zwischenstopp hätte einlegen oder mich abends zum Durchschnaufen und Ausruhen hier hätte hinsetzen können. So ähnlich ist es wohl auch Navid Kermani ergangen, der etwa zwei Jahre nach mir erstmals das al-Hurriya entdeckte. Er beschrieb es 2003 so gut, dass ich ihn einfach nur zitieren möchte:

„Die Ockerwände der Wände und mit ihr der einstige Glanz der hohen Säulenhalle … ist abgeblättert wie eh und je, und in ihrer Luft liegt noch immer, was der Name al-Hurriyya verspricht: ‚die Freiheit‘. Die Männer und einzelnen Frauen – mit Kopftuch und ohne – lesen Zeitung, spielen Schach, Backgammon oder Karten. sie trinken Tee, Mokka, Limonade oder – zumindest die Männer – ein Stella Bier, und sie rauchen Kleopatra-Zigaretten oder Waserpfeife. Gewiss, der Kasssierer, der Magier am Feuer, der die Wasserpfeifen bereitet, der Ober, der Schuhputzer, sie haben graue Haare bekommen, seit der Berichterstatter vor Jahren ihr Stammgast war, aber zum Inventar gehören schliesslich auch die greisen Stammgäste in ihrem beiden Nasser-Dress (das Sakko istz gleichzeitig Hemd) oder mit Krawatte und jahrzehntealten Massanzügen, die über die immer schon besser gewesene Vergangenheit schwatzen; sie immerhin scheinen um keinen Tag gealtert zu sein. Oder sind es nicht mehr dieselben?“

An einer anderen Stelle heißt es in seinem Band Reisereportagen „Schöner neuer Orient“ über die Beharrungstendenzen in einer sich zwischen Islamisierung und Globalisierung wandelnden Welt: „Im Hurriyya hat Kairo seine schönste und vielleicht sogar eine seiner ältesten Eigenschaften ohne Abstriche bewahrt: dass es der Gleichmacherei nichts abgewinnt, Unterschiede, Widersprüche bestehen lässt.“

Das Café habe „viel Stil, aber kein Styling“, sagt Kermani. „Vielen jungen Leuten kommt ein Café wie das Hurriyya so altmodisch vor wie ihren deutschen Altersgenossen Omas Konditorei – dabei ist es in seinem Gleichmut, mit dem es das Aufeinandertreffen der sozialen Klassen, Geschlechter, Gesinnungen erträgt, viel moderner als alle Nachtclubs und Schnellrestaurants der Stadt.“ Dem kann ich zustimmen. Der folgende Satz ist jedoch vielleicht zu sehr auf dieses Haus übertragenes Wunschdenken: „Nicht für die Vergangenheit steht ‚Die Freiheit‘, sondern für eine Utopie“. Aber anders als Navid konnte ich hier nie den Unterhaltungen folgen, sondern saß hier eher einsam für mich. Und habe mich – noch bei meinem letzten Besuch etwa 2008 – nie getraut, hier Details zu fotografieren. Ich hoffe, ich kann das bald nachholen.

Deutlich unauffälliger liegt in einer Seitenstraße das Café Al Nadwa Al Thaqaffiya, in dem der Autor Alaa al-Aswany vor der Revolution politische Debattierstunden abhielt.

Verwendete Quelle: Navid Kermani: Schöner neuer Orient. Berichte von Städten und Kriegen, München 2003, S. 16ff

Café al-Hurriyya_Kairo © Ekkehart Schmidt

From → Cafés, Kairo

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  1. Midan Falaky_Kairo | akihart
  2. Stella Bars | akihart

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