Skip to content

PYCCKAЯ KYXHЯ_Luxemburg

Februar 19, 2016

An der Querfront der Place Wallis fallen einem zwei russische Lokale ins Auge. Weil sich das rechte „Nightclub New St. Petersburg“ nennt und das linke mit „PYCCKAЯ  KYXHЯ“ einen Namen trägt, der für mich nicht zu entziffern ist, habe ich bislang in beiden Rotlicht-Etablissements vermutet. Als ich hier 2006 das erste Mal vorbei kam, war diese Aufschrift noch dominanter: Mitten auf der Fensterscheibe.

PYCCKAЯ KYXHЯ_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Zwischenzeitlich ist das verschwunden. Nur auf der Markise findet sich noch der hierzulande fremde Schriftzug. Zwar steht links noch „Brasserie de la Place“ an der Hauswand, aber mir schien das nur der Name eines Vorgängerbetriebs zu sein. Eine Ecke weiter beginnt mit der rue du Fort Neipperg das alte luxemburgische Rotlichtviertel in Bahnhofsnähe. Erst als ich rund um den Valentinstag in der Mittagspause einmal näher trat, sah ich auch ein kleines Schild „Russian Café“ und trat ein, obwohl am Fenster lauter rote Herzen hingen. Herzen, allerdings aus Bast geknüpft, finden sich auch innen. Nach einem ersten schnellen Blick auf die Gäste wurde mir aber klar, dass es sich hier zugleich um eine Bar und ein Restaurant handelt, nicht aber um ein Etablissement, in dem der Sekt 100 Euro kostet.

DSC_0263_800

DSC_0264_800

DSC_0262_A_800

Wenngleich hier auch mittags Disko-Musik wie „Rhyth is a dancer“ läuft, dazu ein riesiger Flachbildschirm tonlos nervig die Blicke an sich zieht und die Kellnerin so verhärmt (oder nur abgehärtet) wirkt, als hätte sie nun wirklich schon viel erlebt, locken Aushänge hinter der Theke zum Ausprobieren russischer Speisen wie Borschtsch, BliniPelmeni, die fleischgefüllten Pirogen und Cheburek oder nordfranzösischer Klassiker von Pot au feu bis Langue de Boeuf. Und an den vier Tischen sitzen sehr gut bürgerlich wirkende Leute, russische Frauen wie auch Luxemburger oder Franzosen. Die Russin im Büro-Outfit neben mir an der Theke hat sich eine Soljanka bestellt, dazu einen Cremant, der wohl nicht mehr als 3 Euro kostet.

970325_287862428019948_2043874462_n_800

DSC_0261_800

12105913_625260260946828_5824013221246420792_n_800

Zu trinken gibt es in dem 1998 entstandenen Lokal neben Kaffee auch den umgedrehten Milchkaffee „Lait russe“ sowie neben Diekirch und Hoegaarden vom Fass auch Baltika Bier. Und Wodka natürlich. Wie die Atmosphäre hier abends ist, kann ich als Grenzgänger natürlich nicht beurteilen. Aber man versucht wohl mit Special Events wie einem Oktoberfest oder einer Halloween Party mit Karaoke, Vergnügungen anzubieten. Fazit: Das Lokal ist schlicht und einfach ein heimeliger Ort für russische Migranten, der aber auch anderen Leuten offen steht. Nebenan im ersten Stock der rue de Bonnevoie 16-18 findet sich auch noch die Redaktion der russischen Zeitschrift „Eurasie“ sowie ein kleiner Supermarkt, in dem man russische (genauer gesagt: Waren aus den Ländern der ehemaligen UdSSR) Lebensmittel, Kaviar, Alkohol, Tabak und sogar Souvenirs und Bücher kaufen kann.

Bei meinem dritten Besuch heute habe ich eine sehr leckere Solanka mit Brot gegessen. Es scheint, als hätte ich eine gute Mittagspausen-Alternative zu Chez Julie und der Casa Fabiana nebenan gefunden, in der ich eine kleine, preiswerte Speise – allerdings nicht bio – und einen guten Espresso zur Zeitungslektüre bekomme. Ich werde mich in den nächsten Wochen einmal durch die Speisekarte essen. Und als Stammplatz habe ich mir schon das Eck hinter der Tür ausgeguckt, wo man unter dem (aufgeklebten) Wandbild eines St. Petersburger Gewölbekellers ganz alleine sitzt, aber schön auf den Platz gucken kann.

Pelmeni1972323_644297442376443_99828286742253944_n_540

PotAuFeu10660269_645691448903709_1418712674281770567_n_A_540

69221_218185541654304_1393452592_n_A_540

DSC_0296_800

Untitled 6_540

DSC_0180_800

DSC_0259_540

DSC_0260_800

Die Preise für die fleischgefüllten Teigtaschen und Suppen sind mit 2,50 bis 5,00 EUR sehr fair, während aufwändigere Speisen wie Blini und Pelmeni 10,50 EUR kosten und Besonderes wie eine Rindszunge durchaus mit 13,50 EUR in Rechnung gestellt wird. Wer einmal Stör-Eier testen mag, bekommt eine Tartine Kaviar für 5 EUR. Für den schliesslich, der nur schnell etwas Deftiges zum Getränk knabbern möchte, steht auf der Theke ein Bierhumpen gefüllt mit geräucherten Würstchen. Als Stammessen gibt es öfters Kombinationen wie Borschtsch (Foto unten) plus Pelmeni für nur 9,50 EUR. Oder auch Mici, bei dessen Synonym Chebab-Chichi man zwar erst an eine afrikanische Terrormiliz denkt, ehe man versteht, dass es sich um das in Deutschland sehr bekannten röllchen aus gegrilltem Hackfleisch namens Ćevapčići handelt.

DSC_0001_540

Noch ein Vorteil, neben der räumlichen Nähe zu meinem Büro: Im Sommer kann man auf der Terrasse des Cafés auch mitten auf der Place Wallis in der Sonne sitzen.

Adresse: 11a, rue de bonnevoie, Luxemburg (Stadt), Tel.:  26 64 94 83

Ein Teil der Fotos stammt von der Facebook-Seite des Lokals.

PYCCKAЯ  KYXHЯ_Luxemburg  © Ekkehart Schmidt

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: