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Abu Hakam_Bonn

Februar 7, 2016
Obwohl ich es in Kairo geliebt habe, immer wieder nach der Arbeit eine Shisha zu rauchen und zu entspannen, wäre ich nie auf die Idee gekommen, eine dieser aus dem Boden schießenden Shisha-Lounges in Deutschland zu besuchen. Das Flair schien mir einfach nie authentisch genug. Es ist nicht mein Ding, mit suppacoolhippen Jungs und Mädels in stylischen Lokalitäten zu chillen. Womit ich nicht sagen will, dass denen das zu Recht gefällt, aber es ist für meine nostalgische Seele eben etwas ganz anderes im Vergleich zum Takieba, dem Al Nadwa Al Thaqaffiya, dem Shisha Shehan oder dem Al Musher. Vielleicht war das also vorgestern im „Abu Hakam“ meine erste Shisha in Deutschland. Mein Bonner Ur-Freund Georg bestand nach einem dreistündigen Gespräch, bei dem wir in Orientreiseerlebnissen und -träumen schwelgten, darauf, jetzt sofort in sein Stammlokal in Bad-Godesberg zu fahren. Das „Abu Hakam“ entstand 2006 als Restaurant, ehe der Inhaber vor etwa sechs Jahren nebenan noch ein Shisha-Café aufmachte.
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Und tatsächlich: Das Shisha-Lokal ist, im Gegensatz zu dem etwas übertrieben golden-orientalisierten Stammhaus nebenan, so authentisch arabisch, wie es hierzulande nur möglich ist. Ich habe sogar eine Wasserpfeife mit Apfelgeschmack gewählt, obwohl es in den urtümlichen ägyptischen Shishacafés, die ich ausprobiert habe, meist nur Tabak pur und ehrlich (sowie kratzig) gab und ich dennoch nie Lust hatte, eine der mittlerweile Dutzenden Geschmackssorten zu probieren. Die konnte man tatsächlich fast zwei Stunden lang schmauchen, ohne dass es einem zu viel wurde.
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In Bad Godesberg gab es schon mindestens seit 40 Jahren einige arabische Lokale – schließlich hatten hier sehr viele arabische Staaten ihre Botschaften. An deren Stelle als Anziehungspunkt für Araber traten die hiesigen Kliniken, wegen denen viele Botschaften offenbar noch kleine Dependancen mit Beratern in Gesundheitsfragen aufrecht erhalten. Vor allem Besucher der arabischen Halbinsel – von Saudi-Arabien über die Arabischen Emirate bis Kuwait – lassen sich hier als „Gesundheitstouristen“ behandeln und operieren. Die Innenstadt ist mit arabischstämmigen Bedienungen in Apotheken und anderen Geschäften auf diese Klientel eingestellt. Und eben mit Shishabars.
„Shishaschwaden aromatisieren den Godesberger Alltag in nahezu jeder Innenstadtgasse“, heisst es im Stadtmagazin „Schnüss“. Sie heissen „Layalena“, „Orient“ oder „Dubai Lounge“. Wie das Abu Hakam sind sie neben ihrer Funktion als einer Art Treffpunkt und „Sozialstation“ für einheimische Araber auch zu einem Anlaufpunkt für Familienangehörige von Medizintouristen geworden. Die älteren Herren sitzen im vorderen Bereich, während der hintere Saal mit dem großen Flachbildschirm, auf dem Bundesliga, Premierleague und spanische Liga läuft, eher von jungen Leuten besetzt ist. Männern vor allem, aber auch Frauen und an manchen Tischen auch Deutsche.
Während der irakische Inhaber des Restaurants aus Bagdad stammt, ist der „Chef“ des Shisha-Cafés vor 20 Jahren aus Erbil im kurdischen Nordirak nach Deutschland gekommen. Der sympathische Akademiker erzählt, dass die gedrechselten Holzbänke aus Damaskus stammen und auch die Marmorplatten an den Wänden aus der Region importiert worden sind. Sehr stimmig und stilecht, wie ich es empfand. Man spürt den Stolz auf die eigene Kultur auch durch die Vitrine im Eingangsbereich, in der sich viele antike Artefakte finden, aber – wie auch sonst im Lokal – keinen Hinweis auf den Islam, höchstens auf architektonische Elemente im Restaurant.
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Abu Hakam_Bonn © Ekkehart Schmidt
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Eine Shisha bekommt man ab 8 Euro. Dazu trinkt man am besten einen Cay mit oder ohne Pfefferminzblättern. Dazu bekommt man Salzstangen. Nun ja, ein weiterer kleiner Stilbruch nach den ebenfalls sehr deutschen gelb gestreiften Warnklebern an den Stufen, aber OK.
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Ins Restaurant habe ich nur hineingespitzt. Nächstes Mal esse ich dort.
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Abu Hakam_Bonn © Ekkehart Schmidt
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Adresse: Moltkestr. 38, 53173 Bonn-Bad Godesberg (am Bahnhof), Tel.: 0228-3682613
Verwendete Quelle: Krebs, Bennet: Zukunft in Bad Godesberg. Besser, schlechter – oder einfach nur anders?, Schnüss, 03/2016, S. 8-9
Abu Hakam_Bonn © Ekkehart Schmidt
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