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New Espace Marathon_Luxemburg

Januar 20, 2016

In der Route de Thionville, dem uralten Weg von Süden her nach Luxemburg-Stadt, kommt man durch ein stark von Einwanderern bewohntes Viertel: Bonnevoie (Bonneweg). Anders als in Deutschland dominieren in solchen Vierteln nicht türkisch, sondern portugiesisch geführte Geschäfte und Lokale. Es gibt hier in der Strasse neben Snacks wie dem „Akdeniz“ oder dem „Adriatic“ (bei es sich eher um eine um Speisen wie Cevapcici erweiterte türkische Kebabstube handelt) viele Lokale mit gutem Angebot an Fisch und Meeresfrüchten. Am bekanntesten sind die sich gegenüber liegenden Restaurants „Lisboa II“ und „Boston„. Ersteres gilt als „bestes“ portugiesisches Lokal der Stadt. Aber auch die beiden Pizzerien „La Locanda“ und „La Veranda“ weiter stadtauswärts im Viertel Howald haben einen guten Ruf. Das „New Espace Marathon“ schreckt Freunde guter Küche durch sein aufdringlich rotes Äusseres der Kaffemarke „Bicafé“ vielleicht ab. Aber es lohnt sich unbedingt, hier die Küche zu probieren: eine ehrlich-einfache und doch anspruchsvolle portugiesische Hausmannskost mit italienischen Einsprengseln wie „Lasanha Bolonnesa“.

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Auch drinnen ist es sehr bunt, aber nur noch im Detail auch rot: Es dominieren grüne, gelbe, graue und auberginefarbene Wände, die von der Jalousie vor den Fenstern in ein rötliches Licht getaucht werden. In einer Empore über dem Eingang wachen eine Mönchsfigur mit (Jesus-)Kind einträchtig neben einem roten Greifvogel mit Fussball, wahrscheinlich das Wappentier von Benfica Lissabon, über das Geschehen im schmalen Kneipenvorraum mit zwei Spielautomaten und roten CocaCola-Bierdeckelhaltern. Dazu gibt es – in Luxemburg extrem selten – einen Zigarettenautomaten. Und in den Herrentoiletten sogar einen Zahnbürstenautomaten („assure ton sourire avec SMILE“). Was mir fehlt, sind Tageszeitungen.

Die Brasserie ist aber keineswegs eine Kneipe, sondern bietet neben einem Caféraum noch einen Speisesaal im hinteren Bereich, in dem man sich wie in einer portugiesischen Kleinstadt fühlt – was nicht ganz falsch empfunden ist, leben doch viele der 82.000 Portugiesen des Landes in Luxemburg-Stadt. Im berühmten „Lisboa II“ fühlt man sich bei weitem nicht so familiär. Als Deko-Element eher unpassend sind die an die Wände gemalten Bambusstäbe. Das Lokal soll also gar nicht „portugiesisch“ wirken.

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Ich habe hier vorgestern einen vorzüglichen Pulpo mit Pellkartoffeln („Tentáculos à Lagareiro„) und gestern Fischfilet an Knoblauchbutterkartoffeln und gedünstetem Wirsing („Pescada com Todos„) gegessen. Als Vorspeise gab es eine Linsensuppe, zunächst mit Spinatblättern, dann mit Bohnen. Mit Getränk kostet das Menü 11 Euro: Für Luxemburg ist das sehr preiswert. Angeboten werden aber auch Bifana für 5 Euro: zwei warme Lappen Schweinefleisch in einem Weissbrot.

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„Bom Apetite“ sagt der junge Koch, der aus der Region Aveiro im Norden des Landes stammt und vielleicht der Sohn des Inhabers sein könnte. Aber dann müsste die Kellnerin, die doch eher noch in den 40ern ist, seine Mutter sein. Hmm. Egal wie, es wirkt wie ein Familienbetrieb. Inhaber ist der Portugiese Leonel Gonçalves, ein kleiner Mann mit Glatze und Schnurrbart. Er erzählt, dass das Lokal schon gut 10 Jahre alt ist, von ihm aber vor drei Jahren übernommen wurde. Daher der Zusatz „New“ Espace Marathon. Sie wirken im positiven Sinne sehr geschäftstüchtig, haben einen eigenen Internetauftritt und sogar einen eigenen Kalender produziert. Die Gestaltung des Eingangs ist dagegen noch nicht fertig. Aber so verströmte er einen derartsympathisch-unfertigen Charme, dass ich gerade deshalb eintrat.

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Das Lokal ist an sieben Tagen die Woche geöffnet, von 6 Uhr früh bis 1 Uhr nachts! Bei meinem dritten Besuch habe ich eine Bifana probiert – Nicht schlecht, selbst für Flexitarier wie mich. Es gibt sie auch in der „Super“-Version „com chips et cornichons“ für 9,50 Euro

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Adresse: 63 Route de Thionville, 2610 Luxemburg (Stadt), Tel.: +352 27 99 47 58 / 26 89 79 66, Homepage, Speisekarte

New Espace Marathon_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

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