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Café blau_Bonn

Dezember 30, 2015

Ein schönes Fundstück für einen alten Bonner bei einer Stippvisite, das ich letzten Montag zufällig in einem Zustand höchster Aufregung erlebt habe: Das Café blau im Foyer des ehemaligen Viktoriabades. Als ehemaliger Student, der die Stadt Anfang 1994 verließ, sagte mir diese Ecke in der Franziskanerstraße an der Universität gar nichts, bis mich ein Freund jetzt hierher führte. Damals gab es hier nur einen hässlich erscheinenden 70er-Jahre-Querbau mit dem Heimatmuseum und irgendwie auch dem Eingang zum Viktoriabad, dessen bunte Fenster einem um die Ecke immer wieder auffielen. Attraktiv erschien mir dieses Hallenbad in der Bonner Innenstadt während der vier Jahre, die ich hier verbracht habe, nie. Damals habe ich mich auch nicht dafür interessiert, wie der Originalbau, der hier 1906 entstand, aussah. Da ich zwar hier wohnte, aber in Köln studierte, kam ich hier immer nur zufällig durch, obwohl viele meiner Freund/Innen im Seminar für Orientalische Sprachen studierten, dessen Eingang sich jenseits der Unterführung durch den riegelförmigen Universitätsbau findet.

Café blau_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café blau_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café blau_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café blau_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café blau_Bonn © Ekkehart Schmidt

Das „blau“ gibt es wohl seit gut 20 Jahren. Unter dem Vordach weist nur ein kleiner Pfeil zum Eingang, auf dass er nicht mit dem zum Heimatmuseum nebenan verwechselt wird. Dafür hängt an der Hausfront nebenan ein blaues Schild mit ostentativ durchgestrichenem Hinweis auf das Bad.

Der Rat der Stadt Bonn hat am 31. Januar 2007 beschlossen, im Rahmen des städtischen Bäderkonzeptes das Viktoriabad in drei Jahren zu schließen. In der Tat wurde das Bad am Samstag, 29. Mai 2010, „für immer geschlossen“: Das Gelände soll zukünftig kommerziell genutzt werden. Die Signa-Holding wollte hier im „Viktoriakarrée“ ein Einkaufszentrum bauen, bekam im Juni 2015 zunächst auch den Zuschlag des Stadtrates, doch entschloss sich dieser im November, einem Bürgerbegehren gegen die Pläne anzuschließen. Seitdem ist natürlich seitens Signa, einer Karstadt-Tochter, „Schluss mit lustig“. Wer das alles nicht weiß, betritt einen merkwürdig großen Saal mit 70er-Jahre Decken und entsprechendem Interieur, der vintagemäßig aufgemacht wirkt, auch eine etwas kalte Anmutung hat, aber mit sehr blauen Designelementen auch modern wirkt.

Café blau_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café blau_Bonn © Ekkehart Schmidt

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Georg, unser Begleiter, erklärte uns, was wir zwar sahen, aber nicht verstanden: Im Eingangsfoyer des Viktoriabads gab es wohl schon früh rechterhand des Durchgangs auch ein kleines Eiscafé, später entstand hier das Café blau. Es wurde mit einer blauen Gardine vom Hallenbad-Eingang abgetrennt. Wenn dieses abends geschlossen war, konnte sich das Café über den gesamten Bereich der Eingangshalle ausdehnen. Die Gardine zum 2010 geschlossenen Bad existiert noch, ebenso diejenige am Eingang, Biergartengarnituren möblierten Hauptsaal von einem kleinen, gemütlichen Teil zwischen Theke und Glasfassade abtrennt, in dem man wunderbar auf Ledersofas abhängen und auch etwas essen kann.

Café blau_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café blau_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café blau_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café blau_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café blau_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café blau_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café blau_Bonn © Ekkehart Schmidt

Jetzt war hier natürlich entspannte nachweihnachtliche Stimmung. Sonst sitzen hier wohl viele Studentische Lerngruppen und Profs, die sich auf ihre Seminare vorbereiten, aber auch Rentner und Touristen. Sie trinken in fast mensaähnlicher Atmosphäre einen insofern nicht gerade billigen Espresso für 1,90 oder einen Cappucino für 2,70. Neben einer breiten Auswahl an heißen und kalten Getränken bekommt man auch Speisen: von Salat über Suppe zu Burger oder Pfannkuchen ist für jeden etwas dabei, der nicht zu hohe Ansprüche hat.

A propos „entspannt“: So ganz gelassen saßen die Leute hier nicht wirklich. Jedenfalls wurde ich von einem Herrn in den Vierzigern aufgefordert, mein schönstes Panoramabild des Cafés zu löschen, weil er darauf erkennbar war. Zu aktuell waren wohl die Zeitungsartikel zur Frage der Zukunft des Viktoriakarées, inklusive Café blau natürlich.

Adresse: Franziskanerstr. 9, 53113 Bonn, Tel.: 0228-650717, Homepage

Verwendete Quellen: Inhoffen, Lisa: Signa geht gegen Ratsbeschluss vor, General-Anzeiger, 24.12.2015; kf: Glasfassade ist jetzt Denkmal, Kölner Stadt-Anzeiger, 10.12.2013; Strecker, Katharina: Unser Viktoriabad, März 2007

Café blau_Bonn © Ekkehart Schmidt

From → Cafés

3 Kommentare
  1. Ein echtes Highlight in Bonn!

Trackbacks & Pingbacks

  1. Starbucks widerstehend: Kaffeehaus-Originale | akihart

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