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Niyen and the Weird

November 23, 2015

Der Graffitikünstler „Cone the Weird“, der sich auf tatsächlich sehr merkwürdig anmutende Characters spezialisiert hat und mit diesen auch auf der UrbanArt Bienale 2015 in Völklingen vertreten war, hat in der ersten Hälfte dieses Jahres ein charakteristisches Selbstbildnis an den östlichen Ausläufer der legalen Graffitiwand gegenüber des Staden in Saarbrücken gesprayt, das – umgeben von phantasielosen Styles, also sinnentleerten Buchstaben-Pieces – als eine der wenigen verbliebenen figürlichen Darstellungen positiv ins Auge sticht. Am 3. November hatte ich das Glück, einer jungen Chilenin zuschauen zu können, wie sie eins dieser benachbarten Pieces mit einem stilisierten, naiven Gesicht zu übermalen begann. Sie war keinesfalls Studentin der Hochschule der bildenden Künste (HbK), bei der The Weird mittlerweile einen Lehrauftrag hat, wie ich vermutet hatte, sondern einfach eine Touristin auf der Durchreise. In Dudweiler habe sie aber auch schon etwas gemalt, sagte sie. Also war sie mindestens für ein paar Tage da. Mir gefiel, dass sie mit Pinsel malte und die gesprayten Farben und Schriftzüge weiterhin durch schimmerten.

Niyen and the Weird © Ekkehart Schmidt

Niyen and the Weird © Ekkehart Schmidt

Niyen and the Weird © Ekkehart Schmidt

Dann fotografierte ich – was meine eigentliche Absicht war – das Werk von Cone The Weird, einem 1979 geborenen Münchner, der in Saarbrücken lebt und arbeitet. „The Weird“ nennt sich eine Künstlerkollektiv, eine Crew Gleichgesinnter im Malen verrückter Figuren, zu der noch ein Hamburger und ein Wiener gehören. Hier allerdings hat er sich die Fläche nur mit Aike geteilt, der ein Aike-Style malte, das von Cone’s Wolken umwabert wird:

Niyen and the Weird © Ekkehart Schmidt

Niyen and the Weird © Ekkehart Schmidt

Niyen and the Weird © Ekkehart Schmidt

Niyen and the Weird © Ekkehart Schmidt

Niyen and the Weird © Ekkehart Schmidt

Am 5. November schaute ich wieder vorbei, um zu sehen, was dort entstanden ist:

Niyen and the Weird © Ekkehart Schmidt

Niyen and the Weird © Ekkehart Schmidt

Kiyen hieß sie also. Und sie ist sehr fleissig gewesen, hat in ihrem sehr mädchenhaft-verspielten Stil zwei öde Pieces übermalt: mit schlichten, klaren Buchstaben, in denen sich noch die Überreste der eher großflächig-aufdringlichen Vorgängerprodukte mit ihrem  Imponiergehabe zeigen.

Niyen and the Weird © Ekkehart Schmidt

Niyen and the Weird © Ekkehart Schmidt

Ich empfinde diesen neuen Blick die Wand entlang als sehr guten Anfang, die Graffitimauer neu zu beleben und vor allem von den Styles zu befreien, die 2015 völlig überhand genommen haben, was mir diesen Sommer übel aufgestoßen war, siehe: Die zwei Heiligen von 4560.

Nachtrag vom 8. November: Das war eine Illusion. Am Nikolauswochenende hat jemand, der mit „Keis“ zeichnet, ein graues Style-Piece drüber geknallt:

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Und kurz vor dem 24. Dezember hat jemand anderes („Posh?“) dieses wiederum mit einem weihnachtlichen Style-Piece übersprayt:

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Verwendete Quelle: Grewenig, Meinrad Maria (Hg.): Cone The Weird, in: UrbanArt Biennale 2015, Heidelberg 2015, S. 82

Mehr zu Cone The Weird hier

Niyen and the Weird © Ekkehart Schmidt

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  1. Cone à la Warhol | akihart

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