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Pohl’s Rheinhotel Adler_St.Goarshausen

November 19, 2015

Während der Saison braucht man am Mittelrhein gar nicht erst nach einem Hotelzimmer zu suchen. Das ist aussichtslos. Selbst die sehr empfehlenswerten Jugendherbergen wie Burg Stahleck, St. Goar oder Kaub sind meist lange im Voraus ausgebucht. Am Ende der Nebensaison hat man dagegen freie Wahl. In St.Goarshausen haben wir letztes Wochenende eine gute Wahl getroffen, indem wir keins der anderen, meist sauber (kaputt-) sanierten Häuser wählten, sondern ein historisches Haus von 1783, das zwar 1987 einen Anbau erhalten hat und dessen Zimmer saniert und aktuellen Komfortbedürfnissen angepasst wurden, sich aber äußerlich und in der Gaststube, wie auch im Frühstücksraum ein Stück Authentizität hat bewahren können. Das „Rheinhotel Adler“ hat Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts neben Rheinromantik-Touristen, unter denen sich nach Erfindung des Pauschaltourismus durch Thomas Cook nicht wenige Briten befanden, offenbar vor allem Dichter angezogen.

Niedrigwasser bei Kaub © Ekkehart Schmidt

Pohl's Rheinhotel Adler_St.Goarshausen © Ekkehart Schmidt

Pohl's Rheinhotel Adler_St.Goarshausen © Ekkehart Schmidt

Pohl's Rheinhotel Adler_St.Goarshausen © Ekkehart Schmidt

Pohl's Rheinhotel Adler_St.Goarshausen © Ekkehart Schmidt

Pohl's Rheinhotel Adler_St.Goarshausen © Ekkehart Schmidt

Pohl's Rheinhotel Adler_St.Goarshausen © Ekkehart Schmidt

Der Eingangsbereich des Hotels ist etwas überladen mit auf alt gemachten Texten zur Historie des Hotels, das ursprünglich „Zum Güldenen Adler“ hieß. Johann Georg Adam gründete es damals als erstes Fremdengasthaus der Stadt. Ab 1839 bestand hier auch eine Thurn- und Taxis’sche Posthalterei. Eine der ersten deutschen Briefmarken soll hier entstanden sein. Der Eingangsbereich bietet neben diesen Ende der 1980er-Jahre auf roten Grund beidseits an die Wände geschriebenen Texten auch ein im Original erhaltenes Schild aus dem späten 18. Jahrhundert:

Pohl's Rheinhotel Adler_St.Goarshausen © Ekkehart Schmidt

Pohl's Rheinhotel Adler_St.Goarshausen © Ekkehart Schmidt

Pohl's Rheinhotel Adler_St.Goarshausen © Ekkehart Schmidt

In den 1840er-Jahren wurde das Haus oft als Ausflugsziel und „Standquartier“ manch berühmter Dichter gewählt. Heinrich Heine hat hier wohl nicht übernachtet, wenngleich ihm auf der Uferpromenade vor dem Haus ein Denkmal gesetzt wurde. Dafür haben neben dem Schweizer Dichter Gottfried Keller (1819-1890), dem Autor des „Grünen Heinrich“ und der „Leute von Seldwyla“, hier auch  Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), der Dichter des „Deutschland-Liedes“ sowie der Heimatdichter Herman Löns (1866-1914) übernachtet, der also durchaus auch einmal fern der Lüneburger Heide unterwegs war. Die beiden letzteren hätten sich mit zwei anderen prominenten Gästen sicherlich nicht verstanden: Hans Fallada (1894-1947), der in sozialkritischen Romanen wie „Kleiner Mann was nun?“ die alltägliche Not der „kleinen Leute“ schilderte und vor allem Kurt Tucholsky (1890-1935), einem der bedeutendsten Dichter und Publizisten der Weimarer Republik, der erfolglos vor den Nazis gewarnt hat. In seinem Gedicht „Der Rhein und Deutschlands Stämme“ von 1927 spottete er über Dichter und die Rheinromantik:

Es fließt ein Strom durch das deutsche Land,

drin spiegeln sich Schlösser und Zinnen;

er ist in den deutschen Gauen bekannt,

kein Refrain kann demselben entrinnen.

Und alle Romantik hat hier ihr Revier,

und je lauter das Rheinlied, je kälter das Bier

der kleinen und großen Verdiener.

(…)

Im Rhein, da quillt unsere Mannesbrust,

da liegen dicke Tantiemen;

und befällt den Deutschen die Sangeslust:

hier kann er das Ding unternehmen.

Es reimt sich der Rhein

auf Schein und auf Sein

und auf mein und auf dein,

auf Jüngferlein, Stelldichein, Gänseklein …

Da wir außerhalb der Saison hier waren, können wir nicht beurteilen, ob Gruppenreisende am Rhein immer noch so viel Wein trinken und ins Singen kommen. Neben uns begegneten wir im Frühstücksraum nur Russen und Holländern.

Pohl's Rheinhotel Adler_St.Goarshausen © Ekkehart Schmidt

Pohl's Rheinhotel Adler_St.Goarshausen © Ekkehart Schmidt

Pohl's Rheinhotel Adler_St.Goarshausen © Ekkehart Schmidt

Pohl's Rheinhotel Adler_St.Goarshausen © Ekkehart Schmidt

Anders als in manchen Bewertungen auf tripadvisor haben wir das Hotel als sehr sauber erlebt, mit gut funktionierenden Duschen und freundlichem Personal. Das Frühstücksbuffet als „mager“ zu bezeichnen zeugt auch nur von peinlicher Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit mancher Gäste dieses immerhin recht preiswerten Hotels.

Pohl's Rheinhotel Adler_St.Goarshausen © Ekkehart Schmidt

Pohl's Rheinhotel Adler_St.Goarshausen © Ekkehart Schmidt

Pohl's Rheinhotel Adler_St.Goarshausen © Ekkehart Schmidt

Der Name des Hauses, das immer als „der Adler“ firmierte, änderte sich übrigens unter der Inhaberfamilie Pohl ab 1959 in den heute etwas sperrig wirkenden Namen.

Adresse: Bahnhofstraße 6, 56346 Sankt Goarshausen, Tel.: 06771-95960, hoteladler@nmhotels.de, Homepage

Verwendete Quellen: rheinsein: Kurt Tucholsky über rheinisches Liedgut; textlog.de: Theobald Tiger alias Kurt Tucholsky: Der Rhein und Deutschlands Stämme

Pohl’s Rheinhotel Adler_St.Goarshausen  © Ekkehart Schmidt

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  1. Café Rose_St.Goarshausen | akihart

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