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Dom-Café_Mainz

Oktober 30, 2015

Ende Juni sind wir hier schon einmal vorbei gekommen, leider war dieses Kaffeehaus, das wohl zu den ältesten noch existierenden in Deutschland zählt, gegen 19 Uhr schon geschlossen. Seit 1792 gehört der Bau gewissermaßen zum äußerlich in seiner Breite und Harmonie beeindruckenden, innen aber vor allem düsteren, Dom – oder besser gesagt dem seit Jahrhunderten zusammen gewachsenen Ensemble rund um den Dom. Beim Mainz-Besuch letzten Freitag kamen wir rechtzeitig, bevor das Café zur wirklich erstaunlich frühen Zeit 18 Uhr 30 schloss. Dafür fühlte es sich durch die früher einbrechende Dunkelheit deutlich später an. Meine Lebensgefährtin wollte weiter an den Rhein, ich erbat mir ein wenig Zeit für einen schnellen Espresso, um bald nachzukommen. Kaum angekommen, begegnete mir der Chef des Hauses. „Wir wollten nicht auf Kosten unserer Kinder noch ‚reicher‘ werden, indem wir das Haus auch noch abends lange geöffnet lassen“, sagt Konditormeister Karl Heinz Stolz, der mit seiner Familie seit 1962 das nun wirklich traditionsreiche Haus führt. 8.30 – 18.30 reicht als Öffnungszeit für einen Familienbetrieb tatsächlich, zumal die „Konkurrenz“ gegenüber, eine Filiale der Kette „Extrablatt“ ein jüngeres Publikum anspricht und einen anderen Blick zu bieten hat: Den auf das Dom-Ensemble. Und am Sonntag ist geschlossen, ausgerechnet. Aber so hat man sich hier am Marktplatz offenbar gut arrangiert.

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Meine erste Frage an die Kellnerin gestern war aber die nach dem Erfolgsrezept, wie ein solch vielleicht von zu vielen als „altmodisch“ wahrgenommenes Café so lange überlebt hat: „Die Qualität unserer Produkte“, hieß es spontan. „Alles ist aus eigener Herstellung, wir kaufen nirgends Rohteige ein“. Wie die meisten anderen, habe ich ergänzt. Vielleicht ist es auch das „Oma-Kaffee-Kuchen-Image“, das solche Häuser für eine jüngere Klientel ausstrahlt, die dann lieber zu den Pseudo-Qualitäts-Lokalen wie Starbucks gehen. Aber natürlich: Wenn sich erst einmal eine ältere Stammkundschaft etabliert hat, ist ein solches Kaffeehaus für Jüngere kaum noch attraktiv. „Wir haben unsere Stammkundschaft, mit der leben wir sehr gut“, sagt Karl Heinz Stolz.

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Zunächst habe ich einfach nur einen Espresso bestellt und tief durchgeatmet, wie immer beim abendlichen Espresso in entspannender Atmosphäre. Dann zogen die weißen Schleifen der Schürzen im Rücken der im Inneren des Cafés hin und her eilenden, die Vitrine wischenden und die Ware arrangierenden Bedienungen meine Aufmerksamkeit auf sich. einmal am Schaufenster stehend war dann schnell mein Widerstand gebrochen, mich nicht für teures Spritzgebäck und Pralinen zu interessieren. Das Haus ist vor allem für seine Pralinen, aber auch für die Kuchen bekannt. Nicht umsonst besteht das Logo aus dem Umriss einer Hochzeitstorte. Ich fand eine 300 Gramm-Tüte Teegebäck, um sie an den Rhein zu bringen. Das kostete 7,90 Euro.

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Dom-Café_Mainz (c) Ekkehart Schmidt

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Man betritt zunächst einen Konditoreiraum, von dem es rechts in das eigentliche Kaffeehaus geht. An der Theke stand eine Dame in den 50ern, die fast willenlos Sätze sagte wie „Davon noch zwei, nein lieber drei – und von diesen hier noch einen bitte“, bis die etwa 15 Euro teure Cellophantüte voll war. Meine Frage nach ihren Auswahlkriterien überhörte sie. Die Ration für einen Fernsehabend?

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

Karl Heinz Stolz, der eigentlich schon längst im Pensionsalter ist, arbeitet seit einiger Zeit seine Kinder in den Betrieb ein, eins  wird ihn übernehmen, auch weil es kein Fulltime-Job im Sinne von selbst und ständig ist, wie sie es draußen in Gonsenheim erlebt haben: Der Papa war eben immer früh zu Hause. So gut funktioniert die Unternehmensnachfolge nicht immer. Und jetzt wird Opa Karl Heinz bald viel Zeit für seine Enkel haben.

Adresse: Markt 12-16, 55116 Mainz, Tel.: 06131-222365, domcafemainz@t-online.de, Homepage

Dom-Café_Mainz © Ekkehart Schmidt

From → Cafés, SaarLorLux

2 Kommentare
  1. Schöner Beitrag, der mal Lust auf einen Besuch macht.

Trackbacks & Pingbacks

  1. Starbucks widerstehend: Kaffeehaus-Originale | akihart

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