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Hotel de la frontière_Spicheren

Oktober 14, 2015

Entlang der schier endlos öden Route national N3 von Saarbrücken nach Forbach und weiter nach Paris, an der viele Saarbrücker nur der Supermarkt „Simply“ (ehemals „Atac“) wegen der günstigen und breiten Fisch- und Käse-Auswahl interessiert, ehe sie wieder zurück fahren, ist dieses 300 m hinter der Grenze liegende Haus das erste optische Zeichen, sich wirklich in Frankreich zu befinden. Das „Hotel de la frontière“ wirkt anziehend durch den Namen und die große Terrasse, lässt aber auch ein sehr altbackenes Lokal vermuten. Umso überraschender war für mich heute der sauber-gepflegte Eindruck der großen Gaststube in einer Mischung aus Brasserie und PMU-Wettstube. Ich setze mich für einen Espresso und höre ein wenig den Gesprächen der 50-70jährigen überwiegend männlichen Gäste zu, deren deutsch-französische Sprachmischung mit Einsprengseln des lothringischen Platt fasziniert. „Mach mir noch eener“, sagt ein Herr zur Wirtin und bekommt noch ein Bier. Ein anderer Mann kommt herein und grüßt: „Alles klar?“. Marcel, Roger und die anderen wechseln vom „Prost!“ zum „Putain! Ca fait chier“ ohne sich dessen bewusst zu werden, wie mir scheint. Mein Nachbar ordert um 11 Uhr seinen zweiten „Petit Rouge“, nachdem er nach dem ersten raus auf die Terrasse ist, um eine zu rauchen, den Bierdeckel und einen 5 Euro-Schein hinterlassend.

Hotel de la frontière_Spicheren © Ekkehart Schmidt

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Die Gäste sind vor allem zum Wetten da, wie mir scheint. Pferdewetten vor allem. Das Plakat der „XV de France“ vom letzten Rugby-Worldcup lässt aber auch auf andere Sportarten schliessen. Zur diesbezüglichen Info wird in den „Républicain Lorrain“ geschaut. Aber sie sind Stammgäste, die schon seit Jahren in dieses wohl schon vor dem 2. Weltkrieg entstandene Haus kommen, jedenfalls schätzte man das auf meine Frage hin an de Theke so ein. Im Angebot sind hier Pelforth Blonde und Cuvée Blanche. Man legt Wert auf den Kontakt. Ein Neuankömmling begrüßt alle, auch mich, mit Handschlag – etwas, das ich später auch in zwei anderen Lokalen beobachte. Neben einem Louis Armstrong-Foto auf der rechten Seite der Theke hängt ein CIAL-Sparkasten auf roter Marmorwandverkleidung. Linkerhand gibt es einen Billardraum sowie einen eigenen PMU-Tresen zum Ein- und Auszahlen der Einsätze. 418.810 Euro wurden hier 2014 gewonnen, allein im August 2015 auch schon wieder 32.158 Euro, wobei mir nicht ganz klar ist, ob sich diese hohen Zahlen nicht doch auf das gesamte Département Moselle beziehen, steht doch unterhalb der Summe eine kleine 57.

Hotel de la frontière_Spicheren © Ekkehart Schmidt

Während sich in meinem Rücken Backsteinmauern befinden, erzeugt jenseits der Theke eine große Spiegelwand die Illusion eines doppelt so großen Lokals. Neben der Tür steht eine alte Musikbox. Ich trinke meinen Espresso für erstaunlich günstige 1,20 EUR und lese ein wenig.

Hotel de la frontière_Spicheren © Ekkehart Schmidt

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Das Haus verfügt über vier Gästezimmer, die 20 bzw. 25 EUR pro Nacht und 380 EUR pro Monat kosten. Der Hinweis auf den Monatspreis lässt vermuten, dass hier kaum Tagesgäste bleiben. Aber es bleibt festzuhalten, dass sich hier, nur einen Kilometer von der Stadtgrenze Saarbrückens das billigste Hotel der Gegend befindet. Im „Roland’s Eck“ in Burbach zahlt man 28 EUR, im „Schlosskrug“ mindestens 35 EUR.

Zwei Tage später komme ich um die gleiche Uhrzeit wieder und siehe da: Da steht wieder das Postrad und der gleiche Herr trinkt am gleichen Tisch seinen Roten. An der Theke stehen aber andere Männer und eine diesmal sehr junge Kellnerin kommt, gibt mir die Hand und nimmt meine Bestellung entgegen.

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