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Auf der „Stadt Saarbrücken“

August 13, 2015

Die Saar ist weder der Mekong, noch der Mississippi oder der Nil. So ist es für den gemeinen, meist weit gereisten Mittelstandsdeutschen unvorstellbar, sich dazu herab zu lassen, auf diesem mickrigen Fluss, dem es an exotischer Anmutung mangelt, ein Ausflugsschiff zu besteigen. Dies, obwohl der Käsekuchen hier deutlich besser ist, als in Hanoi, St.Louis oder Luxor (vom Kaffee ganz zu schweigen). Merkwürdig. Aber natürlich haben wir nur deshalb erstmals nach über 20 Jahren Saarbrücken ein Ticket für eine Rundfahrt auf der „Stadt Saarbrücken“ gelöst, weil unser Zweijähriger nach Erfahrungen mit Baggern, Müllautos oder der Eisenbahn nun endlich auch einmal mit einem Schiff fahren sollte. 14 Euro pro Erwachsenem waren ein stolzer Preis für die relativ kurze „Schleusentour“, aber es lohnt sich durchaus.

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Die Durchfahrt durch die bei der Kanalisierung der Saar in einem Gemeinschaftswerk des Königreichs Preußen und des französischen Kaiserreichs 1863 entstandenen Schleuse bei Güdingen ist natürlich – trotz manch interessanter Graffiti – der Höhepunkt der Fahrt. Und zugleich der Moment, an dem man sich in die untere Etage begeben sollte, um mitzubekommen, in welch Millimeterarbeit das 38 Meter lange Schiff in die 38,50 m lange und 5,10 m breite Schleusenkammer vom Unterwasser her gesteuert wird und wie tief es zu liegen kommt, ehe es langsam wieder hoch steigt, bis es nach Öffnung der Tore gute 2-3 m höher flussaufwärts weiter fahren kann. Eine gute Gelegenheit auch, sich die Gaststube für 150 Gäste anzuschauen, die bei unserer Fahrt erst kurz vor der Schleuse von vorher unsichtbaren gut 50 französischen Fahrtgästen verlassen worden war, die sich nun oben drängten.

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Der Boden und das untere Mauerwerk waren auch nach 153 Jahren immer noch gut in Schuss, aber die Tore der seit 1993 unter Denkmalschutz stehenden Schleuse mussten etwa ab 2016 saniert werden. Die Tour der „Stadt Saarbrücken“ endete hier. Nach der gut 3,5 Millionen Euro teuren Sanierung begann am 25. Mai 2018 wieder der Schleusenverkehr. Ab dann wird die Güdinger Schleuse nebenan saniert, die ebenso alt ist.

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Bei unserer etwa zweistündigen „Schleusentour“ von 5 km hin und 5 km zurück, wendete das Schiff an der „Wilden Ente“ (sonst geht es weiter bis ins französische Sarregemuines), um zurück zu fahren – was nicht besonders aufregend klingt, aber Carsten Gassmann, der junge Kapitän versteht es durchaus, einem Reiher oder Schildkröten auf Seerosen derart nahe zu bringen, dass kaum Langeweile aufkommt. Seine Mutter Christa ist – mit einer Helferin – für die Bewirtung der Gäste zuständig. Günter Emmer betreibt die Ausflugsschifffahrt seit 2001 mit diesen Schiffen. Vorher war er Frachtschiffer. Mutter und Sohn Gassmann haben ursprünglich in Schiffen angeheuert, Chef Günter war heute auf dem Schwesterschiff „Frohsina“ aktiv.

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Bis Anfang der 1960er-Jahre fuhren hier nicht nur Freizeitboote saaraufwärts, es herrschte reger Schiffsverkehr. Mehrere Reihen so genannter „Penichen“, so hießen die keinen Frachtschiffe, die zumeist Steinkohle nach Frankreich brachten, lagen damals in Saarbrücken am Hafen oder am Staden, um saaraufwärts zu fahren. Die „Stadt Saarbrücken“ wurde 1989 in Königswinter extra für die Saar gebaut. Die „Frohsina“ ist deutlich älter: Sie bzw. ihr Gerippe stammt von 1907. In der DDR diente sie als Frachter für Kies und ähnliches, ehe Emmers Vorgänger, die Familie Hauck, sie kurz nach der Wende nach Saarbrücken holte.

Wenngleich eine Tour auf der klassischen Rheinroute zwischen Bingen und Koblenz, wie ich sie im Frühsommer mal wieder unternehmen durfte, an Frachtschiffen und anderen Attraktionen mehr zu bieten hat, ist diese Fahrt gerade für Saarbrücker unbedingt zu empfehlen.

Nachtrag: Am 25. Oktober 2017 berichtete die Saarbrücker Zeitung, dass Günter Emmer seine Flotte verkaufen wird, weil seine Frau sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr um die Passagiere kümmern kann. Sein Sohn Carsten will trotz Schiffahrtspapieren die Arbeit nicht weiterführen. Günter Emmer sucht jetzt nach einem Kapitän, der den Flusstourismus in Saarbrücken fortsetzt. Fest steht, dass die „Stadt Saarbrücken“ einen neuen Liegeplatz ausserhalb des Saarlandes finden. Bei der „Frohsina“ werde jetzt verhandelt. So wird es ab Sommer 2018 maximal noch eines der weißen Schiffe in Saarbrücken geben.

Nachtrag: Am 24. Januar 2018 berichtete die Saarbrücker Zeitung erneut: Günter Emmer habe noch keinen Käufer gefunden und mache also erstmal weiter.

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Verwendete Quellen: Bredel, Frank: Die weiße Flotte steht vor dem Ende, Saarbrücker Zeitung, 26.09.2017; Klahm, Günther: Saarbrücken. Stadtwanderführer, Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2014, S. 10f, 99, 103; Lehmann, Heiko: Ab 25. Mai dürfen wieder Schiffe rein, Saarbrücker Zeitung, 07.05.2018; Manderscheid, Alexander: Der Kapitän bleibt noch an Bord, Saarbrücker Zeitung, 24.01.2018

Auf der „Stadt Saarbrücken“ © Ekkehart Schmidt

From → Cafés, SaarLorLux

One Comment
  1. Ich kann dir nur beipflichten. Wir haben die Tour auch schon gemacht und es lohnt sich. 🙂

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